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Neue Rocker-Clubs, neue Gewalt

Hells Angels und Bandidos Neue Rocker-Clubs, neue Gewalt

In Schleswig-Holstein sind kriminelle Rocker-Banden wieder auf dem Vormarsch: Mit Sorge beobachten Ermittler und Innenpolitiker, dass die verfeindeten Hells Angels und Bandidos wieder neue Clubs im Land gründen.

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Null-Toleranz-Strategie: Die Polizei rückte seit 2009 mehrfach zu Razzien gegen Rocker-Clubs aus (wie hier bei der Durchsuchung des Hauptquartiers der Bandidos Neumünster).

Quelle: Karsten Leng

Kiel. Die blutige Attacke in Dägeling bei Itzehoe wird von der Polizei als neue Eskalationsstufe im Konflikt der rivalisierenden Gruppen bewertet.

 Die genauen Hintergründe des Überfalls der Bandidos auf das Mitglied der Hamburger Hells Angels ist noch unklar. „Unsere Sonderkommission ,Rocker’ hat die Ermittlungen aufgenommen“, sagt Jana Maring vom Landeskriminalamt in Kiel. Im Spätsommer 2009 war die Einheit ins Leben gerufen worden, um einen kriminellen Flächenbrand in Schleswig-Holstein zu verhindern. Immer wieder war es landesweit zu Auseinandersetzungen zwischen den Clubs und ihren Unterstützern gekommen. Durch Neugründungen von Clubs versuchten beide Lager, Claims abzustecken.

 Die Reihe schwerer Zwischenfälle beginnt im Mai 2009 mit der Gründung der Bandidos in Neumünster. Im Juni wird auf das Haus des Red-Devils-Anführers, dem Unterstützer-Club der Hells Angels, geschossen. Am 12. September wird das Auto eines Bandidos bei voller Fahrt auf der Autobahn 7 gerammt, der Mann überlebt mit lebensgefährlichen Verletzungen. Später wird wegen dringenden Tatverdachts der Chef der Flensburger Hells Angels festgenommen. Im November wird ein Waffenlager der Hells Angels in Flensburg ausgehoben. Am 13. Januar 2010 kommt es zu einer Messerattacke auf zwei Red Devils mitten in Neumünster. Am 20. Januar wird auf eine Bandidos-Werkstatt in Preetz geschossen. Einen Monat später kommt es zu einem Axt-Angriff auf einen Red Devil in Flensburg. Verdächtigt werden die Bandidos. Am 11. März wird auf das Haus des Kieler Hells-Angels-Anführers geschossen. Vier Tage später werden Angehörige der Bandidos mit einem Messer attackiert – einen Monat später zwei verdächtige Hells Angels verhaftet.

 Ende April verbietet der damalige Innenminister Klaus Schlie (CDU) die Flensburger Hells Angels und die Neumünsteraner Bandidos. Zwei Jahre später folgt der nächste Schlag der Behörden: 2012 werden auch die Hells Angels in Kiel verboten – ein Wendepunkt im Kampf gegen die Rockerkriminalität im Norden, sagen Ermittler. Um einem weiteren Verbot zuvorzukommen, lösen sich die Hells Angels Lübeck 2014 auf. Seither war es aus Sicht der Polizei deutlich ruhiger in der Szene, die politisch ausgegebene „Null-Toleranz-Strategie“ schien sich zu bewähren.

 „Eine neue Dynamik“ beobachtete die Polizei, als die Hells Angels in Hamburg trotz Vereinsverbots seit Herbst 2015 wieder in der Öffentlichkeit auftraten, im Januar diesen Jahres die „Hells Angels Lubeck“ neu gründeten und zeitgleich die Bandidos Kiel offensiv in der Landeshauptstadt Macht demonstrierten. „Der Vorfall in Dägeling war kein Ausreißer und sensibilisiert die Polizeidienststellen im ganzen Land“, sagt Karl-Hermann Rehr von der Gewerkschaft der Polizei.

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Ein Artikel von
Bastian Modrow
Lokalredaktion Kiel/SH

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Hells Angels gegen Bandidos
Foto: Mitglieder der Bandidos aus Kiel haben am Montagabend in Dägeling (Kreis Steinburg) ein Mitglied der Hells Angels mit einem Messer angegriffen und verletzt.

In Schleswig-Holstein droht eine neue Welle der Rockergewalt: In Dägeling (Kreis Steinburg) haben Mitglieder der Bandidos Kiel einem Mitglied der rivalisierenden Hells Angels aus Hamburg aufgelauert und den Mann mit mehreren Messerstichen schwer verletzt.

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