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„Ein verheerendes Signal“

Flüchtlinge soll nicht in Reihenhaus „Ein verheerendes Signal“

Massive Beschwerden von wenigen Nachbarn haben verhindert, dass eine Flüchtlingsfamilie in einem Reihenhaus in Heikendorf untergebracht wird. Der Hausbesitzer ist empört: „Das ist ein verheerendes Signal.“

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Heiko Nitsche wollte sein Elternhaus in Heikendorf über das Amt an syrische Kriegsflüchtlinge vermieten. Erst bekam er eine Zusage, dann - nach Beschwerden aus der Nachbarschaft - eine Absage.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Heikendorf. Kurz vor der Vertragsunterzeichnung machte das Amt Schrevenborn einen Rückzieher. Hausbesitzer Heiko Nitsche ist empört: „Das ist ein verheerendes Signal.“ Ein Reihenhaus mit Garten, umgeben von freistehenden Einfamilienhäusern mitten in Heikendorf. Am Eingang der Straße hängt ein Schild im Fenster: Refugees welcome. Heikendorf ist bekannt für ein hohes Maß an Bürgerengagement und Integrationsarbeit. „Nie hätte ich erwartet, dass hier die Unterbringung einer Flüchtlingsfamilie verhindert werden könnte“, sagt Nitsche. Der Sozialpädagoge ist selbst in dem Reihenhaus aufgewachsen, kennt viele Nachbarn noch von damals. Nach dem Tod der Mutter hat Nitsche das Haus geerbt. Weil der 42-Jährige seine Elternzeit mit der Familie in der Heimat seiner Frau, einer promovierten Psychologin verbringen will, hat er das Haus im Juni der Amtsverwaltung für die Unterbringung von Flüchtlingen angeboten. „Ich erinnerte mich an den Aufruf der Amtsverwaltung, freien Wohnraum zu melden und dachte: Eine Familie könnte hier zur Ruhe kommen und relativ schnell integriert werden“, sagt der Familienvater. Das sahen offenbar auch die Mitarbeiter der Amtsverwaltung nach einer Besichtigung im Juni so.

 Am 13. Juli bittet man um die Klärung letzter Fragen, wie Betriebskosten und Vertragslaufzeit. Am 17. August erhält Nitsche per Mail die Zusage: „Natürlich möchten wir gerne Ihr Objekt anmieten. Zu wann könnten wir es nutzen, beziehungsweise die Wohnungsübergabe machen? “ Doch noch am gleichen Tag erreicht den Hausbesitzer eine zweite Mail. Ein Nachbar habe angerufen. Die Anwohner seien unruhig, weil dort Flüchtlinge untergebracht werden sollen. Wenige Tage später wird Nitsche telefonisch über eine Absage informiert.

 Am 1. September folgt die schriftlich Absage durch den Amtsdirektor vom Amt Schrevenborn, Ulrich Hehenkamp. Darin bedauert er, dass es nicht zu einem Vertragsabschluss gekommen ist. Zurzeit bestehe aber auch kein akuter Bedarf, weil dem Amt seit Anfang Mai lediglich zehn Flüchtlinge zugewiesen worden seien. Die Absage bedeute weder Erpressbarkeit noch mangelnde Zivilcourage. Flüchtlinge seien „Menschen mit überwiegend traumatischen Erfahrungen und einem sehr schwierigen persönlichen Hintergrund, die zur Ruhe kommen möchten und müssen“. Weiter heißt es: „Ich hege starken Zweifel daran, dass dies gelingt, wenn es in der unmittelbaren Umgebung Menschen gibt, die gegenüber diesem Personenkreis – egal wie berechtigt oder unberechtigt diese Meinung/moralische Haltung auch sein mag – eine extrem negative und ablehnende Einstellung an den Tag legen.“ Es gelinge „trotz erheblicher Bemühungen häufig nicht, die Meinung solcher Menschen in eine positive Richtung zu verändern und Vorbehalte abzubauen, was ich persönlich zwar sehr schade finde, aber letztendlich akzeptieren muss.“

 Für Nitsche macht es das Amt damit fremdenfeindlichen Einstellungen zu leicht. „Das ist doch das verheerende Signal: Ihr müsst Flüchtlinge als Nachbarn nur ablehnen, dann müssen sie woanders hin. Erst Kitas und Jugendheime, dann Flüchtlinge – die schleichende Ausgrenzung darf man nicht hinnehmen.“ Auch andere sehen das offenbar so. Die große Mehrheit von Anwohnern äußert auf Nachfrage, dass sie kein Problem damit hätten, wenn in dem Haus eine Flüchtlingsfamilie einziehen würden. „Schon Herr Nitsches Mutter hatte dort in den Neunzigern Balkanflüchtlinge beherbergt, das war auch kein Problem“, sagt eine Nachbarin.

 Lediglich eine Frau räumte ein, dass ihr Mann sich beim Amt gemeldet habe. „Meinetwegen können die hier wohnen, wenn sie sich benehmen und nicht mein Grundstück betreten“, sagte die Frau. Allerdings hätten die Flüchtlinge ihrer Meinung grundsätzlich nichts in Deutschland zu suchen. Deshalb hätte sie sich bei der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern noch ein klareres Ergebnis gewünscht. Nachfrage: Also mehr Erfolg für die AfD? Antwort: „Für die auch. Vor allem aber für die anderen.“ Ob sie damit die NPD meine? „Ja.“

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