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Deutliche Kritik an der Landeshauptstadt

Haus & Grund Deutliche Kritik an der Landeshauptstadt

Der Landesverband Haus & Grund hat die Kommunen aufgefordert, bei der Unterbringung von Flüchtlingen auch die üblichen Mieten in gehobeneren Wohnlagen zu bezahlen. Privat-Eigentümer stellen laut des Verbandsvorsitzenden Alexander Blazek in Schleswig-Holstein über 60 Prozent aller Mietwohnungen zur Verfügung – und zwar oft in den Zentren der Städte und Gemeinden.

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"Natürlich wollen sich private Vermieter ihre Mieter selbst aussuchen“, stellte Alexander Blazek fest.

Quelle: Volker Rebehn

Kiel. „Unsere Mitglieder sind sehr bereit, Flüchtlinge mit Wohnraum zu versorgen“, sagt Blazek. Vor allem die ältere Generation, die Flucht und Vertreibung aus den ehemaligen Ostgebieten noch am eigenen Leib erfahren hat, signalisiere eine überraschend hohe Akzeptanz.

„Natürlich wollen sich private Vermieter ihre Mieter selbst aussuchen“, stellte Blazek fest. Die Bereitschaft, anerkannten Kriegsflüchtlingen aus Afrika und dem Nahen Osten privaten Wohnraum anzubieten, sei deutlich höher als bei Wirtschaftsflüchtlingen aus dem Balkan ohne Bleibeperspektive. „Kein Vermieter hat Interesse an einer häufigen Fluktuation.“ Allerdings gehe es in einer Stadt wie Kiel nicht immer nur um Gaarden und Mettenhof. Der Verbandsvorsitzende berichtete von einem privaten Wohnungsangebot in Uni-Nähe: Die Verwaltung habe es dort abgelehnt, den Marktpreis von acht Euro pro Quadratmeter zu bezahlen. „Wenn wir die Bildung von Ghettos umgehen und Integration fördern wollen, dann ist das nicht der richtige Weg.“ In Kiel würden aktuell bereits über 1000 herkömmliche Wohnungen an Flüchtlinge vermietet.

Innenminister Stefan Studt (SPD) hatte kürzlich den Bau von 5000 zusätzlichen Wohneinheiten nach vereinfachten Standards angekündigt, die bis zum Winter bezugsfertig sein sollen. Die Kommunen können dabei aus einem Katalog zwischen verschiedenen Typenmodellen wählen. Der Haus&Grund-Vorsitzende Blazek begrüßte dieses Vorgehen ausdrücklich. Die Unterkünfte genügten vollkommen sowohl erforderlichen Baustandards als auch architektonischen Erfordernissen und könnten in ein paar Jahren, wenn sich die Lage möglicherweise entspannt, anderweitig genutzt werden. „Auf einem Areal wie dem Kieler Uni-Gelände wäre das eine vernünftige Nachverdichtung.“

Eine scharfe Absage erteilte Blazek dagegen der Mietpreisbremse. Erst fordere die Politik die Wohnungswirtschaft dazu auf, bezahlbaren Wohnraum zu bauen, in Energieeinsparung zu investieren und auf die Nutzung erneuerbarer Energien umzusatteln – um dann mit der Mietpreisbremse ein „Investitionshindernis allererster Güte“ zu kassieren. Auf diese Weise entstehe nicht eine Wohnung zusätzlich, rief Blazek der Landesregierung zu. Haus & Grund halte die Rechtsgrundlage für verfassungswidrig und sei gegebenenfalls bereit, einen Musterprozess zu führen.

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Ein Artikel von
Christian Hiersemenzel
Landeshaus-Korrespondent

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