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Geflügelpest Verbraucher sind verunsichert

Um die Ausbreitung der gefährlichen Variante des Geflügelpest-Erregers H5N8 zu verhindern, gelten ab Donnerstag besondere Schutzmaßnahmen für Geflügelhalter. Nachdem am 9. November die Stallpflicht eingeführt wurde, geht es jetzt um verschärfte Schutzmaßnahmen.

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Muss immer wieder Fragen zu seinen Eiern beantworten: Der Rendsburger Landwirt Soenke Boie (57) bezieht seine Ware vom Wittenseer Hühnerhof. „Wir stehen im regen Austausch“, sagt er.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Auch private Halter müssen nun einen Schutzanzug tragen und ihre Schuhe desinfizieren. Doch die hoch ansteckende Tierseuche verunsichert nicht nur die Halter, sondern auch die Verbraucher. Auf dem Kieler Wochenmarkt müssen die Händler immer wieder Fragen der Kunden beantworten.

 „Wann wurden denn Ihre Hühner geschlachtet?“, fragt Christine Hessel (53) und blickt unsicher auf die Auslage voller Hühnerfleisch. Fachverkäuferin Monika Kraus (54), die hinterm Stand der Holsteiner Geflügelspezialitäten aus Heikendorf steht, kann wie schon so oft an diesem Tag beruhigen. „Wir beziehen unser Geflügel aus drei Betrieben der Region. Die werden laufend kontrolliert.“ Ein halbes Huhn für etwas über sechs Euro wird über den Tresen gereicht. „Meine ganze Familie ist erkältet, da wollte ich Hühnersuppe machen“, sagt Christine Hessel. Auch Weihnachten habe sie bereits im Kopf. „Eigentlich wollten wir Ente essen. Aber im Moment sieht es wohl eher nach Fisch aus.“

 Am anderen Ende des Wochenmarkts hat Margaretha Thormählen (32) aus Neuendorf bei Glückstadt ihren Stand. „Am Montag wurden alle Geflügelhändler aus dem Kreis Steinburg vom Kreisveterinär über die Geflügelpest informiert. Existenzangst habe ich noch nicht“, sagt sie. „Ich hoffe nur, dass sich die Hobbyzüchter an die Schutzmaßnahmen halten.“ 2000 Legehennen, 900 Gänse, 900 Hähnchen und 700 Enten gehören zum Bauernhof Thormählen. Da die Tiere im November eh in den Stall kämen, sei das alles keine große Umstellung. „Und Desinfektionsbad und Schutzanzüge benutzen wir eh.“ Kunde Georg Schönweger (30) nimmt sich ein Sechser-Paket Eier. Ob er Angst vor der Geflügelpest habe? „Huch, da hab’ ich gar nicht dran gedacht“, gesteht er und fragt gleich nach, ob er für Spaghetti Carbonara auch die Eier roh verwenden könne. Ja, er kann. Erleichtert packt er die Schachtel ein.

Desinfektionsmittel und Wannen bestellt

 Knapp 30 Kilometer weiter in Altenholz-Klausdorf (Kreis Rendsburg-Eckernförde) trifft Landwirt Helmut Wilkens (68) die letzten Vorbereitungen für die verschärften Sicherheitsmaßnahmen. Im Versandhandel hat er Dienstag Desinfektionsmittel und die dazugehörigen Wannen bestellt. Heute soll die Ware ankommen. Gerade noch rechtzeitig. „Schutzanzüge habe ich noch“, sagt er.

Im Stall stehen bei ihm rund 200 Hühner und 150 Enten. Seine 36 Weihnachtsgänse hat er von der Weide geholt. „Wir werden die Schlachttermine vorziehen müssen“, sagt er nachdenklich. „Die Kunden müssen ihre bestellte Ware dann schon jetzt abholen und bis zum Fest bei sich in die Tiefkühltruhe packen. Das ist alles gar nicht schön.“

 Gefundene Enten wurden positiv getestet

 Mittlerweile wurden die beiden toten Enten, die am Montag im Kreis Segeberg gefunden wurden, positiv getestet. Damit gibt es landesweit insgesamt zwölf Nachweise auf Geflügelpest. Der Bund hat inzwischen den Krisenstab einberufen. Außer Schleswig-Holstein sind bislang Mecklenburg-Vorpommern, Baden-Württemberg, Bayern, Sachsen und Niedersachsen betroffen. Zudem wurde die Geflügelpest in Dänemark, Österreich, der Schweiz, den Niederlanden, Ungarn und Polen bestätigt. Für die Verbraucher hatte das Bundesinstituts für Risikobewertung am Mittwoch aber noch eine positive Nachricht: „Eine Ansteckung des Menschen über infizierte Lebensmittel ist theoretisch denkbar, aber unwahrscheinlich.“ Spätestens bei der Erhitzung über 70 Grad werde der Erreger abgetötet.

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Ein Artikel von
Kristiane Backheuer
Lokalredaktion Kiel/SH

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