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Vorschriften verhindern so ein Inferno

Hochhausbrand in London Vorschriften verhindern so ein Inferno

Der verheerende Hochhausbrand in London beschäftigt auch die Feuerwehr in Kiel. Brandoberamtsrat Jens Petersen ist zuständig für den vorbeugenden Brand- und Gefahrenschutz. Im Interview mit unserer Zeitung sagt er: Unsere Vorschriften würden ein Londoner Szenario hier verhindern.

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Der Grenfell Tower im Zentrum Londons stand am Mittwoch komplett in Flammen. Etliche Menschen starben. Die Brandkatastrophe in Großbritannien löst auch hierzulande Diskussionen über den Brandschutz in Hochhäusern aus.

Quelle: Alberto Pezzali

Kiel. Herr Petersen, was denkt ein Feuerwehrmann, wenn er Bilder von einem Inferno wie in London sieht?

Jens Petersen: So ein Brand ist unkontrollierbar, und obwohl es gegen die Berufsehre geht: Man muss erkennen, dass kaum noch gelöscht werden kann. Das ist sicherlich ein Trauma.

Die Kollegen vor Ort versuchten also Unmögliches?

Ja, wir sind jetzt bei den Kollegen in London – wie überall auf der Welt, wenn große Brände ausbrechen. Aus den Medien erhalten wir heute schnell Kenntnis, ohne dass wir Genaues wissen. Das ist emotional eine Herausforderung.

Jeder bezieht die Bilder auf sich: Welche Hoffnung haben wir, dass ein Londoner Brand hier nicht passiert?

Ich behaupte einfach mal recht kühn: Wenn die Vorschriften für Hochhäuser eingehalten sind, kann ich mir hier kein Szenario wie in London vorstellen.

Worin besteht die Hoffnung?

In der Landesgesetzgebung gibt es jede Menge Hochhäuser-Anforderungen: Es müssen nicht-brennbare Baustoffe verwendet werden, die Bauteile brauchen 90-minütigen Feuerwiderstand. Und jede Wohnung in einem Hochhaus ist eine relativ sichere Insel. Also sollte eine Ausbreitung des Brandes schwer möglich sein.

Hochhäuser werden seit Jahrzehnten gebaut. Gilt die Sicherheit auch für ältere Bauten?

Ich hoffe das. Die sogenannte Hochhausrichtlinie besteht in Schleswig-Holstein seit 40 bis 45 Jahren. Wenn seit 1974 nichts gemacht wurde, können wir nicht sagen, dass keine Gefahren lauern. Aber wenn nachgerüstet wurde, wie bei vielen Kieler Hochhäusern, dann sind wir relativ sicher.

Sind sie dennoch Risikoobjekte?

Natürlich insofern, dass die Höhe eine Rolle spielt. Ein 70 Meter hohes Gebäude kann mit Drehleitern mit einer Rettungshöhe von maximal 25 Metern nicht erreicht werden. Darüber muss baulich und technisch gesichert werden.

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Ein Artikel von
Niklas Wieczorek
Lokalredaktion Kiel/SH

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