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Grippewelle nimmt kein Ende

Mehr Erkrankungen Grippewelle nimmt kein Ende

Die Grippe in Schleswig-Holstein will nicht weichen, die Atemwegserkrankungen sind ungewöhnlich hartnäckig – die aktuelle Grippesaison nimmt auch für Experten einen unerwarteten Verlauf. Das betrifft weniger die Zahl der Erkrankungen als ihre Dauer.

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In Schleswig-Holstein hält sich die Erkältung hartnäckig.

Quelle: imago/Westend61

Kiel. Vom 1. Januar bis zum 3. April wurden 2032 Grippefälle in Schleswig-Holstein gemeldet – 22 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Betroffen sind vor allem Kiel mit 473 Influenza-Fällen sowie die Kreise Pinneberg (437) und Rendsburg-Eckernförde (228). Im Kreis Segeberg wurden 128 und Kreis Plön 50 Erkrankungen registriert. Neumünster hatte mit 14 Fällen das geringste Problem. Eine 59-jährige Kielerin, die sich im März plötzlich „von Null auf 100“ völlig ermattet fühlte und hohes Fieber bekam, berichtet wie viele andere von einem langen Krankheitsverlauf: „Ich fühle mich noch immer nicht in alter Form.“

 Das Besondere in dieser Grippesaison ist für den Allgemeinmediziner Dr. Thomas Maurer nicht der Anstieg der Fallzahlen: „Auffällig ist vielmehr, dass wir im April immer noch ungewöhnlich viele neue Grippeerkrankungen in den Praxen sehen. Da klingt normalerweise die Grippesaison schon aus“, sagt der Landesvorsitzende des Hausärzteverbandes.

Grippe-Fälle dauern ungewöhnlich lange

 Das wird auch am Institut für Infektionsmedizin an der Christian-Albrechts-Universität und dem Universitätsklinikum in Kiel bestätigt, wo die Daten der meldepflichtigen Erkrankungen ausgewertet werden. „Die Epidemie dauert ungewöhnlich lange an und übertrifft aktuell die Erwartungen aus den Vorjahren“, sagt Institutsdirektor Prof. Helmut Fickenscher. Seit der 12. Woche beobachtet der Infektionsmediziner aber immerhin einen Rückgang bei den Neuerkrankungen. Doch es leiden nicht nur die Grippe-Patienten. Selbst die grippalen Infekte verlaufen in diesem Wochen häufig ungewöhnlich. „Aus den Hausarztpraxen höre ich, dass die Patienten mit einem Infekt drei, vier Wochen brauchen, um wieder auf die Füße zu kommen“, sagt Thomas Maurer.

 Dem Kieler Internisten, Kardiologen und Sportmediziner Dr. Rainer Birke ist nicht nur die hohe Zahl von Atemwegserkrankungen aufgefallen: „Ich erlebe auch immer wieder, dass Patienten mehrere Wochen nach einem Infekt erneut mit ähnlichen Symptomen in die Praxis kommen.“

Kaltes Abduschen, Sport und Sauna schützen vor Erkältung

 Der Mediziner sieht einen Grund dafür in zwei aufeinanderfolgenden milden Wintern. In diesem Jahr ist die Witterung zudem besonders wechselhaft. Das erfordert vom Organismus ständige Anpassung. Rainer Birke rät daher, sich durch kaltes Abduschen, Sport und Sauna abzuhärten. Außerdem sollte man viel trinken, draußen einen Schal tragen und nicht durch den Mund atmen: „Die Nase ist ein körpereigener Filter. Den sollten wir nutzen.“

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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