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Deutsche schwimmen immer schlechter

Häufung von Badeunfällen Deutsche schwimmen immer schlechter

Die Zahl der Badeunfälle in Deutschland steigt. 2015 ertranken 488 Menschen, ein Viertel mehr als noch im Jahr zuvor. Vor allem Flüchtlinge unterschätzen oftmals die Gefahr. Ein DLRG-Experte erläutert, was zu tun ist.

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Frank Villmow, Leiter Verbandskommunikation im DLRG-Präsidium.

Quelle: DLRG

Vor zwei Wochen sprang in Kiel ein 21-jähriger Somalier in die Förde – und ertrank. Am Wochenende konnten zudem in Hamburg zwei 17-jährige Flüchtlinge trotz eines Großaufgebots von Lebensrettern nur tot aus einem Badesee geborgen werden. Unsere Zeitung sprach mit Frank Villmow von der Deutschen Lebens-Rettungsgesellschaft (DLRG) über die Gefahrenlage:

Können die Deutschen nicht mehr schwimmen?

Frank Villmow: Die Deutschen können immer schlechter schwimmen. Es gibt immer weniger Schulschwimmen, immer weniger Schwimmhallen. Fast die Hälfte der Grundschüler können nicht sicher schwimmen. Mit der Infrastruktur steht und fällt die Schwimmfähigkeit der deutschen Bevölkerung. Wer mal ein Seepferdchen gemacht hat, kann noch nicht sicher schwimmen. Kinder, die nur das Seepferdchen haben, können sich unter guten Bedingungen über Wasser halten, dieses kann sich aber ändern, wenn sie an der Küste von einer Welle umgeworfen werden und im kalten Wasser vergessen, dass sie schwimmen können. Richtig schwimmen kann man erst, wenn man sich eine Viertelstunde im freien Wasser halten kann. Das war früher der Freischwimmer, heute das Jugendschwimmabzeichen in Bronze.

Was befürchten Sie für die diesjährige Badesaison?

Wir versuchen überall Aufklärung zu betreiben, denn Prävention ist immer besser als eine Rettung. Wir haben bereits vergangenes Jahr in den Badeorten Flyer verteilt, um den Leuten Flaggensignale beizubringen. Gelb – Gefahr, nur erfahrene Schwimmer; Rot – Lebensgefahr, nicht Baden. Das ist nur eine Empfehlung, wir sind ja keine Hoheitsträger und können niemanden vom Schwimmen abhalten. Die Verantwortung trägt jeder Schwimmer für sich. Die wirkliche Gefahr liegt nicht am Meer, sondern an den Binnenseen. Da gehen viele am Wochenende an eine kleine Badestelle, trinken vielleicht ein Bier zu viel, gehen rein und überschätzen sich. Wir können bei weitem nicht jede Badestelle absichern.

Im vergangenen Jahr ertranken 27 Flüchtlinge in deutschen Badegewässern. Wie reagieren Sie darauf?

Wir befürchten, dass diese Zahl 2016 weiter ansteigt. Die Badeseen sind ein billiges Freizeitvergnügen und viele Flüchtlinge kennen das Risiko der Seen nicht. Sie kommen aus Ländern, in denen sie Wasser nur als Trinkwasser kennen. Ich kenne ein Beispiel vom Berliner Müggelsee, da ist ein Flüchtling ins Wasser gesprungen, obwohl er wusste, dass er nicht schwimmen konnte. Nur, weil alle anderen aus der Gruppe hineingesprungen sind. Der ging im drei Meter tiefen Wasser unter. Ein DLRG Rettungsschwimmer sah dieses und sprang hinterher und so konnte er gerettet werden. Das fehlende Gefahrenbewusstsein ist ein Riesenproblem, hier müssen wir viel Aufklärungsarbeit leisten.

Neben Flüchtlingen ertrinken auch immer wieder kleine Kinder in den Badeseen. Sind Eltern fahrlässiger geworden bei der Aufsicht?

Ja, das ist ein Riesenproblem. Kinder ertrinken leise. Sie kippen nach vorne, der Oberkörper bleibt unter Wasser, sie können nicht um Hilfe schreien. Wir haben jedes Jahr Fälle, wo der Rettungsschwimmer ein Kind gerade noch aus dem Wasser ziehen kann – und die Eltern sitzen 50 Meter weit weg auf ihrer Decke, essen ihre Bockwurst und haben gar nicht mitbekommen, dass ihr Kind gerade fast ertrunken wäre. Wenn kleine Kinder im Wasser sind, müssen die Eltern in Griffnähe danebenstehen. Die Verantwortung der Eltern ist nicht delegierbar.

Interview: Jan Sternberg

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