18 ° / 11 ° Regenschauer

Navigation:
Geflügelpest breitet sich bundesweit aus

Sorge wächst Geflügelpest breitet sich bundesweit aus

Die Geflügelpest hat eine neue Stufe erreicht: Erstmals ist Hausgeflügel verendet, das nie mit Wildvögeln in Kontakt gekommen ist. Und: Erstmals ist eine Massentierhaltung betroffen. In dem Legehennenbetrieb in Grumby bei Schleswig werden alle 30.000 Tiere getötet.

Twedt 54.600254 9.678276
Google Map of 54.600254,9.678276
Twedt Mehr Infos
Nächster Artikel
Milchtankstellen - von der Kuh zum Kunden

Alle Tiere müssen nun der Geflügelpest-Verordnung entsprechend getötet werden.

Quelle: Daniel Bockwoldt/dpa

Kiel. Die Polizei sperrte den Betrieb ab. In Berlin wurde der Nationale Krisenstab einberufen.

„Jetzt ist das passiert, was wir unter allen Umständen verhindern wollten“, erklärte Agrarminister Robert Habeck (Grüne) am Wochenende sichtlich besorgt in Kiel, „das Virus ist in einer geschlossenen Haltung aufgetreten.“ Das bedeutet: Der Erreger H5N8 ist so hochansteckend, dass er sich auch ohne den direkten Kontakt mit infizierten Tieren verbreitet. Anders ausgedrückt: Selbst eine Stallhaltung bietet keinen sicheren Schutz. Es reicht dem Virus offenbar ein indirekter Übertragungsweg. In Grumby kann das über die Lüftungsanlage geschehen sein. Das Virus kann aber auch über Partikel an Personen und Gegenständen in den Stall gelangt sein. Epidemiologen des Friedrich-Loeffler-Instituts FLI versuchen, das herauszufinden.

Den Experten macht aber noch etwas anderes Sorge: Sie haben Hinweise dafür, dass sich das Virus verändert. Damit könnte sich das Infektionsrisiko für den Menschen, das bisher als gering gilt, erhöhen. „Verlässliche Aussagen zur Virulenz des Erregers für den Menschen sind derzeit noch nicht möglich“, formuliert man beim FLI vorsichtig. Habeck kündigte an, die Sicherheitsvorkehrungen über die Vorschriften der Geflügelpest-Verordnung hinaus zu erhöhen. So ist in der Sperrzone um Grumby der Transport von Fleisch und Fleischerzeugnissen verboten worden – nicht nur von Geflügel. Sollte die Seuche in weiteren Betreiben auftreten, könnte dies Fleischproduktion und -handel im Land teilweise lahmlegen.

Gleichzeitig wurde der zweite Fall von Geflügelpest bei Wildvögeln im Kreis Segeberg bei Klein Rönnau und der erste Fall im Kreis Herzogtum Lauenburg bestätigt. Damit sind jetzt die Hansestadt Lübeck und zumindest teilweise die Kreise Schleswig-Flensburg, Rendsburg-Eckernförde, Plön, Segeberg inklusive der Stadt Bad Segeberg und das Herzogtum-Lauenburg betroffen. „Ich kann nur an alle appellieren, vernünftig zu agieren und alle Schutzmaßnahmen einzuhalten. Das gilt auch für Hunde- und Katzenhalter“,sagte Kirsten Heß vom Bauernverband Schleswig-Holstein.

Auch im Bund und in Europa breitet sich die Tierseuche weiter aus. Der Krisenstab auf Bundesebene hat nur eine Stallpflicht für Geflügel in bestimmten Zonen vereinbart. Der Vizepräsident vom Zentralverband der deutschen Geflügelwirtschaft hatte die bundesweite Stallpflicht gefordert. „Wir müssen schneller sein als sich das Virus ausbreitet.“

An der aggressiven H5N8-Variante verendete Wildvögel wurden bisher in Schleswig-Holstein, Baden-Württemberg, Bayern und Mecklenburg-Vorpommern gefunden. Die Behörden reagierten mit einer massiven Ausweitung der Stallpflicht-Zonen vor allem in der Nähe von Seen und Flüssen. Damit soll eine Ansteckung über Kot oder verunreinigtes Wasser verhindert werden.

Europaweit wurden aus mindestens sieben Ländern Geflügelpest-Nachweise bei Wildvögeln oder in Geflügelbeständen gemeldet. Der Erreger ist für Menschen ungefährlich, aber eine erhebliche Bedrohung für Hausgeflügel. Erstmals war die H5N8-Variante der aktuellen Epidemie in Deutschland am 8. November bei verendeten Wasservögeln in Schleswig-Holstein nachgewiesen worden.

Bürgertelefon

Um Fragen von Bürgerinnen und Bürgern zu beantworten, hat das Land ein Bürgertelefon eingerichtet. Dieses ist von Sonntag an wieder von 9.00 bis 17:00 Uhr besetzt und unter 0431 160 6666 erreichbar.
Zudem hat der betroffene Kreis Plön unter der Telefonnummer 04522/74387 montags bis donnerstags von 8.30-17.00 Uhr sowie freitags von 8.30-13.00 Uhr ein Bürgertelefon eingerichtet.

 

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

KN-KSV-Liveticker

Verfolgen Sie alle Spiele von Holstein Kiel im KN-KSV-Liveticker.

Das THW-Magazin

Erfahren Sie mehr!
Einblicke hinter die
Kulissen des THW-Kiel

Anzeige
ANZEIGE
Mehr zum Artikel
Umwelt
Ein Mann sammelt am Großen Plöner See eine tote Ente ein.

Die endgültige Bestätigung des vermutlich ersten Fall von Geflügelpest in einem schleswig-holsteinischen Kleinbetrieb wird heute erwartet. Am Donnerstag waren 18 Puten eines privaten Geflügelhalters im östlichen Landesteil verendet.

  • Kommentare
mehr
Mehr aus Nachrichten: Schleswig-Holstein 2/3