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Geflügelpest in Betrieb bestätigt

Geflügelpest Geflügelpest in Betrieb bestätigt

Der Verdacht auf Geflügelpest in einem Putenbetrieb in Schleswig-Holstein hat sich bestätigt. Das nationale Referenzlabor habe den hoch ansteckenden Erreger H5N8 nachgewiesen, teilte Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsminister Robert Habeck am Freitag in Kiel mit.

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Um den betroffenen Betrieb herum wurde eine Sperrzone eingerichtet.

Quelle: Markus Scholz/dpa

Kiel. „Geflügelpest“ steht auf dem Schild vor dem Grundstück: „Betreten und Befahren verboten.“ Seit Freitag ist es offiziell: Ein kleiner Hof im Lübecker Stadtteil Ivendorf ist von der Vogelgrippe betroffen, und zwar von ihrer schlimmsten Form. Das nationale Referenzlabor für aviäre Influenza, das Friedrich-Löffler-Institut (FLI), wies den Erreger des Subtyps H5N8 an den 18 verendeten Truthähnen nach. Damit bestätigte sich der dringende Verdacht vom Vortag. Alle weiteren Tiere des Hofs, 25 Gänse und 67 Enten, mussten gekeult werden. Vorsichtshalber mussten auch einige Tauben der Haltung getötet werden. Die Tierkadaver sind inzwischen abtransportiert.

Die Inhaber des Hofes wollen sich nicht zu den Vorkommnissen äußern. Schon Donnerstagabend hat es in der kleinen Dorfstraße einen großen Medienandrang gegeben. „Aber was soll man jetzt noch machen?“, fragt Anwohnerin Beate Pawlowski. „Das kann jeden erwischen, auch wenn man sich immer korrekt verhält.“ Nach Bekanntwerden der Fälle in Schleswig-Holstein hat die Betreiberfamilie ihre Vögel sofort in den Stall gebracht. Dem Geflügelhalter sei kein Vorwurf zu machen. „Er hat alles richtig gemacht“, betont Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne).

Der Hof ist umgeben von einem Löschteich, in dem auch am Freitag noch wilde Stockenten schwimmen – sie haben das Flatterband einfach überflogen. „Es ist aufgrund der vorliegenden Erkenntnisse davon auszugehen, dass die Geflügelpest um den 1. November durch Wildvögel in den Seuchenbestand eingeschleppt worden ist“, heißt es in einer amtlichen Bekanntmachung der Hansestadt Lübeck.

„Man kann nur hoffen, dass die Seuche schnell abklingt“, sagt Klaus-Günter Thorn vom nahegelegenen Hof Thorn. Angst hätten die Nachbarn in unmittelbarer Umgebung jedoch keine. „Solange das Virus nicht auf den Menschen übertragen werden kann“, sagt eine Anwohnerin. „Es ist natürlich sehr schade um die Tiere.“ Doch Bewohner des Sperrbezirks, der einen Radius von drei Kilometern um den betroffenen Hof hat, sowie im Beobachtungsgebiet (in einem Radius von weiteren sieben Kilometern) müssen nun vorerst mit einer Reihe an Restriktionen leben. So dürfen Hunde und Katzen draußen vorerst nicht mehr frei herumlaufen. Alle Geflügelhalter – ob Hobby oder Gewerbe – müssen die Tiere im Stall halten und besondere hygienische Auflagen erfüllen. Sie dürfen weder lebendiges Geflügel noch Geflügelprodukte vermarkten. Eier dürfen nur mit Sondererlaubnis verkauft werden.

Ein privater Hühnerhof im Landkreis Vorpommern-Greifswald könnte ebenfalls von der Geflügelpest betroffen sein. Die 58 Tieren wurden bereits vorsorglich getötet.

Unterdessen gibt es die ersten Verdachtsfälle auf Vogelgrippe unter Wildvögeln im Kreis Schleswig-Flensburg. Dort sammelten Mitarbeiter am Lindaunisser Noor 80 tote Reiherenten ein. Das Landeslabor testete sie bereits positiv auf Influenza A Viren des Subtyps H 5. Eine endgültige Feststellung der Geflügelpest durch das Referenzlabor steht aus. Auch im Kreis Plön gibt es weitere Verdachtsfälle. Vor allem aus dem Osten des Landes würden täglich weitere Totfunde gemeldet, teilte das Landwirtschaftsministerium mit. „Zur schnellen Klärung der Todesursache und möglichen weiteren Fällen von Geflügelpest arbeiten alle Beteiligten unter Hochdruck. Auch am Wochenende werden die Untersuchungen im Landeslabor nicht ruhen“, sagt Minister Habeck. Wem tote Wasservögel auffallen, der sollte sich an das zuständige Ordnungsamt wenden, bittet Habeck.

In Hamburgs Tierpark Hagenbeck müssen angesichts der Geflügelpest alle Vögel in die Winterquartiere. Unter den gut 800 betroffenen Tieren sind auch Flamingos und Pelikane. Auch im Stadtstaat gilt die Stallpflicht.

Bürgertelefone

Um Fragen von Bürgern zu beantworten, hat das Land ein Bürgertelefon eingerichet. Dieses ist werktags von 9.00 bis 17.00 Uhr besetzt und unter 0431/160 6666 erreichbar. Der Kreis Plön ab 10. November unter der Telefonnummer 04522/74387 Montag bis Donnerstag von 8.30-17.00 Uhr, Freitag 8.30-13.00 Uhr ein Bürgertelefon eingerichtet.Das Kreisveterinäramt Segeberg wird am Sonnabend von 9 Uhr bis 13 Uhr über das Bürgertelefon unter 04551/951 211 erreichbar sein, danach wird es ja nach Lage entschieden.

Sammelstellen für verendete Vögel

Wem tote Wasservögel auffallen, sollte sich an das zuständige Ordnungsamt wenden. Die Ordnungsämter des Kreises Plön haben Sammelstellen für verendete Wildvögel eingerichtet. Zudem gelten die üblichen Vorsichtsmaßnahmen: Tote Tiere sollten nicht angefasst werden.

Von Lena Modrow und Curd Tönnemann

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KN-online (Kieler Nachrichten)

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