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Neuer Pastor beginnt in der JVA Kiel

Gefängnisseelsorger Neuer Pastor beginnt in der JVA Kiel

In der Justizvollzugsanstalt Kiel wurde Pastor Michael Carstens am Donnerstag offiziell in sein Amt als Gefängnisseelsorger eingeführt. Zum feierlichen Gottesdienst waren Vertreter der Nordkirche, der JVA, Freunde und Häftlinge gekommen.

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Karger Raum, bedeutungsschwere Worte: Pastor Michael Carstens bei der Amtseinführung in der JVA Kiel.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Zur Seite geschobene Basketballkörbe, Linoleumboden, Stuhlreihen in der Mitte, an den Seiten lange Tische mit Kaffee, Kuchen und Kaltgetränken. Im vorderen Teil ragt ein hölzernes Kreuz empor, davor zwei Kerzen. Ein Altar. Pastor Michael Carstens begrüßt die Anwesenden zu einem ganz besonderen Gottesdienst. Denn wer durch die Fenster schaut, der wird gewahr, wo er ist: Zu sehen sind Drahtzäune.

Was an Carstens als erstes auffällt: Er ist groß. 2,02 Meter groß. Im September vergangenen Jahres hatte er die vakant gewordenen Stelle von Pastor Martin Hagenmaier, der in den Ruhestand getreten war, übernommen. Gestern folgte in der Mehrzweckhalle des Kieler Gefängnisses die offizielle Zeremonie. „Seit mehreren Monaten schon ist Herr Carstens unser Anstaltspastor, und das macht er sehr, sehr gut“, begrüßt ihn Jan-Gerd Dose, Direktor der JVA Kiel. „Ich kann mir keinen besseren vorstellen, und genauso wenig kann ich mir ein Gefängnis ohne Seelsorge vorstellen.“ Beistand und Trost seien auch und gerade in einer Haftanstalt gefordert. Für Carstens ist die Gefängnisseelsorge zwar ein weites, aber kein neues Feld: „Als meine Vorgesetzte mir im Jahr 2001 eine Stelle in der JVA Flensburg vorgeschlagen hatte, dachte ich zuerst: Das geht überhaupt nicht!“, erzählt Carstens nach dem Gottesdienst. „Ich als schmächtiger Typ bei den bösen Buben“, habe er damals gedacht. Ausprobiert hat er es trotzdem und schnell herausgefunden, dass die „bösen Buben“ doch nur Menschen sind, „Menschen mit all ihrem Schrecken und ihrer Schönheit“. Nach Flensburg kam 2005 die Jugendhaftanstalt Schleswig und nun die JVA Kiel hinzu. „Ich habe gemerkt, dass ich das einfach gut kann“, sagt er, „dass ich mich im doch sehr weltlichen Raum Gefängnis gut bewegen kann und mit den Anforderungen nicht überfordert bin.“

Triste Umgebung, strahlendes Gemüt

So trist die Stahltore und Betonmauern, so hell das Gemüt des 53-jährigen Familienvaters. Er lacht viel, strahlt, grinst. Seine Gottesdienste sind gut besucht. „Aber ich mache mir nichts vor. Es ist nicht nur Glaube, sondern bei einigen auch Langweile, die die Häftlinge in meinen Gottesdienst treibt.“ Auf die Frage, wie sie den Pastor denn finden, antworten zwei JVA-Insassen: „Sehr gut. Er ist ein netter Kerl.“ Wie finden denn die Kinder des Geistlichen den Einsatzort des Vaters? „Ein bisschen faszinierend, ein bisschen auch komisch. Aber sie haben sich daran gewöhnt“, so Carstens.

Die in Gottesdiensten gesprochenen, bedeutungsschweren Worte, bekommen innerhalb der Gefängnismauern etwas seltsam Konkretes, etwa wenn es im gemeinsam gesprochenen Vaterunser heißt: „Vergib uns unsere Schuld“ und „führe uns nicht in Versuchung“. Sebastian Borck von der Nordkirche bittet die Gemeinde zu beten: „Für Michael Carstens und sein Wirken in der Stille.“ Wie viel von seiner Arbeit nimmt der Pastor mit nach Hause? „Wissen Sie, sobald ich heraustrete und die Stahltüre hinter mir einrastet, weiß ich innerlich: Ich bin draußen.“

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Ein Artikel von
Alev Doğan
Volontärin

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