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Wenn es Nacht wird in Wacken

Heavy-Metal-Festival Wenn es Nacht wird in Wacken

Auch beim größten Heavy-Metal-Festival der Welt, dem Wacken Open Air (WOA), wird es irgendwann relativ ruhig. So sehr, dass man die schmatzenden Laufgeräusche auf dem morastigen Boden hören kann.

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Wo eben noch Zehntausende Metal-Fans feierten, sind nur noch Aufräumkräfte und eine Schlammwüste zu sehen.

Quelle: Michael Kaniecki

Wacken. Die blau-weißen Scheinwerferlichter der Bühnen ragen wie wankende Leuchtschwerter in den dunklen Nachthimmel. Blaues Licht spiegelt sich im knöcheltiefen Matsch wider. Die meisten Pavillons und Getränkestände sind bereits verriegelt. Hier und da wird noch Kassensturz gemacht, die letzten Becher mit Rinderschädel-Emblem abgespült. Auf dem Wacken Open Air, wo eben noch Zehntausende Metal-Fans gejubelt haben, kehrt Stille ein. So sehr, dass man die schmatzenden Laufgeräusche auf dem morastigen Boden hören kann.

Vom nahen Campingplatz hallen noch Stimmen herüber. Wie eine Schar Ameisen wandern die Abfallsammler in Leuchtwesten über das Festival-Gelände und bereiten das Feld für den nächsten Tag vor. Es wird Wacken-Nacht. Für Lara Gallers, Melanie Gosch, Merlin Kläschen und Bernd Simonsen vom Met-Stand bedeutet das: Feierabend. Den ganzen Tag haben sie die Gäste mit Schnäpsen versorgt. „Jetzt ist der kurze Moment der Entspannung“, sagt Simonsen. Um acht Uhr morgens kommen die neuen Lieferungen. Deshalb geht es nun ab in den Schlafsack. Auch für Security-Frau Anke Teek ist die Schicht vorbei: „Jetzt werde ich noch schnell etwas essen und mich dann hinlegen.“ Die Sicherheitsleute haben soeben mit rot-weißem Flatterband die letzten Nachzügler vom Platz gefegt. Der Widerstand hielt sich in Grenzen. „Jeder weiß, dass jetzt Schluss ist. Die gehen dann auf die anderen Plätze.“

Ausklang des langen Tages

Denn es gibt einen Ort, an dem immer jemand wach ist: den Campingplatz. Vom Dithmarscher Kornpalast, einem Gelände, das mit Schnapsflaschen dekoriert wurde, dröhnt der Song „Final Countdown“, aus einer anderen Ecke der Titel „Paranoid“. Doch so richtig wild geht es jetzt nicht mehr zu. Das Schlammwaten und der Alkohol haben Kraft gekostet. Die meisten setzen inzwischen auf Lagerfeuer, Dosenbier und ruhige Gespräche zum Ausklang des langen Tages.

Das schallende Gelächter von Campingplatz D fällt auf. Ein Gruppe Männer sitzt im Dunkeln verborgen in einem Kreis aus Campingstühlen. Einer von ihnen wird von einer Laterne, die er in der Hand hält, angeleuchtet. Tiefe Schatten fallen auf sein Gesicht. „Und es begab sich, dass der Herr auf dem Wacken auszog, um seinen Suff zu verbreiten“, ertönt seine prophetenhaften Stimme, während er sich eine lange rote Haarsträhne hinter das Ohr schiebt. Es folgt so etwas wie das kleine Wacken-Evangelium. Die Geschichte hat einen wahren Kern. „Wir haben Lucian gestern als Jesus verkleidet und sind über das Gelände gezogen“, erklärt Vorleser Jascha Schröder lachend. Die Menge johlt. Weitere Geschichten, Zitate und Witze folgen. Die zehn Männer zwischen 20 und 40 Jahren fahren jedes Jahr gemeinsam zum Festival und notieren ihre Erlebnisse, mal mehr, mal weniger ausgeschmückt. Vor allem mit viel Selbstironie: „Wenn du dich hier umsiehst, dann findest du in keinem einzigen Augenpaar einen winzigen Funken Verstand“, sagt Joe Wilhelm, der Älteste der Gruppe.

Inzwischen sind sie beim dritten Band des sogenannten Sprit-Book angelangt. Die wichtigste Regel lautet übrigens, dass es nur betrunken beschrieben oder verlesen werden darf. Und so entstehen an diesem Abend weitere Wacken-Gutenachtgeschichten.

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Positives Fazit
Foto: Das Wacken-Festival 2016 ist zu Ende.

Das berühmteste Heavy-Metal-Festival der Welt in Wacken ist zu Ende. Bis spät in die Nacht zu Sonntag brummten noch die letzten Töne über das Gelände, bevor sich die „Metalheads“ Richtung Heimat verabschiedeten.

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