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Neue Migräne-App setzt Maßstäbe

Hilfe durch das Smartphone Neue Migräne-App setzt Maßstäbe

Die Kieler Schmerzklinik am Ostufer stand am Mittwoch im Rampenlicht. Etliche Radio- und Fernsehsender sowie Vertreter von Tageszeitungen waren angereist, um bei der Vorstellung eines „digitalen Meilensteins“ in der Kopfschmerztherapie dabei zu sein.

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Stellten die neue „Migräne-App“ in der Kieler Schmerzklinik vor: Dr. Johann Brunkhorst (Techniker Krankenkasse, links), Bettina Frank (bundesweites Migräne- und Selbsthilfenetzwerk „Headbook“) und Chefarzt Prof. Hartmut Göbel.

Quelle: Volker Rebehn

Kiel. „Es gibt mehr Smartphones als Menschen auf der Welt“, sagt Prof. Hartmut Göbel, Chefarzt und Geschäftsführer der Schmerzklinik. „Das machen wir uns jetzt zunutze.“ Zusammen mit der Techniker Krankenkasse und dem bundesweiten Kopfschmerzbehandlungsnetz entwickelten die Kieler Experten eine „Migräne-App“. Ab sofort kann sie kostenlos heruntergeladen werden. Zunächst nur für Apple-Systeme, ab Anfang 2017 jedoch gibt es die App dann auch für Android-Geräte.

 Wer weiß, ohne die Mutter von Prof. Göbel würde es die App heute vielleicht gar nicht geben. „Meine Mutter litt unter Migräne“, erzählt Hartmut Göbel am Rande der Präsentation. „Als kleiner Bub hab’ ich das nie verstanden.“ Schmerztabletten, die auch wirklich helfen, seien zu dieser Zeit undenkbar gewesen. Vielleicht liegt hier der Grund, warum sich der gebürtige Würzburger mit Leib und Seele der Erforschung und Behandlung von Migräne verschrieben hat. „Migräne ist eine Erkrankung im produktiven Lebensalter“, erzählt der Fachmann. „Es geht oft los, wenn die Schule beginnt, und endet, wenn das berufliche Leben vorbei ist.“ Weltweit leide etwa jeder zweite Erwachsene an einer aktiven Kopfschmerzerkrankung. Pro Tag seien das rund eine Million Menschen allein in Deutschland. „Die neue App soll nun helfen, die Patienten zu ihrem eigenen Kopfschmerzexperten zu machen“, erklärt Göbel.

 Die App ist prall gefüllt mit „wahren Schätzen“, wie der Professor freudig erklärt. Der Patient kann täglich seinen Krankheitsverlauf eingeben, einen Schmerzkalender ausfüllen, er kann die Medikamente erfassen, die er eingenommen hat, findet aktuelle Wetterdaten sowie sämtliche Fachärzte in Deutschland. Es wird heute zwischen 367 verschiedenen Hauptdiagnosen von Kopfschmerzen unterschieden. Die wichtigsten werden in der App erklärt. Dazu gibt es Hilfen bei der Krankheitsfrüherkennung, vorbeugende Maßnahmen, Entspannungstechniken und vieles mehr. „Wir als Mediziner brauchen Informationen“, sagt Prof. Göbel. „Wenn jetzt ein Patient mit seinem Smartphone kommt, erkenne ich in zehn Sekunden, was Sache ist.“ Hilfreich sei vor allem, dass der Patient jederzeit seinen Krankheitsverlauf erfassen kann. „Es ist menschlich, Schmerzen zu vergessen. Das wissen auch alle Mütter, sonst wären wir wohl alle Einzelkinder“, erklärt er lachend.

 Mit auf dem Podium sitzt auch Bettina Frank (57), die als Betroffene das bundesweite Migräne- und Selbsthilfenetzwerk „Headbook“ gegründet hat. Die gebürtige Österreicherin, die inzwischen im Kieler Umland lebt, kam 2004 das erste Mal in die Kieler Schmerzklinik. Da lag bereits ein Leben voller Leiden hinter ihr. „Schon als kleines Kind fing bei mir die Migräne an. Nur hat es damals niemand erkannt. Ich hatte immer wieder krampfartige Bauchschmerzen“, erzählt sie. Die Ärzte entfernten ihr mit sechs Jahren den Blinddarm, aber die Schmerzen blieben. Jetzt im Nachhinein weiß sie, dass höllische Bauchschmerzen die erste Kopfschmerz-Art in der Kindheit sein können. Auch die starke Reiseübelkeit, die sie bei jeder Autofahrt spucken ließ, gehört dazu. Die neue App hat sie mitentwickelt und ist unendlich froh darüber. Auch Dr. Johann Brunkhorst von der Techniker Krankenkasse schwärmt: „Die Migräne-App wird die medizinische Versorgung richtungsweisend verbessern.“

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Ein Artikel von
Kristiane Backheuer
Lokalredaktion Kiel/SH

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