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Staatsanwalt fordert mehrjährige Haftstrafen

Geiselnahme-Prozess Staatsanwalt fordert mehrjährige Haftstrafen

Seit sechs Monaten stehen vier mutmaßliche Geiselnehmer aus der JVA Lübeck vor Gericht. Sie gestehen und geben sich reuig. Jetzt fordert der Staatsanwalt für den Hauptangeklagten fast sieben Jahre Haft. Er hatte einem Wärter ein Messer an den Hals gesetzt.

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Für den 23 Jahre alten Hauptangeklagten beantragte Peterlein eine Haftstrafe von fast sieben Jahren.

Quelle: Arne Dedert/dpa (Symbol)

Lübeck. Im Prozess um die Geiselnahme in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Lübeck-Lauerhof hat der Staatsanwalt am Mittwoch Haftstrafen zwischen zwei und knapp sieben Jahren gefordert. Die vier Angeklagte hätten nicht nur ihre Geisel nachhaltig beeinträchtigt, sondern auch ihren Mitgefangenen erhebliche Nachteile zugefügt, sagte Staatsanwalt Martin Peterlein. Die Männer gestanden in dem Prozess, am Heiligabend 2014 einen Justizvollzugsbeamten als Geisel genommen zu haben, um ihre Flucht aus dem Gefängnis zu erzwingen.

Die aus Russland, Georgien und Litauen stammenden Männer hatten gemeinsam in der Zelle des heute 23 Jahre alten Hauptangeklagten Weihnachten gefeiert. Drei von ihnen saßen in Lübeck in Strafhaft. Ein vierter, 37 Jahre alter Mann, saß dort in Untersuchungshaft. Er soll an mehreren Raubüberfällen unter anderem auf ein Kieler Pfandhaus beteiligt gewesen sein. Bei Kartenspiel und selbst gebrannten Schnaps, so die Aussage der Männer im Prozess, sei dann der Plan entstanden, einem Justizvollzugsbeamten die Schlüssel abzunehmen, um aus der JVA auszubrechen.

Um den Beamten in die Zelle zu locken, täuschte der 37-Jährige einen epileptischen Anfall vor. Der Beamte wurde von dem 23-Jährigen überwältigt und mit einem Brotmesser bedroht und gezwungen, mit den Meuterern in Richtung Ausgang zu gehen. Um das Leben der Geisel nicht zu gefährden, öffneten andere JVA-Bedienstete ihnen zwei Türen. Erst als ein unbeteiligter Gefangener eingriff, gelang es der Geisel, sich zu befreien und Alarm auszulösen. Das Opfer hatte im Prozess berichtet, es leide noch immer unter dem Erlebten und es sei fraglich, ob er jemals wieder seinen Dienst versehen könne.

Dem 23-Jährigen und dem 37-Jährigen wirft die Staatsanwaltschaft gemeinschaftlichen versuchten Raub, Geiselnahme und Gefangenenmeuterei vor. Dafür beantragte Peterlein für den durch zahlreiche Gewalttaten erheblich vorbelasteten 23-Jährigen eine Haftstrafe von sechs Jahren und elf Monaten. Für den 37-Jährigen forderte er fünf Jahre und neun Monate Haft.

„Die beiden anderen, heute 25 und 51 Jahre alten Männer haben dagegen bei der Geiselnahme nicht mitgeholfen, sondern sind eher zögernd mitgelaufen. Ihnen ist nur Beihilfe zum versuchten Raub und Gefangenenmeuterei vorzuwerfen“, sagte Peterlein. Für den 25-Jährigen beantragte er unter Einbeziehung einer anderen Verurteilung eine Gesamtstrafe von drei Jahren und acht Monaten. Für den 51-Jährigen forderte er zwei Jahre Gefängnis ohne Bewährung.

Die Geiselnahme hatte auch deshalb für Aufsehen gesorgt, weil sie die damalige Anstaltsleiterin in Bedrängnis brachte. Weil sie den Vorfall erst einen Tag später Polizei und Staatsanwaltschaft meldete, wurden ihr Vertuschung und Strafvereitelung im Amt vorgeworfen. Sie musste ihren Posten räumen. Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen gegen sie inzwischen eingestellt, ein Disziplinarverfahren ist nach Angaben des Justizministeriums dagegen noch nicht abgeschlossen.

Der Prozess wird am 20. April mit den Plädoyers der Verteidiger fortgesetzt. Ein Urteil wird voraussichtlich Anfang Mai verkündet.

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