27 ° / 11 ° heiter

Navigation:
Kritik an Behörden nach Taylers Tod

Hamburg Kritik an Behörden nach Taylers Tod

Vor zwei Jahren starb die dreijährige Yagmur nach Misshandlungen im Elternhaus, obwohl sie unter Beobachtung des Jugendamts stand. Danach wurde das System der Kinder- und Jugendhilfe reformiert. Zu wenig, kritisieren Verbände jetzt nach dem Tod des kleinen Tayler.

Voriger Artikel
Zoll stoppt Rekord-Schmuggel
Nächster Artikel
Bürgerschaft soll Helmut-Schmidt-Flughafen zustimmen

Die Trauer nach dem Tode Taylers schlägt immer weiter in Kritik an den Behörden um.

Quelle: Axel Heimken/dpa

Hamburg. Nach dem gewaltsamen Tod des kleinen Jungen Tayler in Hamburg wächst die Kritik an den Behörden. Der Chef der Deutschen Kinderhilfe, Rainer Becker, sieht im Fall Tayler erhebliche Versäumnisse der Hamburger Behörden. „Wenn man davon ausgeht, dass das Kind schon einmal einen Schlüsselbeinbruch erlitten hat, darf man es nicht ohne eine genaue und sorgfältige Gefahrenprognose in die Familie zurückgeben“, sagte der Polizeidirektor im Ruhestand am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur.

"Das Kind wurde zur Experimentiermasse"

Das Gefahrenabwehrrecht erlaube es, ein Kind in behördlicher Obhut zu belassen, wenn der Haushalt oder die Familiensituation gefährlich für es ist, erklärte Becker. Zudem sei der Familienhelferin die Vorgeschichte möglicherweise nicht richtig übermittelt worden. „Das Kind wurde zur Experimentiermasse.“

Das einjährige Kind war am 12. Dezember ins Krankenhaus gebracht worden und am 19. Dezember gestorben. Zuvor hatte der Junge im Sommer einen Schlüsselbeinbruch erlitten, der auch behandelt wurde. Ermittlungsbehörden wurden aber offenbar nicht davon verständigt. Einen Tag vor der neuerlichen Verletzung hatte die Familienbetreuerin blaue Flecken beim Kind registriert, diese aber auf die Lauflernphase des Jungen zurückgeführt.

Gegen die 22-jährige Mutter und deren 26 Jahre alten Freund, der nicht der Vater des Kindes ist, wird ermittelt. Beide sind aber auf freiem Fuß. Der 26-Jährige ist kurz nach dem Tod Taylers zu einer Urlaubsreise nach Spanien aufgebrochen.

Becker äußert Unverständnis

Becker kann nicht verstehen, warum kein Haftbefehl gegen die Mutter und ihren Lebensgefährten erlassen wurde. „Es spricht viel für den Verdacht auf Kindesmisshandlung mit Todesfolge. Um bei einem einjährigen Kind ein Schütteltrauma auszulösen, bedarf es massivster Gewalt“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Kinderhilfe.

Der Pflegeelternrat Hamburg äußerte sich betroffen. Der kleine Tayler sei nach Misshandlungen in seinem Elternhaus gestorben. „Wir sind fassungslos und tief erschüttert, dass nach fast genau zwei Jahren nach dem gewaltsamen Tod der kleinen Yagmur erneut wieder ein Kind zu Tode gekommen ist, das unter Betreuung des Jugendamtes stand.“ Es stelle sich die Frage, „ob das aktuelle Jugendhilfesystem aus Jugendamt und freien Trägern als solches überhaupt geeignet ist, das Wohl der betreuten Kinder in der täglichen Praxis angemessen in den Mittelpunkt des Handelns zu stellen“.

Der Familienausschuss der Hamburgischen Bürgerschaft will am 6. Januar über den Fall Tayler debattieren.

Die Hamburger Staatsanwaltschaft rechnet mit ersten Ergebnissen zur Todesursache Taylers an diesem Mittwoch. Dann werde zumindest wohl das Sektionsprotokoll vorliegen, sagte Oberstaatsanwalt Carsten Rinio. Bisher gehen die Ermittler davon aus, dass der einjährige Junge so stark geschüttelt wurde, dass er ein tödliches Schütteltrauma erlitt.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Deutsche Presse-Agentur dpa

Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

KN-KSV-Liveticker

Verfolgen Sie alle Spiele von Holstein Kiel im KN-KSV-Liveticker.

Anzeige
ANZEIGE
Mehr zum Artikel
Baby in Hamburg-Altona
Foto: Am Tag nach dem Tod des zwölfmonatigen Taylers fordern Politik und Öffentlichkeit Aufklärung.

Chantal, Yagmur und jetzt Tayler – die Liste von Kindern, die in Hamburg vom Jugendamt betreut wurden und dennoch starben, wird immer länger. Und wieder beginnt die politische Debatte über die Ursachen.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Nachrichten: Schleswig-Holstein 2/3