18 ° / 16 ° Sprühregen

Navigation:
Gefahr durch Granulat auf Kunstrasenplätzen?

Sportstätten Gefahr durch Granulat auf Kunstrasenplätzen?

Die Nachricht aus Holland hat Sportler auch hierzulande verunsichert: Viele Fußballplätze mit Kunstrasen-Belag wurden dort gesperrt, weil das als Füllstoff eingearbeitete Granulat im Verdacht steht, die Gesundheit der Spieler gefährden zu können.

Voriger Artikel
Beamter unter Bestechungsverdacht
Nächster Artikel
Handyverbot für Kapitäne

Ein Teil des Granulats, das zur besseren Bespielbarkeit auf Kunstrasen gestreut wird, steht im Verdacht, die Gesundheit zu gefährden.

Quelle: Carmen Jaspersen

Osterrönfeld. Es enthält sogenannte Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), die in bestimmten Konzentrationen Krebs auslösen können. Doch die tatsächlichen gesundheitlichen Folgen sind wissenschaftlich bisher nur unzureichend untersucht. Hinzu kommt, dass das in Deutschland eingesetzte Granulat meist anderen Ursprungs ist.

Karsten Tolle, Pressesprecher des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes (SHFV), weist auf eine andere Bauweise bei den Kunstrasenplätzen in den Niederlanden hin: „Dort wird häufig auf einen elastischen Untergrund verzichtet, sodass als Ausgleich mehr Granulat gebraucht wird.“ Um Kosten zu sparen, komme dann das günstigere SBR-Granulat (Styrol-Butadien-Rubber) zum Einsatz. Es bestehe aus geschredderten alten Autoreifen, bei deren Herstellung auch Weichmacher-Öle und Ruße verwandt würden. Diese enthielten die in Verruf geratenen PAK – nach Angaben des Umweltbundesamtes etwa 40 Milligramm pro Kilo.

Gefährdung nicht nachgewiesen

Fußballspieler können Feinstaubpartikel einatmen oder über Schürfwunden in der Haut aufnehmen. Der SHFV-Sprecher betont jedoch, dass auch das Spielen auf Plätzen mit SBR-Granulat „nach derzeitiger Faktenlage unbedenklich ist“. Es gebe bislang keine wissenschaftliche Studie, die den Nachweis einer Gesundheitsgefährdung erbracht habe. Vielmehr sei das Bundesgesundheitsamt der Schweiz 2006 in einer Studie zu dem Ergebnis gekommen, dass Kunstrasen mit Gummigranulat aus Altreifen kein spezielles Gesundheitsrisiko darstelle. Seit 2015 ist aber eine EU-Verordnung in Kraft, die Produkte mit mehr als einem Milligramm PAK pro Kilo verbietet. Eine sichere Alternative zum Gummi-Granulat wäre Kork. Dessen Einsatz ist aber wesentlich teurer.

In Kronshagen gab es aus sportlicher Sicht jetzt eigentlich Grund zum Jubeln. Der Sportausschuss der Gemeinde gab grünes Licht für die Komplettsanierung des seit 2004 bestehenden Kunstrasenplatzes. Etwa eine viertel Million Euro wird die Gemeinde 2018 für die Erneuerung des Belages ausgeben. Die Anlage ist in den vergangenen zwölf Jahren intensiv genutzt worden. Teilweise trainieren dort bis zu vier Mannschaften gleichzeitig. Jetzt zeigte der Belag typische Abnutzungserscheinungen: kurze Fasern, aufbrechende Nähte, Absackungen an den Elfmeterpunkten. Neues Granulat im Umfang von acht Tonnen wurde erst in diesem Jahr aufgetragen. „Es gibt keinerlei Anzeichen, dass es Probleme damit gibt“, sagte Peter Rinio, Vorsitzender des TSV Kronshagen, nach Rücksprache mit Spartenleitern und Technik-Vorstand. Weder unangenehme Gerüche, noch durch Sonneneinstrahlung bewirkte Klumpenbildung seien beim Granulat über die Jahre festgestellt worden.

„Wir verwenden ein umweltzertifiziertes Qualitäts-Granulat“, versicherte Andrea Linfoot (CDU), stellvertretende Bürgermeisterin, auf Nachfrage. Es besteht aus sogenanntem EPDM-Gummi, das in Deutschland aus hochwertigem synthetischen Kautschuk hergestellt wurde und dessen PAK-Werte nach Herstellerangaben unterhalb der Nachweisgrenze liegen. Vier bis fünf Kilogramm werden davon pro Quadratmeter Kunstrasen verfüllt.

Naturware für die Gesundheit

Genau diese Ausgabe hat Osterrönfeld nicht gescheut: „Wir haben uns für das Naturprodukt als Granulat entschieden. Wir haben dabei an die Gesundheit der Fußballer gedacht“, erklärte Osterrönfelds Bürgermeister Bernd Sienknecht auf Nachfrage. Der Kunstrasenplatz, auf dem der Osterrönfelder TSV spielt, ist im September 2014 eingeweiht worden.

Der Kunstrasenplatz auf einem Nebenplatz des Büdelsdorfer Eiderstadions ist im Juli 2006 mit Quarzsand und grünem Gummigranulat angelegt worden. „Wir können nicht ausschließen, dass PKA-haltiges Material auch in Büdelsdorf verarbeitet wurde. Denn in Kunststoff ist grundsätzlich dieser Stoff vorhanden“, sagte Oliver Horn. Der Architekt im Rathaus teilte auch mit: „Der verwendete Kunststoff ist in Deutschland hergestellt und unterschreitet um mehr als das Zehnfache die EU-Norm.“

Die Stadt habe vom Ral-Institut ein Gütesiegel bekommen. Dieses Institut vergibt laut Informationen auf seiner Homepage Kennzeichnungen, denen hohe Qualitätsstandards von Produkten zugrunde liegen. Horn: „Wir brauchen uns keine Sorgen um die Gesundheit der Fußballer zu machen.“ Bei der Stadt Rendsburg, die einen Kunstrasenplatz auf dem Sportplatz Rotenhof errichtet hat, waren die zuständigen Mitarbeiter nicht erreichbar.

Zertifiziert und Din-normiert

Seit 2010 wird in Flintbek auf einem Kunstrasenplatz gekickt. Rund 400.000 Euro hat das Projekt für den TSV damals gekostet. Auch für die Verwaltung kam die öffentliche Diskussion zum Thema Krebsgefahr auf Kunstrasen überraschend. „Wir haben davon nichts gehört“, erklärte Bürgermeister Olaf Plambeck. „Aber wir haben uns umgehend bei unserem Sportstättenbauer erkundigt und können Entwarnung geben. Unser Hersteller verwendet kein Granulat, das aus Recycling-Material hergestellt wird“, betonte der Verwaltungschef. „Das Material ist Din-geprüft, ein entsprechendes Zertifikat wird uns zugesandt“, so Plambeck abschließend.

Auch in Molfsee wird seit 2007 auf einem Kunstrasenplatz trainiert, 2010 gab es erstmals einen neuen Belag. „Wir haben dabei ein Neugummigranulat mit hervorragenden sportfunktionellen Eigenschaften verwendet, das unter der Abkürzung EPDM bekannt ist. Wir sind zuversichtlich, damit der Din zu entsprechen, haben bei unserem Sportstättenbauer jedoch auch noch das Zertifikat angefordert“, erklärte Bauamtsleiter Peter Krebs auf Nachfrage. „Damit sind wir und unsere Sportler auf der sicheren Seite.“

Auf dem Kunstrasenplatz des TSV Bordesholm wird seit Ende 2011 gekickt – und der Trainings- und Spielbetrieb wird auf dem 570000 Euro teurem Untergrund auch nach Angaben des Vorsitzenden Gerhard Settgast fortgesetzt. „Von der Problematik in Holland habe ich am Montag nach meinem Urlaub erfahren. Wir werden das mit der Firma, die den Platz gebaut hat, aber ausführlich besprechen“, fügte Settgast hinzu.

Nach Angaben von Peter Paul Scharnberg, der die TSV-Anlage im Möhlenkamp pflegt, wurde in Bordesholm als Untergrund Quarzsand mit grünem Granulat verwendet. Beim Sportplatzbau sei die DIN V18035/Teil 7 eingehalten worden. Daher geht Scharnberg davon aus, dass alles in Ordnung sei müsste.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
THW-Liveticker

Verfolgen Sie alle Spiele vom THW Kiel in unserem Liveticker.

Das THW-Magazin

Erfahren Sie mehr!
Einblicke hinter die
Kulissen des THW-Kiel

Anzeige
ANZEIGE
Mehr aus Nachrichten: Schleswig-Holstein 2/3