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Imker fordern: Jakobskreuzkraut melden und bekämpfen

Kiel Imker fordern: Jakobskreuzkraut melden und bekämpfen

Die Imker in Schleswig-Holstein ziehen jetzt mit einer Unterschriften-Aktion gegen das Jakobkreuzkraut zu Felde. Sie fürchten, dass das Gift der Pflanze den Honig in großem Maßstab belasten könnte.  Seit den beiden ungeklärten Todesfällen bei Rindern auf einer Fläche mit Jakobskreuzkraut bei Neustadt, wird über den richtigen Umgang mit der Pflanze heftig  gestritten.

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Giftig, aber für viele Arten ein wichtiger Lebensraum: Die Bienen steuern das Jakobskreuzkraut nur an, weil sie die traditionellen Bienenweiden nicht mehr finden.

Quelle: Karin Jordt

Kiel. In der Diskussion um das Jakobskreuzkraut melden sich jetzt die Imker zu Wort: Sie fordern ein Melde- und Bekämpfungsgebot, sagte Dittmar Stöckl vom Imkerverein Plön. Der Nabu hingegen warnt vor Panikmache und wirft Umweltminister Robert Habeck „fachlich fragwürdigen Aktionismus“ vor. Der grüne Minister wird sich am 18. Juni mit dem Vorstand der Stiftung Naturschutz zum Krisengespräch treffen.

Das Jakobskreuzkraut mit den giftigen Pyrrolizidinal-Alkaloiden PA hat sich auf 1200 Hektar der Stiftung Naturschutz ausgebreitet. „Das macht uns das Imkern immer schwerer“, sagt Dittmar Stöckl. In diesem Jahr macht er sich ernsthafte Sorgen, dass die Analyse des Sommerhonigs eine böse Überraschung bringen könnte: Denn in der Nähe seines bienenfreundlichen Gartens gibt es auch Stiftungsflächen, auf der sich die Pflanze massiv ausgebreitet hat. „Es eilt. Es muss verhindert werden, dass diese Pflanzen zur Blüte kommen, von den Bienen angeflogen werden und mit dem Nektar das Gift in den Honig gelangt“, fordert Stöckl.

Natürlich würden die Imker Honig, wenn er über dem Richtwert belastet sei, nicht verkaufen. „ Eine nachhaltige Lösung ist das aber nicht. Wenn die Ausbreitung der Pflanze weiter zunimmt, werden auch die PA-Belastungen des Honigs zunehmen. Die Folge: Anzahl der Imker und Bienenvölker werden abnehmen, schon jetzt ist bei vielen Kollegen die Unlust spürbar“, warnt Stöckl. Wegspritzen will er die giftigen Pflanzen aber nicht. Dann würde ja ein Gift durch ein anderes ersetzt. „Gerade um das zu vermeiden, muss jetzt schnell flächendeckend gehandelt werden“, fordert der Imker und sammelt Unterschriften für ein Melde- und Bekämpfungsgebot – eine Aktion, die der Nordangler Imkerverein initiiert hat.

Bei Aiko Huckauf rennt Stöckl offene Türen ein. Der promivierte Diplom-Chemiker und Umweltmanager ist für das JKK- Kompetenzzentrum bei der Stiftung zuständig. „Seit 2014 erfassen wir systematisch, wo JKK übermäßig auftritt. Sind Beuten von Imkern in der Nähe, ist auch das Umbrechen kein Tabu mehr. Entscheidend ist aber der Einzelfall“, sagt Huckauf. So würden jetzt in Neustadt, wo möglicherweise zwei Rinder an einer PA-Vergiftung verendet sind, die Flächen umbrochen und insektenfreundliche Blühpflanzen ausgesät.

In Preetz und auch in der Nähe von Stöckls Flächen soll als Sofortmaßnahme gemäht und gemulcht werden. „Damit können wir jetzt das Blühen verhindern, aber nicht, dass die Pflanze nächstes Jahr wiederkommt. Das ist also ein Kampf gegen Windmühlen.“ Um den Pflanzen endgültig den Garaus zu machen, müssen sie  später abgemäht werden. Dazu sei eine Punktlandung notwendig ­ - das JKK muss voll erblüht sein, darf aber noch keine Samen gebildet und verteilt haben.  „Deshalb werden wir dieses Verfahren dort bevorzugen, wo keine Honigbienen in der Nähe sind“, sagt Huckauf. 

Parallel zu der Bekämpfung müsse aber weitergeforscht werden. „Wir wissen noch zu wenig über die effektivste, naturverträgliche Bekämpfungsmethode. Deshalb werden in Kooperation mit der Universität Kiel an acht Standorten im Land kleine Versuchsparzellen angelegt: Jeweils auf sechs Flächen wird das JKK mit unterschiedlichen Methoden bekämpft   - auf der siebten bleibt die Pflanze sich selbst überlassen.

Der Nabu warnt währenddessen vor Panikmache unter den Verbrauchern. „Was gerade passiert ist eine  Kampagne vor allem gegen den Naturschutz, institutionell insbesondere gegen die Stiftung Naturschutz des Landes“, kritisiert Nabu-Geschäftsführer Ingo Ludwichowski, „in Schleswig-Holstein wird das Thema aber wie in keinem anderen Land vor allem politisch forciert – und der Umweltminister befeuert es durch seinen fachlich fragwürdigen Aktionismus.“ Tatsächlich fragen immer mehr Bürger, ob PA auch Fleisch aus extensiver Weidehaltung belastet sein könnte. Bisher gibt es dafür keinerlei Hinweise, betont das Bundesinstitut für Risikobewertung.   

Übrigens: Wer das Jakobskreuzkraut herausreißt, sollte sich über das genaue Aussehen der Pflanze informieren und dann Handschuhe tragen: Bei empfindlichen Personen kann der Hautkontakt ähnlich wie bei der Herkulesstaude eine allergische Reaktion hervorrufen.  

www.imker-ploen.de, Imker-Telefon 0431-21090-799

 

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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