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Der Mogli unter den Hirschen

Gast in Rinderherde Der Mogli unter den Hirschen

Von wegen scheu! Rothirsch Sven hat sich nahe Flensburg einer Herde von Galloways angeschlossen. Statt sich unter Artgenossen zu tummeln, kehrt er immer wieder zu den Rindern zurück - selbst zur Brunftzeit.

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Rothirsch Sven hat sich einer Herde Galloway-Rinder bei Flensburg angeschlossen.

Quelle: Carsten Rehder/dpa

Flensburg. Nahe Flensburg lebt das Tier wie der Junge Mogli im Dschungelbuch in einer fremden Herde - und hat seinen Alltag an den von rund 60 Galloway-Rindern angepasst. „Was ihn genau treibt, wissen wir nicht“, sagt Gerd Kämmer vom Naturschutzverein Bunde Wischen, dem die ökologischen Rinder gehören. Gefüttert werde der Hirsch nicht.

„Anfangs war er sehr scheu, man konnte ihn nur mit dem Fernglas auf große Entfernungen sehen, inzwischen kommt man auf bis zu 20 Meter an ihn ran“, sagt Kämmer über Rothirsch Sven, über den zuvor lokale Medien berichtet hatten. „Die Galloways sind seine Herde“, sagt Vereinsgeschäftsführer Kämmer über den Hirsch, der sich seit rund zwei Jahren regelmäßig auf der Weide im Stiftungsland Schäferhaus zwischen Harrislee und Flensburg-Weiche aufhält.

Zur Brunftzeit kehrte der Hirsch zurück

Zunächst hatten die Mitglieder von Bunde Wischen geglaubt, Sven mache nur mal Zwischenstopp bei den Rindern. In der vergangenen beiden Sommern war er auch jeweils für ein paar Wochen verschwunden. Doch ausgerechnet zur Brunftzeit kehrte er wieder zurück. Kämmer habe zunächst vermutet, dass Sven „von dannen zieht, auf der Suche nach Hirschkühen, doch gerade in dieser Zeit war er dauerhaft wieder da“.

Sven sei vermutlich aus Dänemark eingewandert, sagt Kämmer. Rotwild sei in Südschleswig nämlich eigentlich nicht mehr beheimatet. Doch da die Hirsche nördlich der Grenze wenig Platz und Nahrung finden, gibt es eine wachsende Einwanderung nach Schleswig-Holstein. Im Nachbarkreis Nordfriesland hatten die Jäger jüngst bereits geklagt, durch die skandinavischen Gäste wüchsen die Schäden in den Forsten. „Die nahrhafte Rinde junger Bäume gilt den Tieren als Delikatesse und wird gern abgeschält“, teilte Ende November die Kreisverwaltung mit.

Auf dem hunderte Hektar großen ehemaligen Truppenübungsplatz, auf dem die Galloways zu Hause sind, ist Sven mit seinem prächtigen Geweih dagegen gern gesehen. „Wir wollen Naturschutz nicht unter der Käseglocke praktizieren, sondern auch zeigen, was wir machen“, sagt Kämmer. Er wünscht sich, dass sich noch weiteres Rotwild dazugesellt.

Sven kann jederzeit türmen

Zum Konzept gehört aber auch, dass der Hirsch jederzeit türmen könnte. Die einen Meter hohen Weidezäune der Rinderherde kann Sven fast aus dem Stand überspringen. Damit ihn außerhalb des Naturerlebnisraums mit seinen zahlreichen Besuchern aber nicht doch noch zufällig ein Jäger vor die Flinte bekommt, will Biologe Kämmer ihn in der Region „durch Popularität schützen“.

Ob Sven je wieder in einem Rotwild-Rudel heimisch wird, ist offen. Anders als seine eingewanderten Artgenossen, die laut Kämmer wegen der Menschen inzwischen vor allem nachts in den Wäldern knabberten, sei Sven wieder tagaktiv. Und selbst von der Silvester-Böllerei in der Umgebung ließ er sich nicht vergrämen.

dpa

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KN-online (Kieler Nachrichten)

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