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Was geschah wann in der Mordnacht?

Haale-Prozess Was geschah wann in der Mordnacht?

Mit der Vernehmung von Zeugen hat die Schwurgerichtskammer am Montag den Prozess um den Doppelmord von Haale fortgesetzt. Zwei Feuerwehrmänner und drei Autofahrer hatten am Abend des 18. November 2014 Beobachtungen auf dem Pferdehof der Opfer gemacht.

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Am Tag nach der Tat: Rund um den Pferdestall in Haale suchten Spezialisten der Polizei nach Spuren. Doch nicht jeder Fund hilft im Verfahren weiter.

Quelle: Wolfgang Runge/dpa

Kiel. Sie tragen zur minutiösen Rekonstruktion des Zeitablaufs bei, in den die Tötung der Hofbesitzerin Regina F. (57) und ihrer Mutter (83) sowie die Brandstiftung einzuordnen sind.

 Wie berichtet hatte der Angeklagte (29) unter Druck gestanden: Die Frauen hatten dem Betreiber einer nahe gelegenen Tankstelle laut Anklage 7900 Euro bezahlt. Dafür sollte er ihnen schon seit längerer Zeit einen VW-Transporter besorgen. Doch der hoch verschuldete Mann soll das Geld anderweitig ausgegeben haben. Der Vorwurf: Mit dem Mord aus Habgier habe er die Veruntreuung vertuschen wollen.

 Am Tattag spitzte sich der Konflikt nach Aktenlage zu: Regina F. hatte einer Freundin erzählt, nun endlich sei die Fahrzeugübergabe fällig. Der Angeklagte, der ihr ersatzweise den Kleinwagen seiner Freundin auf den Hof gestellt hatte, geriet schnell in den Fokus der Ermittler. Als die Polizei nach Auffinden der verkohlten Leichen in Sorge um die Halterin bei dem Paar klingelte, hing seine frisch gewaschene Arbeitskleidung zum Trocknen über den Stühlen.

 Nach Aussage des Wehrführers (50) der Gemeinde Haale kann das Feuer, das nach der Tötung von Mutter und Tochter im Pferdestall mithilfe von Kraftstoff gelegt wurde, schon eine volle Stunde vor Eintreffen der Feuerwehr vor sich hin gekokelt haben. Lichterloh brannte es nach Schätzung des Zeugen höchstens 20 Minuten. Der Angeklagte will nach eigenen Angaben gegenüber der Polizei noch zwischen 19 und 20 Uhr einen Anhänger auf dem Hof repariert haben. Kann er in diesem Zeitraum auch das um 21.05 Uhr gemeldete Feuer gelegt haben?

 Um 21.31 Uhr fiel einem Autofahrer (28), der das Grundstück am Rande der 500-Einwohner-Gemeinde regelmäßig im Pkw passiert, ein dort abgestelltes Fahrzeug mit eingeschaltetem Rücklicht auf. Fabrikat und Farbe unbekannt. Die genaue Uhrzeit entnimmt der Zeuge einer Verkehrswidrigkeit: Während der Fahrt sendete er in genau diesem Moment seiner Freundin eine SMS. Sah er das Fahrzeug des Täters?

 Für die beiden Lübecker Strafverteidiger Kai Wohlschläger und Christian Schumacher sind das alles nur vage Mutmaßungen. Schumacher sagte am Rand der Sitzung im Kieler Landgericht, die Staatsanwaltschaft habe keinen einzigen konkreten Sachbeweis. So sei weder die Schusswaffe noch das Tatmesser gefunden worden. Keine DNA-Spur belaste den Angeklagten.

 Die sprichwörtliche Zigarettenkippe, die der Täter gerne im Krimi hinterlässt, wurde auch am Tatort in Haale sichergestellt. Sie trägt sogar einen klar zuzuordnenden genetischen Fingerabdruck. Doch der stammt vom Einsatzleiter der Haaler Feuerwehr, der sich am Montag als Raucher der entsprechenden Marke outete.

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