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Recyclinghof nimmt kein Styropor mehr an

Gefährliche Abfälle Recyclinghof nimmt kein Styropor mehr an

Ab dem 30. September gehört Styropor zu den gefährlichen Abfällen. Recyclinghöfe aber auch Dachdecker- und Zimmereibetriebe und sogar Heimwerker stehen damit vor einem erheblichen Problem. In Schleswig-Holstein gibt es keine ausreichenden Entsorgungskapazitäten.

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Wohin mit dem ganzen Styropor?

Quelle: Christian Hiersemenzel (Archiv)

Neumünster.  Die Stadtwerke Neumünster haben jetzt die Konsequenz gezogen. „Unser Recyclinghof im Wertstoffzentrum Wittorferfeld kann Dämmplatten auf der Basis von Polystyrol bis auf weiteres nicht mehr annehmen“, erklärte Sprecherin Angelika Schiffer. „Da wir das Material weder selbst behandeln noch in größeren Mengen lagern dürfen, sehen wir keine andere Möglichkeit, bis eine praktikable Lösung gefunden ist.“ Nicht nur in Neumünster gibt es keine Annahme für Dämmstoffe aus Styropor, auch die Abfallhöfe der AWR im Kreis Rendsburg-Eckernförde nehmen sie ab 1. Oktober nicht mehr an. Der Abfallwirtschaftsbetrieb Kiel prüft die Lage gegenwärtig noch. Hierhin dürfen Bürger und Firmen aus Kiel das Polystyrol weiter bringen.

 Hintergrund ist die vom Bundestag im März 2015 verabschiedete Neufassung der Abfallverzeichnis-Verordnung. Danach sind Dämmstoffe, die mehr als 0,1 Prozent Hexabromcyclododecan (HBCD) enthalten, als gefährlich einzustufen und getrennt in speziell zugelassenen Abfallverbrennungsanlagen zu entsorgen. HBCD wurde laut Schiffer bis 2014 den Polystyrol-Dämmstoffen in einer Konzentration von 0,7 bis 1,5 Prozent als Flammschutzmittel zugesetzt. „Der Stoff ist hochgiftig und baut sich in der Umwelt nicht ab. Damit er sich in Wasser und Boden nicht anreichern kann, schreibt der Gesetzgeber die Beseitigung dieses Dämmmaterials in entsprechend genehmigten Verbrennungsanlagen vor“, so Schiffer.

 Betroffen von dem Problem sind auch Heimwerker. „Auch von Privatkunden werden wir kein solches Material mehr annehmen“, erklärte Norbert Bruhn-Lobin, kommissarischer Geschäftsführer der Stadtwerke. Und ergänzte: „In den gelben Sack gehören solche Dämmplatten schon überhaupt nicht.“ Wer dennoch versucht, die auf diese Weise zu entsorgen, müsse damit rechnen, dass die Müllabfuhr den „Gelben“ am Straßenrand liegen lässt.

 In Schleswig-Holstein gibt es nach ihren Angaben nur eine Anlage, die das Material noch annehmen darf: die Sonderabfall-Verbrennungsanlage Brunsbüttel (SAVA). Aber auch ihre Kapazitäten reichten nicht aus, um das im Land anfallende Styropor-Dämmmaterial aufzunehmen.

 Baustopps für laufende oder geplante Projekte befürchtet das Dachdeckerhandwerk. „Weder unseren Betrieben noch den Kunden kann durch die Neufassung, der eine EU-Verordnung zugrunde liegt, einfach der schwarze Peter zugeschoben werden“, sagte Harald Friedrich, Sprecher des Landesinnungsverbandes. Außerdem habe die deutsche Bundesregierung eine Ausnahmegenehmigung beantragt, der zufolge HBCD noch bis 2017 verwendet werden dürfe.

 Technisch, so Friedrich, würden die Dämmstoffe wohl auch künftig einfach verbrannt. „Doch werden die Preise dafür erheblich steigen.“ Diesen Mehraufwand konnten bisher weder Auftraggeber noch die Betriebe in die Sanierungskosten einkalkulieren. Für eine Zwischenlagerung der Volumen intensiven Dämmstoffreste fehle es schlicht an Lagerkapazitäten.

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Ein Artikel von
Sabine Nitschke
Holsteiner Zeitung

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