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Drohen Verhältnisse wie in Calais?

Grenzkontrollen in Schweden Drohen Verhältnisse wie in Calais?

Schweden rät Flüchtlingen eindringlich von der Einreise ab – eine Aufforderung, die in Schleswig-Holstein mit großer Sorge gesehen wird. Vor allem Kiel und Lübeck drohen, zum Nadelöhr für gestrandete Transitflüchtlinge zu werden.

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Sollte Schweden Grenzkontrollen einführen, drohen in den Häfen von Kiel, Lübeck und Puttgarden Szenen wie hier im französischen Calais, warnen Sicherheitsexperten. Auch dort versuchen Flüchtlinge, mit allen Mitteln nach England zu gelangen.

Quelle: Frank Behling

Kiel. Ein Stopp der Flüchtlingsbeförderung hätte nach Einschätzung von Sicherheitsexperten in Kiel Verhältnisse wie in Calais zur Folge. Der französische Fährhafen wird seit Monaten von 3000 Flüchtlingen belagert, die nach Möglichkeiten zur Überfahrt nach England suchen. Mehrere 100 Polizisten sichern dort Terminals und Zufahrtsstraßen. Sie wollen verhindern, dass Flüchtlinge etwa unter Lastwagen klettern, um weiter nach Großbritannien zu flüchten. Sollte Schweden Grenzkontrollen einführen und sich große Gruppen von Flüchtlingen in Kiel, Lübeck und Puttgarden sammeln, würden Landes- und Bundespolizei entsprechende Sicherheitsmaßnahmen ergreifen. Gleiches gilt auch für die Bahnanlagen rund um Flensburg.

Die Landesregierung hofft, „dass Schweden bei der Aufnahme von Flüchtlingen weiterhin unter humanitären Gesichtspunkten handelt“, so Innenminister Stefan Studt (SPD). Sollten dennoch kurzfristig Grenzkontrollen beschlossen werden, greife ein Konzept, das mit Kiel, Lübeck, Flensburg sowie Puttgarden vereinbart worden sei. „An allen vier Standorten werden Notquartiere bereitgestellt, in denen Flüchtlinge kurzzeitig untergebracht werden können“, so das Ministerium. Das Landesamt für Ausländerangelegenheiten und die Besondere Aufbauorganisation (BAO) Flüchtlinge würden „einen schnellen Weitertransport“ in bestehende Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes garantieren. Die BAO hält 5000 Schlafsäcke und Hygienesets bereit.

Die CDU-Flüchtlingspolitikerin Astrid Damerow drängt darauf, das bisherige Verfahren auf den Prüfstand zu stellen, wenn sich eine Weiterreise nach Schweden nicht mehr realisieren lassen sollte. „Bislang werden die Transitflüchtlinge nicht registriert, weil sie nur auf der Durchreise sind“, sagt Damerow. Wenn diese nicht mehr unmittelbar möglich sei, „müssen Menschen gegebenenfalls auch gegen ihren Willen registriert werden“.

Selbst wenn Schweden weiter Flüchtlinge ins Land einreisen lässt, die Lage in Schleswig-Holstein ist bereits angespannt: Die Reedereien verknappen das Kontingent für Tickets. Die Stena Line will ab Montag nur noch 50 Tickets pro Fähre ausgeben. Zeitweise waren bis zu 200 Flüchtlinge befördert worden. Auf den beiden Kiel-Göteborg-Fähren „Stena Germanica“ und „Stena Scandinavica“ wird die Passagierkapazität jedoch im Winter drastisch reduziert, da auch die Personalstärke der Crew verringert ist.

Von Bastian Modrow und Frank Behling

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