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Handys am Steuer werden schnell zur Katastrophe

Verkehrsunfallstatistik Handys am Steuer werden schnell zur Katastrophe

Finger weg vom Handy: Bei der Vorstellung der Verkehrsunfallstatistik wurden zwei Probleme deutlich: Handys am Steuer und Unfallflucht entwickeln sich zu immer größeren Unfallfaktoren. Dagegen soll jetzt verstärkt vorgegangen werden.

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Handys am Steuer sorgen vermehrt für Unfälle.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Der Blick auf den Verkehr? „Der bedeutet immer Licht und Schatten“, sagt Innenminister Stefan Studt (SPD) am Donnerstag beim Vorstellen der Verkehrsunfallstatistik für das vergangene Jahr. Schatten wirft die generelle Zunahme von Unfällen um 2,4 Prozent auf 87.237 gegenüber 2015.

Auch starben 114 Menschen im Straßenverkehr, also sieben mehr als im Vorjahr. Heller wirken die Zahlen, wonach weniger Kinder verunglückten (-3,6 Prozent) und auch weniger Motorradfahrer verletzt oder getötet wurden (-7,8 Prozent). Zwei Probleme aber werden immer dringlicher: Handys am Steuer und Unfallflucht.

Der Straßenverkehr ist stets ein ganzes Stück weit Abbild einer Gesellschaft. Wer dem Innenminister bei seiner Jahresbilanz zuhört, vernimmt Formeln wie „zunehmender Egoismus“ oder „wachsende Aggressivität“, die sich auf norddeutschen Straßen zeige. Seit Jahren nimmt die Zahl der Verkehrsunfälle zu und die Vermutung liegt nahe, dass immer mehr Zeitdruck, Stress, aber auch Ablenkungen eine Rolle spielen. Messbar sind die Auswirkungen solcher Faktoren auf Unfallzahlen kaum. Die Polizei im Land hat im vergangenen Jahr jedoch deutlich mehr verbotene Handynutzung registriert, sie nennt ein Plus von Verstößen von 24,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

11.507 Menschen wurden bei Kontrollen beim Telefonieren oder Texten beim Fahren ertappt. Landespolizeidirektor Ralf Höhs warnt eindringlich vor dem „sekundenlangen Blindflug“ auf der Straße, der schnell in einer tödlichen Katastrophe enden könne. Laut internationaler Studien sei inzwischen „jeder siebte bis zehnte Verkehrsunfall auf Ablenkung zurückzuführen“. Das Tippen einer SMS beim Fahren erhöhe das Unfallrisiko um das 23-Fache, Telefonieren um das Sechsfache.

Der Innenminister begrüßt, dass Verstöße gegen das Handyverbot in Bälde via Straßenverkehrsordnung härter bestraft werden sollen: „Wer am Lenkrad auf dem Handy oder Tablet tippt, sollte empfindlich zur Kasse gebeten werden.“ Das Bußgeld soll von 60 auf 100 Euro angehoben werden. Studt kündigt für das laufende Jahr „einen deutlichen Überwachungs- und Aufklärungsschwerpunkt“ an. Motto: „Runter vom Gas – Finger weg vom Handy“. Und bereits im laufenden Monat werde es landesweite Kontrollen im Rahmen der europaweiten Tispol-Aktion (Traffic Information System Police) geben.

Die Zunahme an Verkehrsunfällen überrascht den Minister nicht. Er verweist auf die zunehmende Verkehrsdichte im Norden. Im Jahr 2015 war das Wachstum der Fahrzeugzahl mit zulassungspflichtigem Kennzeichen mit 2,1 Prozent in Schleswig-Holstein bundesweit am höchsten ausgefallen.

Deutlichen Unmut weckt im Innenministerium das „unerlaubte Entfernen vom Unfallort“. Dieses Delikt hat deutlich zugenommen: In den vergangenen zehn Jahren stieg die Zahl der polizeilich aufgenommenen Unfallfluchten um 22,9 Prozent. Die Polizei will deshalb in diesen Tagen landesweit ein System zur Sicherung von Unfallspuren zum Einsatz bringen. Laut Polizeidirektor Höhs sei es zuletzt in der Landeshauptstadt erfolgreich getestet worden (siehe unten).

Sorgen gibt es auch im Bereich des Güterkraftverkehrs: Die Zahl der Unfälle unter Beteiligung entsprechender Fahrzeuge stieg seit 2012 um knapp 20 Prozent. Dies sei Folge des besonders auf Autobahnen seit Jahren steigenden gewerblichen Güterverkehrs.

Immerhin: Unfälle unter Alkohol-Einfluss haben in den vergangenen zehn Jahren um fast 30 Prozent abgenommen. Doch schon naht Schatten: Es gab mehr Unfälle unter dem Einfluss anderer Drogen. Allerdings sei ihr Anteil an der Gesamtunfalllage mit 198 Unfällen und 118 Verunglückten „immer noch sehr gering“.

Die gesamte Verkehrsunfallstatistik finden Sie hier:

vsb_2016 6,00 MB

Polizei greift zur Klebefolie "Spurfix"

Bei jedem fünften Verkehrsunfall im Norden flüchtet einer der Beteiligten. Die Zahl dieser Delikte nahm in den vergangenen zehn Jahren um 22,9 Prozent zu. Hilfe erhofft sich die Polizei von der Klebefolie „Spurfix“. Sie soll Unfallspuren etwa nach Blechschäden einfach sichern. Sie soll landesweit eingeführt werden, nachdem sie zunächst in Kiel getestet worden war. Laut Landespolizeidirektor Höhs brachte „Spurfix“ erstaunliche Erkenntnisse und sorgte für viele Ermittlungserfolge: 180 Unfallfluchten wurden ausgewertet. In 86 Fällen wurde durch mikroskopische Untersuchung der Verursacher nach Fahrzeugkollisionen ermittelt, in 63 Fällen wurden mutmaßliche Verursacher ausgeschlossen, in elf Fällen wurde eine vorgetäuschte Tat nachgewiesen.

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Ein Artikel von
Oliver Hamel
Wirtschaftsredaktion

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