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Auf der Spur ungeklärter Todesfälle

LKA-Einheit Auf der Spur ungeklärter Todesfälle

Das Landeskriminalamt will mit einer neuen Spezialeinheit ungeklärte Todesfälle aufklären. 180 Fälle aus Schleswig-Holstein sollen von den Ermittlern der „Cold Case Unit“ (CCU) neu aufgerollt werden. Die Akten sind zum Teil mehrere Jahrzehnte alt: Der älteste Fall stammt aus dem Jahr 1946.

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Die Fälle konnten zunächst nicht geklärt werden? Das Sonder-Ermittlungsduo nimmt sich ihrer an.

Quelle: dpa

Kiel. „In diesem Fall geht es um eine bis heute verschwundene Frau aus der Nähe von Itzehoe, bei der viele Anzeichen darauf hindeuten, dass sie ermordet worden ist“, sagt Torsten Pardun, einer der beiden Spezialisten, die sich künftig ausschließlich auf die Altfälle, die sogenannten Cold Cases, konzentrieren werden. Bislang sind ungeklärte Todesfälle in den vier Mordkommissionen im Land bearbeitet worden. „Der große Nachteil war, dass diese Akten immer dann zur Seite geschoben werden mussten, wenn es aktuelle Fälle gab“, sagt Pardun. Einer dieser Altfälle sei der Mord an einem tunesischen Autohändler aus dem Jahr 1995 bei Lübeck gewesen. „Meine Kollegen und ich haben bei diesem 21 Jahre alten Verbrechen nicht nachgelassen und letztlich 13 Jahre benötigt, um den Fall aufzuklären“, berichtet der Kriminalkommissar.

Das ist künftig anders: „Die ,Cold Cases’ werden zentral und losgelöst von den Mordkommissionen im Land bei uns im LKA bearbeitet“, sagt Jens Vullgraf, Leiter des Dezernats 243. Die ungeklärten Todesfälle sollen dabei noch einmal grundlegend von Anfang an begutachtet werden. „Ziel ist es, Dinge zu finden, die die Kollegen in der Vergangenheit vielleicht übersehen haben, oder um neue Anfasser für Ermittlungen herauszuarbeiten“, so der Fahnder.

Sülfeld als jüngster Fall

Vor allem die wissenschaftliche Entwicklung im Bereich der Kriminaltechnik biete heute Optionen, die es vor 20, 30 und mehr Jahren noch nicht gab. Ein Beispiel sei die DNA-Analyse, mit der im Labor auf archivierten Beweisstücken wie Kleidung mögliche genetische Spuren von Tätern gefunden werden könnten. Eine Allzweckwaffe ist dieses Verfahren allerdings auch nicht: Damals sei mit Asservaten ganz anders verfahren worden als heute, warnt auch Stefan Winkler, Leiter der Kieler Mordkommission. „Unter Umständen müsste bei alten Fällen heute erst einmal herausgefunden werden, wer damals Zugang zu den Beweismitteln hatte, um von den beteiligten Kollegen DNA-Spuren zu sammeln, um keinem Phantom hinterherzujagen“, so Winkler.

Eingerichtet wurde die CCU, die es in dieser Form in keinem anderen Bundesland gibt, bereits im Oktober 2015. Zunächst galt es allerdings, die Fälle zu ermitteln, die überhaupt für eine Neubearbeitung in Frage kommen. „Anders als Mordfälle verjährt Totschlag nach 20 Jahren“, sagt Ermittler Pardun. Entsprechend mussten diese Fälle erst einmal aussortiert werden. Unterm Strich haben die Fahnder nun einen Datenpool von 180 Taten, von denen zweifelsfrei etwa 70 Mordfälle sind. „Etwa 100 Verfahren stammen aus den 1980er- und 90er-Jahren. Der jüngste Fall ist der des toten Säuglings, der im vergangenen Jahr bei Sülfeld gefunden worden war“, berichtet der LKA-Beamte. Mit Priorität sollen nun zunächst Sexual- und Raubmorde in den Fokus genommen werden.

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