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Rabatte für den sozialen Wohnungsbau?

Grundstücke in Kiel Rabatte für den sozialen Wohnungsbau?

Kiel muss im sozialen Wohnungsbau neue Wege gehen, fordert der Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW). Direktor Andreas Breitner appelliert an Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD), städtische Grundstücke günstiger zu verkaufen, wenn dadurch mehr bezahlbarer Wohnraum entstehe.

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Blick über das Hörngelände: Auf den leeren Grundstücken soll ein neues Wohnquartier – auch mit einem Anteil an Sozialwohnungen – entstehen.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. „Lübeck hat es mit einem eigenen Modell vorgemacht, dem sollte Kiel folgen“, sagt Breitner.

 Seit Jahren herrscht in Kiel Wohnungsmangel. Um Abhilfe zu leisten, haben Stadt und Wohnungswirtschaft einen „Masterplan Wohnen“ auf den Weg gebracht – mit Erfolg: Die Fertigstellung neuer Domizile stieg auf durchschnittlich 300 pro Jahr, die Baugenehmigungszahlen sind zuletzt deutlich auf gut 1000 gestiegen. Oberbürgermeister Ulf Kämpfer ist daher überzeugt, dass Kiel mit dem Masterplan und dem Bauen nach Kieler Modell eine Ausgangslage geschaffen hat, die viele Instrumente, sozialen Wohnungsbau zu fördern, miteinander verbindet. Das Besondere sei, dass „wir auf den städtischen Grundstücken auch selber bauen wollen“. Ausreichend ist das allerdings noch immer nicht, meint VNW-Chef Breitner: „Das größte Hemmnis für den bezahlbaren Wohnraum sind die steigenden Baukosten.“ Vor allem die Grundstückspreise seien ein stetig größeres Problem: Die Eigentümer spekulierten, um Höchstpreise zu erzielen. „Bei Höchstpreisen lässt sich der soziale Wohnungsbau mit seinen dauerhaft niedrigen Mieten von unter fünf Euro pro Quadratmeter nettokalt nicht realisieren“, beklagt Breitner.

 Er macht einen „verhängnisvollen Trend“ aus: Viele Städte und Gemeinden versuchten, bei Grundstücksverkäufen hohe Gewinne zu erzielen. Die spätere Nutzung sei ihnen dabei egal. Ein Fehler, so der Verbandschef: „Es ist ein Unterschied, ob Projektentwickler Eigentumswohnanlagen erstellen und die entstandenen Wohnungen teuer verkaufen, oder ob wie im sozialen Wohnungsbau niedrige Mieten für 30 Jahre und mehr garantiert werden.“

 Breitner fordert ein Umdenken – nach Lübecker Vorbild. Die Hansestadt rabattiert den Kaufpreis städtischer Grundstücke für soziale Wohnbauprojekte um bis zu 15000 Euro pro geplanter Einheit. „Das ist neu, gut und innovativ, gerade für eine Stadt, die sonst jeden Euro dreimal umdrehen muss“, lobt der VNW-Direktor. Im Frühjahr wurde der Bürgerschaftsbeschluss gefasst. Jetzt hat die Kommunalaufsicht des Kieler Innenministeriums das Projekt abgesegnet. „Lübeck hat erkannt, dass sich in angesagten Stadtteilen ohne entsprechende Projekte bald niemand mehr leisten könnte, Wohnungen zu mieten“, so Breitner.

 Sein Appell: Kiel sollte dem Lübecker Beispiel folgen. Dem verschließt sich die Stadt Kiel zwar nicht, weist aber darauf hin, dass sie bereits seit längerem die von der Ratsversammlung beschlossene Regelung erfolgreich umsetzt, bei einem Verkauf mindestens 30 Prozent sozialer Wohnungsbau vorzuschreiben. Da Lübeck erst seit sehr kurzer Zeit den Beschluss anwende, will Kiel bis Ende des Jahres abwarten, um verlässliche Erfahrungswerte abzufragen und diese dann „aus Sicht der Stadt Kiel zu bewerten“. Bisher kann die Landeshauptstadt keinen Bedarf an Preisreduzierungen erkennen. Verkaufshemmnisse entstünden eher durch die Grundstückslage, steigende Bau-Anforderungen und die für eine Bewerbung einzureichenden Unterlagen.

 Nach Ansicht des Wohnungswirtschafters ist nicht nur Kiel, sondern die ganze Region Kiel gefordert. „Außer in Kronshagen, wo im Ortszentrum aufgrund einer Förderbedingung des Landes gerade einmal zwölf Sozialwohnungen entstehen, hält das Kieler Umland sich komplett zurück und lässt Kiel die Last allein stemmen“, kritisiert Breitner. In Heikendorf, Strande und Laboe herrsche eine Grundhaltung vor, die besage: Wer dort leben wolle, müsse es sich auch leisten können.

 Breitner fordert mehr Verantwortung: „Die Region Kiel muss sich zu dem Ziel bekennen, bezahlbaren Wohnraum zu fördern und zu schaffen.“

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