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Wie fit ist unsere Polizei?

Immer älter und häufiger krank Wie fit ist unsere Polizei?

Dieser Krankenstand ist erschreckend. In der Landespolizei liegt die durchschnittliche Zahl der Fehltage im Jahr inzwischen bei 27 – und damit so hoch wie in keiner anderen Berufsgruppe. Ursache ist nach Einschätzung von Experten die hohe Arbeitsbelastung und das steigende Durchschnittsalter der Polizisten.

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Ein Einsatztrupp der GSG 9 beim Training: So durchtrainiert wie die Spezialkräfte ist nicht jeder Polizist. In Schleswig-Holstein ist die Zahl der Fehltage im Jahr auf 27 angestiegen.

Quelle: Marius Becker/dpa

Kiel. Gewerkschaft und FDP fordern vom Innenministerium, die Einsatzkräfte zu entlasten und in Gesundheitsvorsorge zu investieren.

 27,29 Tage war jeder Bedienstete der Landespolizei im vergangenen Jahr krankgeschrieben. Das geht aus der Antwort des Innenministeriums auf eine Kleine Anfrage der FDP hervor. 2012 waren es noch drei Fehltage weniger gewesen. Wie dramatisch die Entwicklung ist, dokumentiert die Entwicklung in den jeweiligen Arbeitsfeldern. Im Tagesdienst wurden im vergangenen Jahr 84034 Fehltage von Einsatzkräften registriert. Zum Vergleich: 2012 waren es noch 71532 gewesen. Noch deutlicher ist die Entwicklung im strapaziösen Schichtdienst, bei dem die Beamten jeden Tag zu einer anderen Zeit Dienst schieben müssen: Mit 119466 Fehltagen wurden im vergangenen Jahr 15402 Krankheitstage mehr als 2012 registriert.

 „Eine beunruhigende Entwicklung“, sagt Karl-Hermann Rehr. Der Landesgeschäftsführer der Gewerkschaft der Polizei (GdP) spricht von einer fatalen Verkettung von Arbeitsumständen: „Je älter der Personalstamm ist, desto mehr häufen sich die Krankheitstage“, warnt er und drängt darauf, das Durchschnittsalter zu senken. Laut Innenministerium sind die Mitarbeiter der Schutzpolizei durchschnittlich 43,2 Jahre alt und bei der Kriminalpolizei 45,6. Beides sind die höchsten Werte im Vergleich der vergangenen fünf Jahre. „Die Landesregierung ist gefordert, Entlastungsmaßnahmen zu finden und Arbeitsbedingungen zu bieten, bei denen krankmachende Faktoren minimiert werden“, verlangt Rehr. Für den Gewerkschafter spiegeln die Zahlen nämlich nicht die komplette Misere wider: „Bei der Landespolizei gibt es ein abgestuftes Krankmeldesystem: die eingeschränkte Dienstfähigkeit.“ Wären diese Zahlen auch noch in die FDP-Anfrage eingeflossen, „dann sähen die Zahlen noch düsterer aus“, sagt der Gewerkschafter.

 Nach Ansicht der Liberalen ist eine Personalbedarfsanalyse und eine wissenschaftlich begleitete Untersuchung der sogenannten Arbeitsbewältigungsfähigkeit überfällig. „Die Belastung der Landespolizei ist alarmierend“, urteilt Innenexperte Ekkehard Klug und unterstellt der Landesregierung Untätigkeit. „Wenn zwar Mitarbeiterbefragungen erfolgen, aber eine Auswertung unterbleibt, bringt das nur wenig Wertschätzung zum Ausdruck“, kritisiert der FDP-Politiker und beruft sich auf eine 2015 angeschobene Mitarbeiterbefragung zur Erhebung der psychischen Belastung.

 Wie das Ministerium mitteilt, wurden die Beschäftigten dezentral in den Polizeibehörden und -dienststellen befragt, eine zentrale Auswertung der Ergebnisse sei aber nicht erfolgt. Verständnis hat FDP-Mann Klug dafür nicht: „Auch der seit über einem Jahr anhaltende hohe Stand von Über- und Mehrarbeitsstunden zeugt von wenig Fürsorge gegenüber den Polizeibeamten unseres Landes.“

 Nach Angaben des Innenministeriums sammelte die Landespolizei bis 31. August dieses Jahres 274925 Mehrarbeitsstunden an, die finanziell nicht vergütet werden können. Hinzu kommen 114975 Überstunden, von denen im laufenden Quartal zumindest 37000 abgegolten werden sollen.

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Ein Artikel von
Bastian Modrow
Lokalredaktion Kiel/SH

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