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Immer wieder Tote und Verletzte

Illegale Autorennen Immer wieder Tote und Verletzte

Bei illegalen Autorennen bringen die Fahrer sich und Passanten in Lebensgefahr, wenn sie mit hoher Geschwindigkeit um die Wette rasen. Auch in Schleswig-Holstein finden immer wieder Rennen statt.

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Drei Menschen starben 2010 bei einem illegalen Autorennen bei Tuttlingen. Sie rasten mit ihrem Wagen in einen Lkw.

Quelle: Kamera 24/dpa

Kiel. Zuletzt lieferten sich in Hannover am Ostersonnabend ein Porschefahrer mit einem Mann in einem Lamborghini ein Rennen, bei dem eine Radfahrerin verletzt wurde. Auch in Schleswig-Holstein geben Männer Gas – im Februar gab es in Schwentinental drei Verletzte.

Die rasende Fahrt in Hannover endete tragisch: Der Fahrer des Lamborghini verlor beim Beschleunigen nach einer Kurve die Kontrolle über den teuren Sportwagen. Der kam von der Fahrbahn ab, rauschte in den Gegenverkehr und berührte eine 27 Jahre alte Radfahrerin. Dann prallte der Lamborghini zuerst gegen einen geparkten Fiat 500, der vom Parkstreifen auf den Fußweg geschleudert wurde. Anschließend rutschte der Lamborghini gegen einen BMW, der wiederum gegen eine Mercedes B-Klasse prallte. Der Lamborghini und der Fiat 500 wurden bei dem Unfall schwer beschädigt, an BMW und Mercedes entstanden leichtere Schäden. Die Radfahrerin wurde leicht verletzt.

Hier finden Sie Fotos von illegalen Autorennen.

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Auch in Schleswig-Holstein treffen sich regelmäßig Autofreunde: Seit etwa 15 Jahren hat sich auf dem Real-Parkplatz in Schwentinental eine sogenannte „Tuning-Szene“ etabliert, die sich regelmäßig jeden Freitag meist zwischen 19 und 23 Uhr trifft. „Nach aktueller Einschätzung umfasst die Szene einen harten Kern von bis zu 400 Teilnehmern“, sagte Oliver Pohl, Sprecher der Polizeidirektion Kiel. Je nach Witterung und Mobilmachung bei dem sozialen Netzwerk Facebook steigere sich die Anzahl auf rund 1000 Teilnehmer.

Problematisch für die Polizei sei der große Einzugsbereich. Teilweise reisten und rasten die Auto-Tuner aus Flensburg, Schleswig, Neumünster, Hamburg oder Norderstedt an, um sich in Schwentinental zu treffen. Auf dem Parkplatz werden nicht nur modifizierte Fahrzeuge präsentiert. Die Verabredungen gipfelten nach Angaben von Pohl auch in sogenannten „Höhepunkten“ wie illegalen Rennen oder „Burnouts“. Hierbei bleibt das Auto gebremst auf der Stelle stehen, während sich die Reifen sehr schnell drehen und durch die entwickelte Hitze heftig qualmen.

„Die Rennen finden nach spontaner Absprache zwischen den Beteiligten auf der B76 oder in Schwentinental in der Mergenthalerstraße statt“, sagte Pohl. Insbesondere im Bereich dieser „Rennstrecke“ säume dann das „Publikum“ mit Kameras den Straßenrand und dokumentiere die „Wettfahrt“, die auf dem Internetportal Youtube eingestellt werde. Die Polizei ist regelmäßig vor Ort, um Rennen zu verhindern, denn es kam es in der Vergangenheit auch wiederholt zu Verkehrsunfällen, bei denen Menschen verletzt wurden. 

Der letzte Unfall mit drei Verletzten ereignete sich am Freitag, 19. Februar 2016. „Ein Fahrer verlor auf Grund eines falschen Bremsmanövers die Kontrolle über sein Fahrzeug und prallt gegen einen Laternenmast“, sagte Pohl. Offensichtlich hatte der Mann die Handbremse gezogen, um mit dem Heck zu driften. Ein anderer Unfall: Am Ende eines Rennens verlor ein Beteiligter die Kontrolle über sein Fahrzeug und prallt gegen die Hauswand von dem Geschäft Sconto. Betrunken sind die Fahrer nicht: „Alkohol und Drogenkonsum spielen in dieser Szene nur eine untergeordnete oder gar keine Rolle“, sagte Pohl.

Bestimmte Straßen in Kiel, auf denen illegale Autorennen ausgetragen werden, gibt es laut Polizei nicht. Nach Angaben von Pohl kommt es aber schon vor, dass Fahrer auf geraden Strecken in der Stadt ihre Wagen ausfahren. Zu erwarten sind Wettfahrten am Sonntag am Rendsburger Eiderpark bei dem sogenannten „Car-Freitag“. Dort treffen sich die Tuner. Aber auch die Polizei ist mit einem großen Aufgebot vor Ort, weil die Beamten auch hier mit Rennen rechnen.

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Schwentinental
Foto: Keine freie Fahrt mehr auf dem Real-Parkplatz am Freitagabend: Die Fläche war durch Absperrung zweigeteilt, sodass Kunden dennoch ihr Auto abstellen und einkaufen konnten. Auch ein Wachdienst war vor Ort. Die Szene sammelte sich stattdessen auf dem kleineren Lidl-Parkplatz (im Hintergrund).

Müll, Schäden, illegale Autorennen – bei den Geschäftsleuten im Ostseepark Schwentinental ist der Freitagabend-Treff der Tuningszene vor Ort nicht beliebt. Seit dem Saisonbeginn wird versucht, die Flächen dafür zu beschränken: Der große Real-Parkplatz soll nicht mehr zur Verfügung stehen.

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