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Pflegenoten in Schleswig-Holstein im Zwielicht

Heim-Untersuchung Pflegenoten in Schleswig-Holstein im Zwielicht

Geht es nach den Pflegenoten, ist Deutschland ein Pflegeparadies: Schleswig-Holstein landet mit der Note 1,67 auf Platz zwölf. Doch das sagt nicht viel aus. Eine Auswertung des Recherchezentrums "correctiv.org" zeigt, dass die Pflegequalität in den Heimen oft schlechter ist, als es die Noten suggerieren.

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Wird wirklich so gut in Schleswig-Holstein gepflegt? Die Bewertung von Heimen rückt jetzt ins Zwielicht.

Quelle: Friso Gentsch/dpa (Symbolbild)

Kiel. Seit 2009 vergibt der Medizinische Dienst der Krankenversicherung MDK Schulnoten für Heime. Die Pflegenote berücksichtigt 77 Kriterien. So kann ein Heim, das die Bewohner nur unzureichend bei Schmerzen versorgt, durch Supernoten beim Essen oder Festivitäten am Ende noch mit einer Eins vor dem Komma abschließen. "Correctiv.org" hat bei den MDK-Noten deshalb gezielt jene Bereiche unter die Lupe genommen, die für die Pflegequalität entscheidend sind. Und diese Noten ergeben ein anderes Bild – auch für Schleswig-Holstein.

Danach war im Norden bei fast jedem dritten der 723 Heime die Behandlung bei Schmerzen nicht optimal. Bei der Medizinischen Versorgung gab es bei 55 Prozent der Heime Abstriche, bei der Dekubitus-Versorgung bei 51 Prozent – bundesweit ist das nach Rheinland-Pfalz der zweitschlechteste Wert. Auch die Versorgung mit Nahrung und Flüssigkeit war in 46 Prozent der Heime nicht so, wie es die Richtlinien vorschreiben. Bei der Inkontinenz-Versorgung landet Schleswig-Holstein nur auf dem drittletzten Platz.

72 Prozent der Heime erhalten kritische Bewertungen

Immer wenn es Abstriche in einem Bereich gab, wurde dem Heim eine rote Flagge angeschrieben – angelehnt an die Empfehlung von Experten und einen Evaluationsbericht der Pflegekassen. „Rote Flaggen können ein Hinweis darauf sein, dass es in dem Bereich in der Vergangenheit Mängel gegeben hat“, sagt Daniel Drepper von "correctiv.org". Insgesamt hatten in Schleswig-Holstein 72 Prozent der Heime mindestens eine rote Flagge. Bundesweit schnitten nur Rheinland-Pfalz und Bayern schlechter ab.

Was die Pflegenoten nicht widerspiegeln, ist die Personalausstattung. Correctiv hat diese Zahlen bei allen Medizinischen Diensten vergeblich angefordert. Man sei da zu Verschwiegenheit verpflichtet, hieß es unisono. So sind nur Teildaten bekannt: Von den 27879 Pflegemitarbeitern in Schleswig-Holstein arbeiten 61 Prozent Teilzeit – überdurchschnittlich viele. Jeder 20. Mitarbeiter ist eine „87b-Kraft“. Sie sind nur für zusätzliche Betreuung zuständig, sollen Heimbewohner etwa beim Spazierengehen begleiten und bei Aktivitäten unterstützen. Sie dürfen aber nur in Ausnahmefällen pflegerische oder hauswirtschaftliche Tätigkeiten übernehmen. Eine nicht repräsentative Umfrage von Heimmitwirkung.de und der Bundesinteressenvertretung von Heimbewohnern BIVA hat aber ergeben, dass diese Mitarbeiter nicht selten regelmäßig genau für solche Tätigkeiten eingesetzt werden.

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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Kommentar

Die Kritik ist so alt wie die Pflegenoten selbst. Insofern ist die Erkenntnis, dass man sich auf die Gesamtnote nicht verlassen kann, sondern jeden Transparenzbericht genau durchforsten muss, nicht neu, aber leider immer noch aktuell. Vor allem aber rückt die aktuelle Auswertung den zentralen Mangel der Benotung ins Rampenlicht.

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