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Hund wurde zu Recht erschossen

Gerichtsurteil Hund wurde zu Recht erschossen

Der umstrittene Abschuss des Doggen-Mischlings Snatch durch einen Jäger im Sommer 2013 am Rand der Gemeinde Boksee (Kreis Plön) war rechtens. Das stellte ein Strafrichter am Mittwoch nach fünfstündigem Prozess im Plöner Amtsgericht fest.

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Erst elf Monate war der Rüde Snatch alt, als er getötet wurde. Seine Halterin Carmen R. trauert noch immer um den Doggen-Mischling und ist mit dem Urteil ganz und gar nicht einverstanden.

Quelle: privat

Plön. Der Schütze (38) und ein wegen Beihilfe mitangeklagter Jagdberechtigter (75) wurden freigesprochen. Auch die Staatsanwältin war nach Anhörung von fünf Zeugen und zwei Sachverständigen vom Vorwurf der grundlosen Tötung eines Wirbeltiers und der Unterschlagung des Kadavers abgerückt. Auch sie forderte Freispruch. Und kondolierte anschließend auf dem Gerichtsflur den enttäuschten Haltern des Hundes: „Tut mir echt leid.“

 Aus Sicht der Verteidigung hätte es nie zum Prozess kommen dürfen: Schon nach Aktenlage sei erwiesen gewesen, dass der elf Monate alte und 49 Kilo schwere Rüde zuvor wiederholt beim Hetzen von Wild aufgefallen war. Skandalös nannten die Anwälte den Vorwurf der Anklage, der Schütze habe ohne Jagdberechtigung gehandelt. Seit 20 Jahren sei er im Besitz der erforderlichen Jagdbefugnisse, bis zum Prozess aber nie nach den Papieren gefragt worden.

 Der Vorfall hatte die Emotionen nicht nur in der 500-Einwohner-Gemeinde hochkochen lassen. Auch weil der Jäger den Kadaver umgehend in einem Waldstück vergraben hatte, obwohl das Tier ein Halsband mit der Telefonnummer der Halterin trug. Das Band habe er „nicht näher angesehen“, sagte er gestern lapidar. „Verwunderlich“ fand der Vorsitzende auch, dass der Schütze den Abschuss am 23. Juni 2013 zunächst „nicht transparent offengelegt“ habe.

 Der als Sachverständiger geladene Jägermeister (67) des Kreises Plön bezeichnete das Erlegen eines Hundes als Ausnahmefall. Das Vorgehen bei der Entsorgung des Kadavers sei aber „völlig normal“. Für die Ermittlung des Halters gebe es keine gesetzlichen Vorgaben. Und gewöhnlich hätten Besitzer eines wildernden Tieres aus schlechtem Gewissen ein Interesse an dessen diskreter und kostensparender Beseitigung. „Vorbildlich“ habe der Schütze gehandelt, als er sich vor dem Griff zur Waffe beim Jagdpächter telefonisch grünes Licht zum Abschuss holte, so der Sachverständige. Auch der Richter ging davon aus, dass der Hund zum Zeitpunkt des Schusses wilderte. Schon vorher hatten Zeugen dort einen großen braunen Hund beim Hetzen eines Junghasen und eines Rehkitzes beobachtet und die Vorfälle bei der Polizei aktenkundig gemacht. Laut Urteil sprach einiges dafür, dass es Snatch war.

Zeugin ist erschüttert

 Doch Hundehalterin Carmen R. (38) will bis heute nicht daran glauben, dass ihr stets friedlicher und braver „Welpe“ gewildert haben soll. An jenem Sonntagabend kam sie mit Mann und Kind von der Kieler Woche. Snatch habe sie in der Obhut ihres Vaters gelassen, der Besuch hatte. „Der Hund war weg“, berichtet sie. Während sie die Tochter zu Bett brachte, machte sich ihr Mann auf die Suche. „Dann rief er an und sagte, er habe einen Schuss gehört. Da wusste ich schon…“, sagt die Zeugin immer noch sichtlich erschüttert.

 Den Schützen, der den Abschuss am nächsten Morgen der Polizei gemeldet hatte, stellte Carmen R. nach eigenen Worten auf offener Straße, wurde laut und handgreiflich. Das Ermittlungsverfahren gegen sie wegen Körperverletzung und Beleidigung wurde eingestellt. Für ihre Gefühle äußerte der Jäger gestern Verständnis. Ob der Appell des Richters an alle Beteiligten fruchtet, sich im Dorf künftig höflich und respektvoll zu begegnen, ist allerdings fraglich.

 Als sich der Freispruch abzeichnet, verlassen die Besitzer von Snatch den Saal mit demonstrativem Türknallen. Ob der Vater, der den Hund angeblich entwischen ließ, jetzt nicht endlich mit der Sache abschließen wolle? „Nein!“, teilt er harsch auf Nachfrage mit und wirft einem Zeugen, der die Dogge beim Wildern beobachtet haben will, vorsätzliche Falschaussage vor.

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