16 ° / 11 ° stark bewölkt

Navigation:
Kliniken im Norden werben um private Spenden

Gesundheit Kliniken im Norden werben um private Spenden

Kliniken und Krankenhäuser in Schleswig-Holstein setzen immer stärker auf private Spender, um die Qualität der Patientenversorgung zu sichern und Finanzlücken zu schließen. Dabei gewinnt das professionelle Einwerben von Geldern nach amerikanischem Vorbild auch im Norden an Gewicht.

Voriger Artikel
Der Fall Barschel bleibt ein Rätsel
Nächster Artikel
Minister Habeck diskutiert mit Sportlern

Pit Horst, Leiter der Stabsstelle Fundraising am Universitäts-Klinikum: "Wir schließen mit dem Fundraising eine Lücke. Viele Projekte des UKSH wären sonst nicht finanzierbar."

Quelle: Volker Rebehn

Kiel. Pionier in Sachen Fundraising ist das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein. Die vor fünf Jahren landesweit erste Stabsstelle hat inzwischen rund dreieinhalb Millionen Euro eingesammelt.

Der Krankenhaus Rating Report 2015 des Instituts zur Wirtschaftsforschung in Essen benennt die Kapitalausstattung deutscher Krankenhäuser als „unzureichend“. Der Investitionsstau beträgt demnach mindestens zwölf Milliarden Euro. „Krankenhäuser müssen künftig verstärkt Alternativen finden, um Investitionen zu finanzieren“, sagt Oliver Rong, Leiter der ersten Studie des Deutschen Fundraising-Verbandes. Egal, ob es um die Anschaffung von medizinischen Geräten oder die Ausstattung der Palliativstation geht: Ein professionell betriebenes Fundraising-Management sei entscheidend für den Erfolg und sichere Wettbewerbsvorteile.

Fundraising schließt Lücken

Aktuell will das Land dem Universitätsklinikum Schleswig-Holstein zwar absehbar Schulden im Umfang von 100 Millionen Euro abnehmen. Trotz der Hilfsaktion wird es aber noch Jahre dauern, bis das Spitzenklinikum schwarze Zahlen schreibt. Umso wichtiger für die insgesamt 80 Kliniken und Institute mit jährlich 400000 Patienten in Kiel und Lübeck ist die Entlastung durch die Stabsstelle Fundraising. „Wir schließen mit dem Fundraising eine Lücke“, sagt Leiter Pit Horst, der sich nach „zwei Jahren knallharter Aufbauarbeit“ über stetig wachsende Spenden freut. Er betont: „Viele Projekte des UKSH wären ohne Fundraising nicht finanzierbar.“

Noch läuft das Meiste über Förderkreise

Das gilt nicht nur für das Klinikum als Maximalversorger. Angesichts der chronischen Unterfinanzierung müssen auch viele schleswig-holsteinische Krankenhäuser neue Geldquellen erschließen. Stabsstellen nach dem Vorbild des UKSH gibt es bisher aber noch nicht. „Die Spenden laufen hauptsächlich über den Förderkreis“, sagt beispielsweise Maren von Dollen, Sprecherin des Friedrich-Ebert-Krankenhauses in Neumünster. Dennoch seien die privaten Spenden existenziell für das Krankenhaus. „Die Differenz zwischen dem, was wir investieren und was wir vom Land bekommen, beträgt zwei Millionen Euro.“ Auch die Imland-Kliniken in Eckernförde, Rendsburg, Nortorf und Jevenstedt werben über einen ehrenamtlich verwalteten Förderverein Spenden ein. Das Klinikum Itzehoe hat als eines der größten Krankenhäuser im Land mit mehr als 700 Betten weder Förderverein noch Fundraiser. Der Aufbau eines professionellen Fundraisings sei allerdings in Planung, sagte Sprecherin Katrin Götz.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Carola Jeschke
Lokalredaktion Kiel/SH

Mehr zum Artikel
Kommentar

Privat statt Staat? Was sich anhört wie ein guter Slogan, ist leider die Bankrotterklärung des dualen Systems zur Krankenhausfinanzierung. Die Krankenkassen übernehmen die Betriebskosten, die Länder die Investitionskosten – diese Rechnung geht schon lange nicht mehr auf.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Nachrichten: Schleswig-Holstein 2/3