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Die Brücken im Land bröckeln

Interaktive Karte Die Brücken im Land bröckeln

Schleswig-Holsteins Brücken ächzen unter der starken Belastung. Erst im vergangenen Jahr musste die Rader Hochbrücke bei Rendsburg auf der Autobahn 7 über den Nord-Ostsee-Kanal zwischenzeitlich für Fahrzeuge über 7,5 Tonnen gesperrt werden. Prüfer hatten massive Schäden entdeckt.

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Die Karte zeigt marode Brücken in Schleswig-Holstein.

Quelle: Screenshot / GoogleMaps

Kiel. Daten der Bundesregierung zum Zustand der Brücken im Land zeigen jetzt, dass in Zukunft ähnliche Baustellen häufiger drohen könnten. Der Bund hatte sich zuvor lange geweigert, Werte über den genauen Zustand der einzelnen Bauwerke zu veröffentlichen. Erst nach einem siebenjährigen Rechtsstreit mit einem Journalisten der „Welt“ und der Deutschen Presseagentur sind die Statistiken für die einzelnen Bundesländer jetzt im Internet abrufbar.

Zustandsnoten

Sehr gut: 1,0 bis 1,4

Gut: 1,5 bis 1,9

Befriedigend: 2,0 bis 2,4

Ausreichend: 2,5 bis 2,9

Nicht ausreichend: 3,0 bis 3,4

Ungenügend: 3,5 bis 4,0

Im Jahr 2014 waren es in Schleswig-Holstein 1056 Brücken, für deren Erhalt der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr als Auftragsverwalter für den Bund zuständig ist. Andere Brücken, die über Kreisstraßen oder durch Städte verlaufen, tauchen daher nicht in der Statistik auf. Die Klassifizierung der Schäden verläuft über sogenannte Zustandsnoten, die von 1,0 für "sehr gut" bis 4,0 "ungenügend" reichen. „Diese Zustandsnoten sind allerdings nicht vergleichbar mit Schulnoten, sondern drücken vielmehr aus, mit welcher Dringlichkeit am Bauwerk die Behebung von Schäden erforderlich ist“, erklärt der Sprecher des Verkehrsministeriums, Harald Haase. Eine Zustandsnote könne sich so schon durch die Behebung eines einzelnen Schadens wesentlich verbessern und auf der Bewertungsskala wieder hoch klettern. Nach ersten Reparaturen hat die Rader Hochbrücke dadurch aktuell eine Zustandsnote von 2,5 und wird vorübergehend mit „ausreichend“ bewertet. Momentan prüfen Ingenieure den Zustand der Brücke aber erneut. „Aus diesen Überprüfungen wird sich wahrscheinlich eine andere Note ergeben“, sagt Haase.

Weitere Sorgenkinder im Land

Neben diesem Großbauprojekt finden sich für die kommenden Jahre weitere Sorgenkinder in Schleswig-Holstein. Insgesamt werden zur Zeit fünf Brücken mit dem Zustand „ungenügend“ bewertet, die teilweise einen kompletten Neubau erfordern. Für die Eiderbrücke Pahlen (Zustandsnote: 3,5) nahe der Landstraße 172 plant das Land eine Instandsetzung bis spätestens 2017. Bei der Klappbrücke Uetersen auf der Bundesstraße 431 hat sich die Zustandsnote von 3,5 (2014) auf 3,7 (aktuell) verschlechtert, daher sind in diesem Jahr noch kleinere Reparaturen vorgesehen. Größere Instandsetzungsmaßnahmen bis hin zu einem eventuellen Ersatzneubau seien laut Haase noch in Planung.

Im Kreis Stormarn fallen gleich zwei Brücken unter die Kategorie „ungenügend“. Das Land will hier für rund 2,6 Millionen Euro einen Neubau zwischen der Kreisstraße 109 und der Autobahn 24 (Zustandsnote: 3,7) in diesem Jahr errichten. In Planung ist ebenfalls ein Neubau auf der Kreisstraße 61 bei der Brücke über die Sylsbek (Zustandsnote: 3,8). Am schlechtesten schneidet die Brücke über die Hochfelder Wettern auf der Landesstraße 136 mit einer Zustandsnote von 3,9 ab. Aktuell wird hier die Schadensentwicklung beobachtet und ein Entwurf für einen Neubau aufgestellt. „Der Zustand der Brücken ist immer in Bewegung, daher kann sich bereits nach einer kleinen Reparatur die Note schon wesentlich verbessern“, erklärt Haase.

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Die grüne Bundestagsfraktion hatte bereits im vergangenen Jahr eine Anfrage zu den genauen Schadensdaten gestellt. „Bundesweit muss nahezu jeder siebte Quadratmeter Brückenfläche umgehend saniert werden“, kritisieren die Grünen und machen auf ihrer Internetseite eine falsche Prioritätensetzung seitens der Regierung dafür verantwortlich. Derzeit sind in ganz Deutschland rund 2550 Brückenabschnitte in einem mangelhaften oder gar ungenügenden Zustand und müssen dringend saniert werden. Hierfür hat der Bund das „Sonderprogramm Brückenmodernisierung“ aufgelegt, das vom Jahr 2015 bis 2018 eingeplant ist.

Finanzierung der Brücken

Im Allgemeinen erfolgt die Finanzierung bei Brücken in der Baulast des Bundes aus einem Pauschaltopf für Straßen und Brücken – nur größere Reparaturen ab fünf Millionen Euro werden als Einzelmaßnahme im Landeshaushalt ausgewiesen. Die Bilanz für das vergangene Haushaltsjahr in Schleswig-Holstein weist beim Bund Erhaltungsausgaben für Brücken in Höhe von rund 13 Millionen Euro aus. Das Notprogramm betrifft in erster Linie die alten Bundesländer. Hier wurden die meisten Brücken zwischen 1960 und 1985 gebaut. 

Überprüfung der Brücken

Alle sechs Jahre erfolgt eine Hauptprüfung, alle drei eine „einfache“ Prüfung der Brücken – der sogenannter „Brücken TÜV“. Bei der Hauptprüfung müssen alle Bauteile durch einen Bauwerksprüfer begutachtet werden. Die Ergebnisse der Überprüfung dienen als Grundlage für die Planung von Reparaturen und für die Erteilung der einzelnen Zustandsnoten. Dabei werden die festgestellten einzelnen Schäden und deren Auswirkungen auf die Standsicherheit, Verkehrssicherheit und Dauerhaftigkeit bewertet und automatisch ausgewertet.

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