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30 Greifvögel durch Gift getötet

Jagd- und Artenschutzbericht 30 Greifvögel durch Gift getötet

Erstmals hat das Umweltministerium Zahlen zu vorsätzlichen Vergiftungen von Großvögeln wie Rotmilan, Seeadler und Mäusebussard vorgelegt. Danach konnten bei rund 40 Prozent der untersuchten Totfunde Vergiftungen nachgewiesen werden.

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30 Greifvögel wurden im vergangenen Jahr in Schleswig-Holstein vergiftet.

Quelle: Axel Heimken

Kiel. „Das Ausmaß ist erschreckend hoch. Es geht um Straftaten mit hoher krimineller Energie“, stellte Umweltminister Robert Habeck bei der Vorstellung des Jagd- und Artenschutzberichtes 2015 fest. Habeck geht davon aus, dass das reale Ausmaß der Vogeltötungen noch „erheblich dramatischer“ ist.

Seit 2008 hat das Ministerium 70 Proben von Totfunden untersuchen lassen – Greifvögel, aber auch Uhu, Weißstorch, Kolkrabe, Rabenkrähe, Silbermöwe. Bei 30 Tieren konnte als Todesursache eine Vergiftung nachgewiesen werden. „Das ist nicht aus Versehen geschehen, sondern die Taten wurden mutwillig und mit hoher Kriminalität begangen, weil hochtoxische Pflanzenschutzmittel verwendet wurden, die meist verboten sind“, betonte Habeck. Oft würden die Attentate aufwendig vorbereitet. So war in einem Fall in Dithmarschen ein totgefahrener Hase mit Parathion, besser bekannt als E 605 präpariert und ausgelegt worden. Ein Mäusebussard fraß davon und verendete qualvoll. Bei einer vergifteten Seeadlerfamilie in Dithmarschen wurde ein mit Mevinphos präpariertes Schweinebein im Horst gefunden. Auch Mevinphos ist längst verboten, wird aber offenbar gezielt gegen Seeadler eingesetzt. Die Taten wurden angezeigt. Bisher in allen Fällen ohne Erfolg. „Jedem muss klar sein, dass es hier um Straftaten geht, die drakonische Strafen nach sich ziehen“, sagte Habeck.

Er sieht das Problem allerdings nicht nur in Dithmarschen. Dort sucht ein Vogelschützer gezielt nach verendeten Tieren. Würde man dies überall so machen, müsse man auch in anderen Landesteilen mit mehr Funden rechnen. Bei dem befürchteten Ausmaß von Vergiftungen müsse man davon ausgehen, dass die illegalen Tötungen mittel- bis langfristig den Bestand der betroffenen Vogelarten bedrohen, heißt es in dem Jagd- und Artenschutzbericht.

Das Problem: Die getöteten Tiere werden meist nur zufällig gefunden. Oft werden die Kadaver von anderen Tieren verschleppt. Und wenn man sie findet, dann lässt sich die Todesursache oft nicht mehr nachweisen. Das Zeitfenster, in dem das möglich ist, ist klein. Beispiel Mäusebussard: 27 tote Tiere wurden untersucht. Bei fünf Bussarden konnte eine Vergiftung nachgewiesen werden. In sechs Fällen war aber eine Klärung nicht mehr möglich. Im Ministerium sieht man in den Vergiftungen einen von mehreren Gründen dafür, dass die Bestände des Mäusebussards dramatisch zurückgehen. Für den Landesteil Schleswig wurde das untersucht. Ergebnis: Seit dem Jahr 2000 sank die Zahl der Brutpaare von mehr als 120 auf gegenwärtig nur 30 Paare. „Dabei war der Mäusebussard früher einmal flächendeckend in unserem Land heimisch“, sagte Habeck.

Neben Mäusebussard und Seeadler werden auch andere Greifvögel wie der Rotmilan Opfer von Giftanschlägen. Von zwölf untersuchten Seeadlern waren neun eindeutig vergiftet, bei zwei Tieren ließ sich die Todesursache nicht mehr feststellen. Von vier untersuchten Rotmilanen waren drei vergiftet worden. Es traf aber auch Kolkraben, Dohle und Silbermöwe.

Bleibt die Frage, warum Menschen Vögel vergiften. „Das ist unklar, so lange die Täter nicht gefasst sind. Und ich werde darüber nicht öffentlich spekulieren“, sagte der Minister.

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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Ob Wildbiene, Bussard oder Küchenschelle – wir dezimieren unsere Umwelt beharrlich und äußerst effizient. Über 30 Prozent aller untersuchten Arten in Deutschland sind gefährdet, hat das Bundesamt für Naturschutz (BfN) festgestellt.

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