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Mit dem Trecker nach Berlin

Grüne Woche Mit dem Trecker nach Berlin

Am Freitag hat die weltgrößte Agrarmesse Grüne Woche in Berlin begonnen. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) warb um ein größeres Verständnis dafür, dass Regionalität, Tierwohl und nachhaltige Produktion ihren Preis wert seien. Dafür machen sich vor Ort auch zwei Bio-Landwirte aus Schleswig-Holstein stark.

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Carsten Schlüter, Matthias Stührwoldt und Dieter Menke-König (von links) starteten zu ihrem Zehn-Stunden-Ritt mit ihren Treckern nach Berlin zur Agrarwende-Demonstration.

Quelle: Sven Tietgen

Stolpe/Berlin. Während konventionell wirtschaftende Bauern vielfach mit Erzeugerpreisen im Sinkflug hadern, geht es den Bio-Landwirten gut. Carsten Schlüter aus Postfeld und der Stolper Matthias Stührwoldt bekommen 45 Cent und damit fast doppelt soviel für den Liter Milch. Am Sonnabend wollen sie in Berlin auf der bundesweiten Agrarwende-Demo für ihre Wirtschaftsweise werben – und rollen dafür mit ihren Treckern auch über den Potsdamer Platz.

 Mit drei nicht mehr ganz jungen Traktoren starteten Schlüter, Stührwoldt und dessen Freund Dieter Menke-König am Freitag auf die zehnstündige Tour in die Hauptstadt. Mit maximal 40 Stundenkilometer rollt das Trio auf Nebenstraßen, für die 350-Kilometer-Strecke packten sie Verpflegung, Kleidung und ein Überbrückungskabel ein. „In Berlin und Brandenburg sollen es minus sieben Grad werden, mein italienischer Landini springt bei solchen Temperaturen nicht so gut an“, erzählte Matthias Stührwoldt. Der Landwirt stellte seinen 75-Hektar-Hof in Stolpe mit 50 Milchkühen in 2002 auf biologische Bewirtschaftung um. Carsten Schlüter hat sich mit seinem ähnlich dimensionierten Betrieb bereits 1989 von der konventionellen Landwirtschaft verabschiedet. „Das war die beste Entscheidung meines Lebens, keinen Tag lang habe ich die Umstellung bereut“, sagte der 52-jährige Postfelder.

 Mit 25 weiteren Biobauern tragen sie die Hamfelder Meierei, die dort verarbeitete Milch wird vor allem in Naturkostläden und auch Supermärkten verkauft. Das Duo setzt wie ihre 5000 Kollegen, die in der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft organsiert sind, komplett auf regionale Vermarktung. In Berlin wollen sie auf der seit sechs Jahren organisierten Agrarwende-Demonstration einen Kontrapunkt zur parallel anberaumten Grünen Woche setzen. Mit den erwarteten 50000 Teilnehmern zeigen die Treckerfahrer der zunehmenden Industrialisierung mit immer größeren Ställen die rote Karte. Nicht nachvollziehen können die Biobauern die Politik des Bauernverbands, der nach wie vor auf Export setzt.

 „In Südamerika wird für Futtersoja der Urwald abgeholzt, damit hier die Fleischmassen für den Export nach Asien produziert werden. Das ist doch ein furchtbarer Ansatz, den Bauern hier bleibt nur ein bisschen Geld und ein Haufen Scheiße“, schimpfte Schlüter. Mit Stührwoldt, der auch als Autor von Geschichten und Gedichten über das Landleben bekannt wurde, geht er zum zweiten Mal auf die Tour in der Bundeshauptstadt. „Wenn man auf der Demo von 50000 Menschen gefeiert wird, ist das ein großartiges Gefühl, das gibt Kraft für ein ganzes Jahr.“

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Wenn am Sonnabend in Berlin ökologisch und konventionell wirtschaftende Landwirte Seite an Seite mit Verbraucherschützern, Kirchenvertretern und Politikern für eine neue Agrarpolitik unter dem Motto „Wir haben Agrarindustrie satt“ demonstrieren, zeigt sich erneut die ganze Wucht der Akzeptanzmisere, in der die Branche seit Jahren steckt.

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