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Gestrandete Pottwale starben an Herz- und Kreislaufversagen

Obduktion Gestrandete Pottwale starben an Herz- und Kreislaufversagen

Tod in der Nordsee: Anfang des Jahres strandeten 13 Pottwale an Schleswig-Holsteins Westküste. In ihren Mägen fand man Plastikmüll. Ursache für das Sterben der Giganten war jedoch nicht der Abfall. Eine Untersuchung ergab, dass sie an Herz- und Kreislaufversagen starben.

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Die gestrandeten Meeressäuger starben an Herz- und Kreislaufversagen.

Quelle: Peter Kuchenbuch-Hanken/dpa

Tönning. Die an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste gestrandeten Pottwale sind an Herz- und Kreislaufversagen gestorben. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung, die am Mittwoch in Tönning (Kreis Nordfriesland) vorgestellt wurde. Die 13 Tiere seien alle in einem guten Gesundheits- und Ernährungszustand gewesen, sagte Ursula Siebert von der Tierärztlichen Hochschule Hannover.

Die Wissenschaftlerin stellte mit anderen Experten nach der Strandung von 30 Pottwalen in der Nordsee erste Obduktionsergebnisse vor. Die im Januar und Februar vor Schleswig-Holsteins Küste verendeten Tiere waren aus unbekannten Gründen ins Flachwasser des Wattenmeeres geraten. Als sie dort bei ablaufendem Wasser auf dem Grund lagen, drückte das Gewicht ihres Körpers ihre Blutgefäße, die Lunge und andere Organe zusammen, so dass sie an akutem Herz-Kreislauf-Versagen starben.

Es waren junge Pottwale, noch nicht geschlechtsreife Bullen, zwischen 10 und 15 Jahre alt und 12 bis 18 Tonnen schwer. Bei allen Tieren war das zur Orientierung wichtige Gehör unverletzt. Auch der Befall verschiedener Organe mit Parasiten war nach Einschätzung der Experten altersentsprechend normal.

Siebert und der Meeresbiologe Uwe Piatkowski vom Kieler Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung vermuten, dass die verendeten Wale die letzten Tage vor ihrem Tod gehungert hatten. Sie fraßen vermutlich in der Norwegischen See letztmals. In ihren Mägen wurden unverdauliche Schnäbel von insgesamt mehr als 55000 Tintenfischen gefunden — größten Teils vom Nordischen Köderkalmar und vom Europäischen Flugkalmar. Diese Arten kommen vor allem in der Norwegischen See, der Barentssee und den Gewässern um Island vor, den Hauptüberwinterungsgebieten der Pottwalbullen. Dazu kommen noch Knochen und andere Überreste von Nordseefischen wie Seeteufel, Kabeljau, Wittling und Seehase. „Ein 15 Tonnen schwerer Pottwal braucht täglich rund 450 Kilogramm fettreiche Nahrung“, sagte Piatkowski.

In den Mägen fand man neben Nahrung auch unverdaulichen Müll. Unter anderem Reste eines 13 Meter langen und 1,2 Meter breiten Netzes eines Krabbenfischers, eine 70 Zentimeter lange Plastikabdeckung aus dem Motorraum eines Autos und die scharfkantigen Reste eines Kunststoffeimers. „Diese Funde zeigen uns die Auswirkungen unserer Kunststoffgesellschaft: Tiere nehmen unbeabsichtigt Plastik und anderen Kunststoffmüll auf, leiden darunter, im schlimmsten Fall verhungern einige bei vollen Mägen“, sagte Umweltminister Robert Habeck (Grüne).

Im Nationalpark-Zentrum Multimar Wattforum wurde in diesen Zusammenhang am Mittwoch eine Sonderausstellung eröffnet.

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