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Schulfotograf unter Korruptionsverdacht

Heikles Geschäft Schulfotograf unter Korruptionsverdacht

Korruption beim Klassenfoto? Ein Schulfotograf aus dem Kreis Herzogtum Lauenburg ist ins Visier der Kieler Staatsanwaltschaft geraten, weil er sich mit Hilfe unerlaubter Zuwendungen Aufträge in Schulen und Kindergärten verschafft haben soll.

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Ein Schulfotograf aus dem Kreis Herzogtum Lauenburg ist ins Visier der Kieler Staatsanwaltschaft geraten, weil er sich mit Hilfe unerlaubter Zuwendungen Aufträge in Schulen und Kindergärten verschafft haben soll.

Quelle: Imago (Symbolfoto)

Kiel/Ratzeburg. „Es besteht ein Verdacht, dem wir jetzt nachgehen“, bestätigte die Kieler Oberstaatsanwältin Birgit Heß. Der Inhaber der Firma wollte sich auf Anfrage nicht zu den Vorwürfen äußern.

 Die Vorgehensweise ist zunächst nicht ungewöhnlich: Das bundesweit tätige Unternehmen schickt freie Fotografen in Schulen und Kindergärten und lässt die Kinder professionell ablichten. Eltern können dann Porträt- und Gruppenfotos ihres Nachwuchses, Poster, Sticker, Fotobecher und vieles mehr erwerben. In der Regel funktioniert das gut, weil zumeist ganze Pakete mit unterschiedlichen Formaten angeboten werden. Die Kieler Staatsanwaltschaft hat sich eingeschaltet, weil sich die unter Verdacht geratene Firma dieses Geschäft durch „nützliche Zuwendungen“ an Mitarbeiter von Schulen und Kitas abgesichert haben soll.

 Es wäre kein Einzelfall. So spricht das Bundeskriminalamt in seinem „Bundeslagebericht Korruption 2014“ von 10480 Verdachtsfällen, in denen Fotografen mit Kita- und Schulleitern gekungelt haben sollen, damit sie einen lukrativen Auftrag exklusiv bekommen. Die Ermittlungen betrafen vor allem finanzielle Absprachen. Foto-Aktionen und die Vergabe von Aufträgen seien Sache der Schulen, erläutert Thomas Schunck, Sprecher des schleswig-holsteinischen Bildungsministeriums. Es gebe keine Vorgaben seitens des Ministeriums. „Es empfiehlt sich aber auch immer, vor der Entscheidung für einen Fotografen mehrere Angebote einzuholen und diese in der Schulkonferenz zu besprechen.“

 Das bayerische Kultusministerium hat Lehrkräften generell verboten, bei Schulfotoaktionen Zuwendungen entgegenzunehmen. Vorsorglich wurde in einem Brief darauf hingewiesen, dass im Bestechungsfall Paragraf 332 Strafgesetzbuch eine sechsmonatige Haft als Mindeststrafe vorsieht. Und an die Fotografen erging der Rat: niedrigere Preise statt Geschenke, die den Korruptionsverdacht nähren.

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Ein Artikel von
Jana Ohlhoff
Lokaldesk

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Kommentar

Schülerfotos sind ein einträgliches Geschäft. Anders ist nicht zu erklären, wie um die Fotogenehmigungen in Schulen gekämpft wird. Dass dabei einige Anbieter auch vor Korruption nicht zurückschrecken, ist bekannt. Mal werden der Schule pro verkauftem Foto ein paar Cent zugesagt, mal wird mit einer Verschönerung gelockt oder – vermeintlich harmlos – mit einer Foto-CD aller Schüler.

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