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Kieler auf der Spur von MH370

Geomar-Wissenschaftler Kieler auf der Spur von MH370

Wird das größte Rätsel der Luftfahrtgeschichte jemals gelöst? Voller Spannung verfolgen Kieler Wissenschaftler vom Geomar Helmholtz-Institut für Ozeanforschung derzeit die neuesten Entwicklungen rund um die verschollene Malaysia-Airlines-Maschine MH370.

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Die Geomar-Wissenschaftler Prof. Arne Biastoch (links) und Dr. Jonathan Durgadoo haben ihre Strömungsanalyse um weitere Forschungsergebnisse ergänzt, um den Absturzort der Passagiermaschine besser eingrenzen zu können.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Nachdem im Juli 2015 ein großes Flügelteil auf der Insel La Réunion angespült wurde, tauchten in den vergangenen Tagen und Wochen nun weitere kleinere Wrackteile auf. Die neuen Fundorte passen perfekt in die Kieler Theorie. Zusammen mit Forschern aus England und Frankreich haben sie nun ihre Untersuchungen weiter verfeinert und hoffen, bei der weiteren Suche helfen zu können.

Aufsehen um spektakuläre Theorie

Im September 2015 hatten die Kieler Ozeanografen Prof. Arne Biastoch (47) und Dr. Jonathan Durgadoo (32) ihre spektakuläre Theorie vorgestellt und damit weltweit für Aufsehen gesorgt. Anhand von Tausenden von Strömungsdaten hatten die beiden Wissenschaftler den Weg des zuerst gefundenen Flügelteils im Indischen Ozean zurückverfolgt. Dabei stellten sie fest, dass die Australier das Wrack der Boeing 777 zu weit südlich auf dem Meeresgrund suchen. Nach den Kieler Analysen müsste das Flugzeug, das 239 Menschen an Bord hatte, viel weiter nördlich abgestürzt sein.

Funde bestätigen Annahme

„Die neuen Funde bestätigen unser Verdriftungsmodell perfekt“, sagt Prof. Arne Biastoch. „Die Fundorte liegen quasi auf dem weiteren Weg.“ Im Dezember 2015 wurde an der Küste von Mosambik ein kleines Stück von einem Flugzeug gefunden, im Februar 2016 ein weiteres. Beide Teile stammen „mit ziemlicher Sicherheit“, so die australischen Behörden, vom gesuchten Flugzeug. Im März dieses Jahres wurde zudem vor der Küste Südafrikas ein Stück von einem Rolls-Royce-Emblem gefunden, das üblicherweise auf den Triebwerken der Boeing 777 angebracht ist. Auch dieses Fundstück könnte zur verschollenen Maschine gehören.

Driftanalyse per Superrechner

Mit größter Spannung verfolgen Prof. Biastoch und Dr. Durgadoo jeden neuen Fund, jede neue Erkenntnis aus Australien. „Eigentlich haben wir uns bisher vor allem um die Auswirkungen der Ozeane aufs Klima gekümmert und haben erforscht, wie sich das Wasser in den Meeren bewegt“, so Biastoch. „Doch als wir von dem ersten Fund hörten, siegte die Neugier.“ Nachdem etliche Fernseh- und Radiosender sowie Zeitungen bei ihm und Dr. Durgadoo anfragten, ob ein Fundstück tatsächlich rund 6000 Kilometer bis zur Insel La Réunion driften könnte, ließ die beiden das Thema nicht mehr los. „Vier Wochen brauchten wir, um an einem Superrechner eine Driftanalyse zu erstellen“, so Dr. Durgadoo. Zwei Millionen virtuelle Partikel schickten sie auf die Reise.

Enge europäische Zusammenarbeit

„Nachdem wir mit unserer Theorie an die Öffentlichkeit gegangen sind, meldeten sich britische Wissenschaftler bei uns, die ähnliche Untersuchungen gemacht haben“, erzählt Prof. Biastoch. Die Briten hatten sich aber auf den Welleneffekt fokussiert. Diese Daten flossen nun in die Kieler Strömungsanalyse mit ein. Mit zwei weiteren europäischen Forschungsinstituten wurde ebenfalls eng zusammengearbeitet. Dank der neuen Ergebnisse kann der mögliche Absturzort nun noch besser eingekreist werden. „Aber noch immer ist das mögliche Suchgebiet riesengroß“, so die Wissenschaftler. „Vor vier Wochen haben wir unseren gemeinsamen Bericht nach Australien geschickt und auch schon erste Nachfragen erhalten“, so Biastoch. „Nun sind wir gespannt, wie abschließend auf den Bericht reagiert wird. Aber durch die neuen Teilefunde sind die Australier zurzeit ziemlich stark beansprucht.“

Teuerste Suche in der Geschichte

Bisher wurden südlich von Australien 95000 Quadratkilometer Meeresboden abgesucht. „Doch die hochauflösenden Echolote haben bisher nur ein paar Schiffswracks gefunden“, sagt Dr. Jonathan Durgadoo. Auch Suchschiffe, Flieger und Satelliten lieferten keine Antwort auf den Verbleib der Boeing. Schon jetzt ist die Aktion die teuerste Suche in der Geschichte der Luftfahrt. Bis zum Sommer sollen weitere 25000 Quadratkilometer untersucht werden, dann wollen die Australier die Suche einstellen. „Wir hoffen natürlich, dass unsere Erkenntnisse die Australier zum Umdenken bewegen können“, so Dr. Durgadoo. „Ein Abbruch der Aktion wäre unendlich schade für die Familien der Opfer.“

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Ein Artikel von
Kristiane Backheuer
Lokalredaktion Kiel/SH

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