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Im Barkauer Land sind Eltern die 100 Euro gleich wieder los

Gemeinden kassieren Krippengeld Im Barkauer Land sind Eltern die 100 Euro gleich wieder los

Die Gemeinden des Barkauer Landes kassieren als erste das Eltern-Krippengeld vollständig ein. Wie aus einem Schreiben an die Eltern der Gemeindekrippe in Kirchbarkau hervorgeht, steigen die Beiträge um die 100 Euro, mit denen das Land die Eltern entlastet.

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Wer sein Kind in eine Kita gibt, muss genau rechnen. Das Gleiche gilt für die Kommunen, die die Einrichtungen betreiben. Durch das Krippengeld drohen mancherorts Gebührenerhöhungen.

Quelle: Fotolia

Kiel/Kirchbarkau. „Das finde ich dreist“, sagte SPD-Fraktionschef Ralf Stegner. Sein CDU-Kollege Daniel Günther kündigte an, im Landtag die Streichung der „Abgabeprämie“ zu beantragen und im Gegenzug den Zuschuss zu den Kita-Betriebskosten zu erhöhen.

 „Den Gemeinden des Barkauer Landes steht das Wasser bis zum Hals“, sagte der Vorsitzende Bürgermeister des Kita-Beirats, Rainer Hingst aus Honigsee. „Die Ausgaben für Kitas und Schulen reißen Riesenlöcher in die Etats.“ Genau deshalb hatten Bürgermeister aus dem Barkauer Land, darunter auch SPD-Politiker, schon vor Monaten in Kiel Alarm geschlagen. Als Kostentreiber nennt Hingst auch die von den Gemeinden Ende 2013 eingerichtete evangelische Krippe in Kirchbarkau. Von deren Jahresetat (212000 Euro) würden die Gemeinden gut 90000, die Eltern nur knapp 35000 Euro aufbringen. Ziel sei, den Elternanteil auf 25 Prozent zu erhöhen. Dabei kommt das Krippengeld gerade recht. In dem Schreiben an die Eltern wird ausdrücklich auf den gerade beschlossenen Elternzuschuss sowie das Votum der Gemeinden hingewiesen, „die Beiträge um eben diese 100 Euro ab 1.1.2017 zu erhöhen“. Ein Vormittagsplatz in Kirchbarkau kostet jetzt 350, ein Ganztagsplatz 486 Euro.

 Nach Einschätzung des Verbandes evangelischer Kindertageseinrichtungen (VEK) ist Kirchbarkau nur der Vorreiter. „Es gibt mehrere Kommunen, die auf das Krippengeld schielen“, sagt VEK-Geschäftsführer Markus Potten. Den evangelischen Kita-Trägern fehle meist das „nötige Standing“, um Gebührenanhebungen zu verhindern. Am Ende sitze die Kommune am längeren Hebel. Sie könnte im Konfliktfall die Kita übernehmen. Potten lehnt das Krippengeld ab und wirbt als ersten Schritt für eine grundlegende Reform der Kita-Finanzierung. Eine solche Reform fordert auch die FDP, die wie die Piraten Beschlüsse nach dem Muster Kirchbarkau prophezeit hatten. „Im Ergebnis erfahren die Eltern weder eine finanzielle Entlastung noch eine Qualitätsverbesserung“, klagte die FDP-Abgeordnete Anita Klahn. „Die groß angekündigten Segnungen des Ministerpräsidenten verpuffen rückstandsfrei.“

 Sozialministerin Kristin Alheit (SPD) sind im Fall Kirchbarkau rechtlich die Hände gebunden. Die Gebühren für Krippen müssen lediglich „angemessen“ sein. Das dürfte im Barkauer Land mit einer Elternbeteiligung von 25 Prozent erfüllt sein. Im Landesschnitt tragen Eltern gut 20 Prozent der Krippenkosten.

 Günther forderte, das Krippengeld zu streichen und die „allein gelassenen“ Kommunen zu unterstützen. Sein Vorschlag: Das Land soll den Zuschuss zu den Kita-Betriebskosten von 70 auf 115 Millionen Euro im Jahr erhöhen.

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Ein Artikel von
Ulf B. Christen
Landeshaus-Korrespondent

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