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Ist „Emil“ erst da, ist alles gut

Geburtsübung Ist „Emil“ erst da, ist alles gut

Wenn sich Babys entscheiden, eilig auf die Welt kommen zu wollen, werden Taxen, Polizeiwagen oder Rettungswagen zu Kreißsälen. Mit einer Puppe, die atmet, spricht und Vitalzeichen hat, können künftig alle Rettungskräfte in Schleswig-Holstein für den Ernstfall üben.

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Rettungssanitäterin Saskia Greiner, Staatssekretärin Anette Langner, Irun-Direktor Jan-Thorsten Gräsner, UKSH-Chef Jens Scholz und Irun-Oberarzt Florian Reiffenscheid (v.li.) waren bei der ersten Geburt von Plastikbaby „Emil“ mit dabei.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Kiel. Plötzlich geht alles ganz schnell: Wenn sich Babys entscheiden, eilig auf die Welt kommen zu wollen, werden Taxen, Polizeiwagen oder Rettungswagen zu Kreißsälen. Im letzteren Fall avancieren die Rettungssanitäter zum Geburtshelfer. „Es heißt, dass ein Sanitäter durchschnittlich einmal pro Berufsleben ein Kind auf die Welt bringt“, sagt Staatssekretärin Anette Langner vom Ministerium für Soziales, Gesundheit, Wissenschaft und Gleichstellung. Damit sich das Personal künftig besser auf diesen seltenen Ernstfall vorbereiten kann, übergab Langner am Freitag einen geburtshilflichen Simulationsrettungswagen samt lebensgroßer Puppe an das UKSH. An der sogenannten „Sim-Mom“ können künftig alle Rettungskräfte in Schleswig-Holstein geschult werden.

 Rund 111800 Euro stellte das Land für die Anschaffung des Wagens und der Gerätschaften zur Verfügung. UKSH-Chef Jens Scholz sprach von einer „großherzigen“ und notwendigen Spende. „Simulationen werden immer wichtiger. Medizinstudenten üben bereits an Puppen und mit Schauspielern.“ Nun könne auch zukünftigen Sanitätern diese Möglichkeit eröffnet werden. Und egal, ob bei angehenden Ärzten und Sanitätern: Sobald es um Schwangere und Kinder gehe, sei die Reaktion bei fast allen gleich: „Ogottogott!“

 Rettungssanitäterin Saskia Greiner (23) war bereits in einer solchen Situation. Als sie mit ihrem Kollegen an den Einsatzort kam, sei das Köpfchen schon zu sehen gewesen. Für eine Umlagerung in den Rettungswagen geschweige denn den Transport ins Krankenhaus war es schon zu spät. Das Baby kam zu Hause auf die Welt. Glücklicherweise war es eine leichte Geburt ohne Komplikationen. Dennoch: „Es ist schon eine extreme Stresssituation. Das kennt man ja nicht so vom Tagesgeschäft.“ Greiner ist bereits vollständig ausgebildet. Sie hätte sich einen Simulationswagen dieser Art damals gewünscht. „Wir haben unter Kollegen miteinander geübt. Das ist einfach nicht dasselbe“, sagte sie, „der neue Wagen ist viel praxisnäher.“

 „Sim-Mom“, die werdende Puppenmutter atmet, spricht, stöhnt und simuliert sogar Vitalzeichen wie den Blutdruck. Was auf Außenstehende bizarr wirkt, ist für die Übung von Vorteil. Es gilt: Je realistischer, desto besser. Auch mögliche Komplikationen wie Fehllagen oder Nabelschnurvorfälle können nachgeahmt werden. Das Zweierteam im Wagen ist auf sich alleine gestellt, muss auf alles reagieren, selbst Lösungen finden. „Es geht nicht nur um die medizinischen Fähigkeiten, sondern auch um die Teambildung“, sagte Florian Reiffenscheid, Oberarzt am Institut für Rettungs- und Notfallmedizin (Irun). Über Kameras und Mikrofone wird festgehalten, was im Inneren des Rettungsfahrzeugs passiert. So kann die Übung im Nachgang ausgewertet werden.

 Saskia Greiner und Oberarzt Florian Reiffenscheid sind ein eingespieltes Team. Dementsprechend gekonnt saßen ihre Handgriffe bei der Simulation. Beruhigend sprachen sie auf die werdende Puppenmutter ein, deckten sie zu, motivierten sie zum Pressen. Schon nach kurzer Zeit war die kleine Babypuppe namens „Emil“ auf der Welt: Geburtszeit 10.35 Uhr. Zukünftig werden weitere, durchaus schwierige Geburten für den Plastikjungen und seine „Sim-Mom“ folgen.

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