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Tierschützer fordern mehr Transparenz

Seehundschutz Tierschützer fordern mehr Transparenz

Die niedlichen Meeressäuger sind ein Wahrzeichen des Wattenmeeres: verwaiste Heuler werden in Auffangstationen aufgepäppelt. Tierschützer fordern mehr Transparenz beim schleswig-holsteinischen Seehundschutz und haben deshalb Klage eingereicht.

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Die Tierärztin Janine Bahr vom Arbeitskreis Robben Schleswig-Holstein, die auf der Nordseeinsel Föhr ein Robbenzentrum betreibt, klagt gegen die Tierärztliche Hochschule Hannover (Tiho).

Quelle: Carsten Rehder/dpa (Archiv)

Hannover. Weil sie die Seehundpolitik in Schleswig-Holstein für tierschutzwidrig halten, sind die Betreiber des Robbenzentrums Föhr vor Gericht gezogen. Streitpunkt sind die sogenannten Seehundjäger. Diese vom Land berufenen Jagdaufseher kontrollieren Strandabschnitte, kümmern sich um verwaiste Heuler, töten aber auch Tiere, denen aus ihrer Sicht nicht mehr zu helfen ist. Robbenschützerin Janine Bahr erfuhr vom Umweltministerium in Kiel, dass die Seehundjäger von der Tierärztlichen Hochschule Hannover (Tiho) speziell geschult werden.

Auf Grundlage des Umweltinformationsgesetzes wollten die Tierärztin und ihr Mann Andrè van Gemmert von der Hochschule wissen, wann und in welchem Umfang die Jäger geschult werden. Diese Auskunft verweigerte die Tiho zunächst. Das Paar reichte deshalb Klage beim Verwaltungsgericht Hannover ein. Nach einer mehr als zweistündigen Verhandlung am Mittwoch lenkte die Hochschule ein. Die Tiho will dem Robbenzentrum jetzt doch Auskunft über die Schulungen erteilen. Zuvor hatte der Vorsitzende Richter Ingo Behrens deutlich gemacht, dass die von der Klägerin begehrten Auskünfte durchaus unter das Umweltinformationsgesetz fallen (Az. 4 A 12473/14).

Für die Robbenschützer geht der Kampf weiter. „Es kann nicht sein, dass Laien ein Tier bewerten und über Leben und Tod entscheiden“, sagte Bahr. „Uns geht es um das Wohl der Tiere.“ Ein Jäger könne ein Krankheitsbild nicht beurteilen.

Das Land Schleswig-Holstein sieht das ganz anders. Die Seehundjäger seien für ihre Aufgaben gut qualifiziert, sagte die Sprecherin des Umweltministeriums in Kiel, Nicola Kabel. Es gehe darum, den Bedürfnissen des Tierschutzes und des Naturschutzes gerecht zu werden. „Seehunde sind wilde Tiere und damit Teil der Natur. Nicht alle können von Menschen aufgenommen werden“, sagte die Sprecherin. Wenn sie zu krank seien, würden sie von ihren Leiden erlöst.

Im Jahr 2014 wurden nach Ministeriumsangaben 576 Tiere von den Seehundjägern von ihren Leiden erlöst beziehungsweise verendeten während der Betreuung, etwa auf dem Transport. Dies waren fast doppelt so viele wie in den Vorjahren — auch weil das Influenzavirus im Herbst 2014 grassierte. 2013 seien 179 Tiere in die Seehundstation Friedrichskoog gebracht worden.

An Niedersachsens Nordseeküste zwischen der niederländischen Grenze und der Elbmündung gibt es dagegen keine Seehundjäger. Die 108 Ehrenamtlichen, die sich um verwaiste und verwundete Tiere kümmern, heißen Wattenjagdaufseher. Nach Auskunft des Umweltministeriums in Hannover gibt es rund 350 Einsätze pro Jahr. Alle gefundenen Heuler werden demnach in die Seehundstation Norden-Norddeich gebracht, wo entschieden wird, welche Tiere eingeschläfert werden müssen.

Seehunde werden in Deutschland seit 1974 nicht mehr bejagt, sondern unterliegen einer ganzjährigen Schonzeit. Ihr Bestand gilt als stabil. Im vergangenen Sommer zählten Experten im dänischen, deutschen und niederländischen Wattenmeer 26 435 Seehunde, minimal weniger als im Vorjahr.

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