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Schlechte Noten für die Bildung im Norden

Studie Schlechte Noten für die Bildung im Norden

Das Bildungssystem in Schleswig-Holstein ist in den vergangenen Jahren als einziges in Deutschland schlechter geworden. Zu diesem Ergebnis kommt der Bildungsmonitor 2016, den die arbeitgebernahe Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) am Donnerstag vorstellte. Schleswig-Holstein landet nur auf Platz 13.

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Nur wenige Kinder werden verspätet eingeschult oder bleiben sitzen.

Quelle: Daniel Bockwoldt/dpa

Kiel/Berlin. Hamburg, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und selbst Bremen schneiden besser ab. „In Schleswig-Holstein hat es seit dem Monitor 2013 mehr Verschlechterungen als Verbesserungen gegeben“, sagte INSM-Geschäftsführer Hubertus Pellengahr. Unter dem Strich sackte das Land in den zwölf Handlungsfeldern von Kita bis Universität um 0,2 auf 44,4 Punkte ab. Alle anderen Länder hätten zugelegt. Vorn liegt Sachsen mit 69,6 Punkten, gefolgt von Thüringen (64,5) und Bayern (60,4). Knapp hinter Schleswig-Holstein rangieren NRW (44,2), Brandenburg (43,5) und Berlin (41,6).

Verschlechtert haben sich in Schleswig-Holstein laut INSM insbesondere die Betreuungsbedingungen. Beispiel: In der Oberstufe kamen 2014 rechnerisch auf eine Lehrkraft 14,9 Schüler, so viel wie in keinem anderen Bundesland. An den Hochschulen sieht es kaum besser aus. Ein Dozent (vom Professor bis zum Lehrbeauftragten) musste sich um 19,4 Studierende kümmern. Im Länderschnitt waren es nur 17,1.

Altes Defizit "Internationalität"

Boden verloren hat Schleswig-Holstein auch bei Promotionen, Habilitationen und der Forschung. Hinzu kommen alte Defizite wie etwa bei der „Internationalität“. Die Grundschüler lernen immer noch später als in anderen Bundesländern Englisch und von den Studierenden kommen weiterhin nur 6,1 Prozent aus dem Ausland. Provinzieller geht es nur an den Hochschulen in Mecklenburg-Vorpommern zu.

Aus Sicht der INSM gibt es auch Lichtblicke. Bei der „Zeiteffizienz“ kommt Schleswig-Holstein bundesweit auf Platz zwei, weil fast alle Kinder mit sechs Jahren in die Grundschule kommen und die Wiederholerquote geringer ist als in den meisten anderen Ländern. Verantwortlich dafür sind allerdings zwei umstrittene Reformen. Zum einen werden in Schleswig-Holstein alle Sechsjährigen unabhängig von ihrem Entwicklungsstand zwangseingeschult. Zum anderen wurde das Sitzenbleiben per Schulgesetz fast abgeschafft.

Es gibt auch Lichtblicke

Das Bildungsministerium reagierte gelassen auf die INSM-Watsche. „Wir schauen uns jede Studie sehr genau an, denn jede Untersuchung bringt auch wichtige Erkenntnisse“, meinte Schul-Staatssekretär Dirk Loßack (SPD). Er erinnerte daran, dass der Bildungsmonitor „stark auf die Erwartung der Wirtschaftsunternehmen ausgerichtet ist“ und auf Daten aus 2013 und 2014 basiere. „Der Platz für Schleswig-Holstein gibt nicht die Leistungskraft unseres Bildungssystems wieder.“

Die Opposition fühlte sich durch die Studie bestätigt. „Das Ergebnis ist erschreckend, aber nicht verwunderlich“, sagte Heike Franzen (CDU). „Dass Schleswig-Holstein als einziges Bundesland beim Bildungsmonitor Punkte verliert, dokumentiert die verkorkste Bildungspolitik der rot-grün-blauen Regierung.“ Anita Klahn (FDP) schlug in dieselbe Kerbe: „Die Landesregierung hat es innerhalb kürzester Zeit geschafft, dass sich Schleswig-Holsteins Bildungsniveau zielstrebig in Richtung der sogenannten Roten Laterne bewegt.“

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Ein Artikel von
Ulf B. Christen
Landeshaus-Korrespondent

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Kommentar

Die schlechten Noten für Schleswig-Holstein im Bildungsmonitor 2016 verwundern nicht. Sie sind die Quittung für eine harte Sparpolitik in Schulen und Hochschulen. Während andere Länder in die Bildung investierten, setzte die frühere schwarz-gelbe Regierung in Schleswig-Holstein den Rotstift bis 2012 notgedrungen beim Personal an.

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