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Der frühe Hype ums „brave Mütterchen“

Husum Der frühe Hype ums „brave Mütterchen“

Eine kleine Sage von der Westküste geht um die Welt. Schon vor Jahrhunderten soll man sich die Geschichte vom „braven Mütterchen“ aus Husum erzählt haben. Kaum wurde sie im Jahr 1845 erstmals in einer Sagen- und Märchensammlung veröffentlicht, stürzten sich bedeutende Autoren auf den Stoff.

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Geschichte im Comic-Stil: Im Schleswig-Holsteinischen Freilichtmuseum in Molfsee hängt der „Neuruppiner Bilderbogen“ mit dem Titel „Die Alte von Husum“. Die Sage begeisterte nicht nur Autoren, sondern auch Zeichner und Zeitungsmacher.

Quelle: Aus F. Trende "Sie rettet die ganze Stast", Boyens Buchverlag

Husum. So auch der dänische Märchenerzähler Hans-Christian Andersen. Selbst in Frankreich wurde die Geschichte in einer Art Comic aufgegriffen. „Die Sage hat fast biblische Ausmaße“, ist Frank Trende (53) begeistert. Der Autor aus Groß Vollstedt hat jetzt ein Buch zu dem alten Stoff und seiner Entwicklung veröffentlicht. Am Dienstag, 24. Mai, stellt er es in Husum vor.

 „Der Ursprungstext ist gerade mal eine Seite lang“, sagt Frank Trende, der bereits 25 Bücher zur schleswig-holsteinischen Landesgeschichte veröffentlicht hat. „Aber die Geschichte hat einfach unglaublich viel Dramatik, sodass es die unterschiedlichsten Autoren inspirierte.“ Erstmals hörte der Ministerialrat 1980 von der Sage und war fasziniert. Drei Jahre später entdeckte er durch Zufall im Freilichtmuseum in Molfsee einen „Neuruppiner Bilderbogen“ aus dem Jahre 1894, der genau diese Geschichte erzählt. „Die Alte von Husum“ lautet der Titel des bunten Bilderwerks. Seitdem lässt ihn die Husumer Sage nicht mehr los.

 Mitte des 19. Jahrhunderts sammelte der Kieler Wissenschaftler Karl Viktor Müllenhoff zusammen mit seinem Kollegen Theodor Mommensen und dem Schriftsteller Theodor Storm Märchen und Geschichten des Landes. So auch „Das brave Mütterchen“. „Nach der Veröffentlichung 1845 zog der Stoff weite Kreise. Viele Autoren haben aber neue Handlungsstränge dazu gestrickt“, sagt Trende. Hans-Christian Andersen veröffentlichte die Geschichte 1858 als Märchen unter dem Titel „Etwas“. Andere machten eine Ballade daraus (August Kopisch) oder schufen eine neue Sagenform (Ludwig Bechstein). In Frankreich entdeckte ein Husumer Soldat im Ersten Weltkrieg die „heldenhafte Kranke“ aus seiner Heimat als Bildergeschichte in einer Zeitung. „Die Wandlung des Motivs ist von einem Dichter zum anderen gut nachzuvollziehen“, sagt Frank Trende.

 Worum es in der Sage eigentlich geht? Hauptfigur ist eine alte, gebrechliche Frau, die im Winter von ihrem Haus auf dem Deich eine Feier auf dem Eis beobachtet. Als sie einen Sturm aufkommen sieht, möchte sie die Menschen warnen, denn als Seefahrerfrau kann sie die Zeichen von Wind und Wetter deuten. Und sie weiß, dass mit dem Sturm die Flut kommen und das Eis brechen wird. Da ihr Rufen niemand hört, setzt sie ihr Haus mit all ihrem Hab und Gut in Brand, um die Menschen vor dem Ertrinken zu retten. Die Feiernden sehen den Feuerschein und kommen angerannt. In allerletzter Minute erreichen alle das feste Land.

 „Die Ursprünge der Sage liegen im Dunkeln“, sagt der Autor. „Schon 1503 soll man sich in der Stadt Emden eine ähnliche Geschichte erzählt haben.“ Der Husum-Bezug könne zudem nicht stimmen, sagen Kritiker, weil ja keine Häuser auf dem Deich stehen, und die Nordsee ja sowieso nicht zufrieren kann. Frank Trende: „Aber ein Autor kann sich Motive zu eigen machen. Die Sage gehört in den Kanon friesischer Kultur. Da ist es zweitrangig, ob die Witwe in Husum war oder nicht.“

  Buchvorstellung: 24. Mai, 19.30 Uhr, Storm-Haus in Husum, Wasserreihe 31, Eintritt frei, Anmeldung: 04841/8038630.

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Ein Artikel von
Kristiane Backheuer
Lokalredaktion Kiel/SH

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