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Teilgeständnisse in Prozess um Brandanschlag

Hamburg Teilgeständnisse in Prozess um Brandanschlag

An den Brandanschlägen auf die „Hamburger Morgenpost“ und eine Schule waren sie am Rande beteiligt, räumen vier junge Männer vor Gericht ein. Sie bestreiten aber, dass sie aus Verärgerung über Mohammed-Karikaturen handelten. Sie bezeichnen sich als liberal und weltoffen.

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Im Prozess um Brandanschläge auf die "Hamburger Morgenpost" und eine Schule gab es ein Teilgeständnis.

Quelle: Arne Dedert (Symbolbild)

Hamburg. Zum Auftakt eines Prozesses um zwei mutmaßlich islamistisch motivierte Brandanschläge auf das Verlagsgebäude der „Hamburger Morgenpost“ und eine Schule in Altona haben die Angeklagten Teilgeständnisse abgelegt. Drei der vier Männer im Alter zwischen 20 und 22 Jahren beteuerten jedoch in schriftlichen Erklärungen, die ihre Anwälte am Montag verlasen, dass sie nicht strenggläubig seien und Gewalt im Namen des Islams ablehnten. Mohammed-Karikaturen, wie sie Schüler nach dem Terroranschlag auf die französische Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ in der Schule aufhängten oder die Zeitung auf ihrer Titelseite nachdruckte, müssten toleriert werden, erklärte ein 22-Jähriger über seine Anwältin vor dem Landgericht.

Laut Anklage sollen die jungen Männer die Taten im Januar 2015 aus Verärgerung über die Karikaturen verübt haben. Zwei von ihnen sollen zunächst vergeblich versucht haben, die Schule mit Molotowcocktails in Brand zu setzen. In dem Gebäude habe sich auch die Wohnung des Hausmeisters befunden. Darum lautet die Anklage auf versuchte schwere Brandstiftung, die nach Erwachsenenstrafrecht mit bis zu 15 Jahren Haft bestraft werden kann.

In der folgenden Nacht zum 11. Januar 2015 legten der Staatsanwaltschaft zufolge alle vier Angeklagten Feuer bei der „Mopo“, ebenfalls aus Verärgerung über die Karikaturen. Die Täter warfen einen Gullydeckel, Schottersteine und Molotowcocktails durch Kellerfenster in einen Archivraum. Die Brandsätze zündeten, Aktenregale fingen Feuer. Die Feuerwehr konnte Schlimmeres verhindern. Die Staatsanwaltschaft wertet die Tat als versuchte Brandstiftung, weil das Gebäude selbst nicht in Flammen aufging. Nach Erwachsenenstrafrecht können dafür bis zu zehn Jahre verhängt werden.

Gericht stellte Bewährungsstrafen nach Jugendrecht in Aussicht

In Vorgesprächen mit den Prozessparteien hatte das Gericht den Angeklagten Bewährungsstrafen nach Jugendrecht in Aussicht gestellt, sollten sie umfangreiche Geständnisse ablegen. Es sei aber nicht zu einer Verständigung gekommen, verlas die Vorsitzende Richterin aus einer Aktennotiz.

Der 22-Jährige erklärte über seine Anwältin: „Mich haben die Mohammed-Karikaturen überhaupt nicht interessiert.“ Er habe allerdings die Berichterstattung der „Mopo“ über den Hamburger Jugendlichen Bilal als ungerecht empfunden. Es sei schlecht über seinen Freund aus Kindertagen geredet worden. Daraus sei die Idee entstanden, sich an der „Mopo“ zu rächen, ließ der 22-Jährige weiter erklären. Nach Informationen des Hamburger Verfassungsschutzes hatte sich Bilal im Frühjahr 2015 dem Islamischen Staat in Syrien/Irak angeschlossen und war später unter ungeklärten Umständen gestorben.

Er selbst sei christlich aufgewachsen, habe sich aber wegen seiner Hautfarbe in der Kirche diskriminiert gefühlt, erklärte der 22-Jährige. Zum Islam sei er konvertiert, weil es dort solche Diskriminierung nicht gebe. Fundamentalist oder gar Salafist sei er deswegen aber nicht. „Ich bin liberal und für Meinungsfreiheit“, beteuerte der junge Mann mit Dreadlocks. An der eigentlichen Tat sei er nicht beteiligt gewesen.

Der Anwalt eines anderen, ebenfalls 22 Jahre alten Angeklagten erklärte, die Vorwürfe der Anklage seien zutreffend. Sein Büro habe es aber nicht geschafft, die schriftliche Erklärung seines Mandanten rechtzeitig fertigzustellen.

Religion soll kein Antrieb gewesen sein

Ein 20-Jähriger will laut Erklärung seines Verteidigers nur Schmiere gestanden haben, bei beiden Taten. Vorher habe er jeweils viel Wodka getrunken und könne sich darum nicht an alles erinnern. Als Mittäter von einem „Molli“ redeten, habe er gar nicht gewusst, worum es ging. „Ich kannte das Wort gar nicht.“ Auch der Begriff „Mopo“ habe ihm zunächst nichts gesagt. Er mache zurzeit eine Ausbildung zu seinem „Traumberuf“ Maurer und hoffe, dass ihm das Gericht die Chance auf ein ordentliches Leben gebe. Religion habe für ihn nie eine Rolle gespielt, er gehe auch nicht in die Moschee.

Ein 21 Jahre alter Angeklagter, der in der angegriffenen Schule seinen Hauptschulabschluss gemacht hatte, erklärte, auch für ihn habe Religion keinen großen Stellenwert. „Mein Vater und meine Mutter haben mich weltoffen erzogen.“ Dass er nach dem Anschlag auf die „Mopo“ in einem Chat „hahaha“ geschrieben habe, sei nicht ernst gemeint gewesen.

dpa

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KN-online (Kieler Nachrichten)

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