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Immmer mehr Eltern verzichten auf Taufe

Kirche Immmer mehr Eltern verzichten auf Taufe

Immer weniger Eltern lassen ihre Kinder taufen. Die Auffassung, den Nachwuchs später selbst darüber entscheiden zu lassen, gilt auch in Schleswig-Holstein – frei nach dem Motto „Mündige Bürger, mündige Kinder“.

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Soll unser Baby getauft werden? Viele Eltern stellen sich diese Frage. Doch immer häufiger fällt die Antwort mit Nein aus. Sie wollen ihre Kinder nicht bevormunden.

Quelle: dpa

Kiel. Ein Gegner von Taufen kurz nach der Geburt ist Michael August (47). „Ich bin missionierender Atheist“, sagt der Studienrat über sich, „ich habe Physik studiert, in den Naturwissenschaften sehe ich für Religion keinen Platz. Deshalb versuche ich Menschen davon zu überzeugen, nicht an Gott zu glauben.“ August hat eine gläubige Katholikin geheiratet und sich mit seiner Frau Juliane Einfalt (39) darauf verständigt, dass ihre Töchter Klara (7) und Alva (3) nicht bevormundet werden. „Das war nicht einfach für meine Frau“, gibt August zu, „aber wenn die Geschichte von Jesus stimmt, dann hat er sich ja auch erst als Erwachsener taufen lassen.“ Und was passiert, wenn seine Töchter zur Kommunion gehen wollen? „Dann werde ich die Kröte schlucken, das gehört zu diesem Kompromiss“, verspricht August.

 Ganz anders denkt Jördis Schwarz über Gott. Kein Wunder, die evangelische Kielerin ist Religionslehrerin. Dennoch hat sie sich mit ihrem – ungetauften – Mann Tamo darauf verständigt, Jon (6) und die knapp vier Monate alte Taija nicht zu frühkindlichen Kirchenmitgliedern zu machen. „Der Gedanke, dass ein Mensch selbst darüber entscheiden sollte, liegt mir näher“, lautet für die 42-Jährige das wichtigste Argument. Außerdem werde ohne Taufe nichts verschenkt: „Wir gehen mit Jon in die Kirche und vermitteln die Werte, die uns wichtig sind.“

 „Wir wollten nicht, dass die Taufe kurz nach der Geburt zum Standardprogramm gehört“, lautet die Begründung von Kerstin Radloff, warum ihre im Juli 2014 geborene Tochter Edda ungetauft blieb. Dabei wirkte die Hörgeräteakustikerin früher ehrenamtlich in der evangelischen Gemeinde in Gettorf. Doch während eines einjährigen USA-Aufenthalts hat Kerstin Radloff unter Baptisten gelebt und deren bewusste Entscheidung schätzen gelernt, sich teilweise erst als Erwachsene taufen zu lassen. Sie und ihr Partner Torben Schöttle finden, dass eine Taufe ein Bekenntnis zu Gott und der Kirche darstellt. „Und darüber soll Edda sich ihre eigene Meinung bilden.“

 Max (3) und Marilen (1) sind dagegen getauft. „Für uns gehört das aus Tradition dazu“, sagt Stefanie Gravert (32). Die Reiseverkehrsfrau in Elternzeit und ihr Mann Arno (34), Landwirt aus Lindau, finden, dass Eltern bei der Erziehung ständig Entscheidungen zu treffen hätten, warum also nicht auch die über die Taufe. „Man kann es seinen Kindern ja gar nicht überlassen, weil man ihnen doch von Anfang an Werte vermittelt und sie damit prägt.“ Darunter versteht Stefanie Gravert auch christliche Werte: „Wir erzählen unseren Kindern, warum wir Ostern feiern oder dass Pfingsten nicht den Sinn hat, für Brückentage verwendet zu werden.“

 Gleichwohl hat sie festgestellt, dass sie mit dieser Einstellung im Kreis ihrer Schulfreundinnen eine Außenseiterin ist: „Fast alle haben ihre Kinder nicht taufen lassen.“

 „Kinder wollen an etwas glauben“, nennt Jutta Behrendt als Grund, warum ihre Kinder Helena (13), Henrik (10) und Jorun (1) frühzeitig Mitglied der katholischen Kirche geworden sind. Sie hat es als angenehm empfunden, wenn dies im Rahmen eines Familien-Gottesdienstes geschah, findet aber nicht, dass man daraus eine Familienfeier machen sollte: „Mir ging es stets um meine Kinder, denen ich den Glauben mit auf den Weg geben wollte.“

 Ihren Sohn und ihre Töchter bringt sie immer mit einem Gute-Nacht-Gebet zu Bett, verhält sich aber gegenüber dem Ritual der Kommunion alles andere als kirchenkonform: Über deren Zeitpunkt sollen ihre Kinder selbst entscheiden, bei Henrik steht die Kommunion noch aus. Und außerdem wäre es für die Alleinerziehende auch kein Problem, wenn das Trio, das den evangelischen Religionsunterricht besucht, mal zu den Protestanten übertreten würde. Hauptsache, ihre Kinder fallen nicht vom Glauben ab.

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