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Milchtankstellen - von der Kuh zum Kunden

Interaktive Karte Milchtankstellen - von der Kuh zum Kunden

Die Bauern sind vorsichtig optimitisch: Der Milchpreis steigt wieder. Weniger Sorgen mit dem Auf und Ab haben Landwirte, die ihre "weiße" Ware über eigene Milchtankstellen anbieten. Dort können Kunden Milch selbst zapfen. Rund 40 dieser Anlagen gibt es in Schleswig-Holstein, wie unsere Karte zeigt.

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In Fahrenkrug (Kreis Segeberg) gibt es seit Mai eine Milchtankstelle auf dem Hof von Jörg Böttger (rechts). Rachel Lüthje war damals die erste Kundin.

Quelle: Karsten Paulsen

Kiel. Geschätzt 800 Milchautomaten sollen es mittlerweile in Deutschland sein. Und der Markt scheint noch nicht gesättigt: Automaten-Hersteller Risto Vending aus dem nordrhein-westfälischem Marienheide stellt nach eigenen Angaben täglich zwei neue Abfüllanlagen auf. Das Unternehmen ist Marktführer und hat sich den Begriff Milchtankstelle schützen lassen. Die Idee dahinter ist simpel: Der Kunde füllt sich in mitgebrachten oder vor Ort gekauften Gefäßen an einem Automaten genau die Menge Milch ab, die er haben möchte. Und das gleich dort, wo die Milch aus dem Euter der Kuh - auf dem Bauernhof. Der Liter kostet 1 Euro, also weitaus mehr als beim Discounter.

Dafür bekommen die Verbraucher ein Produkt, das frischer kaum sein kann: Rohmilch mit einem Fettgehalt zwischen 3,5 und 5 Prozent direkt vom Hof. Daher darf die Milch laut Gesetz auch nur unmittelbar am Erzeugerbetrieb verkauft werden, um zu gewährleisten, dass die Kühlkette nicht unterbrochen wird. Ein vorgeschriebenes Hinweisschild an jedem Automaten rät zum Abkochen vor dem Trinken. Was viele aber bewußt ignorieren, denn gerade der Geschmack der unbehandelten Milch macht den Reiz der Direktabfüllung aus. Und Dickmilch beispielsweise lässt sich nur mit Rohmilch unkompliziert selbst herstellen: Einfach abgedeckt bei Zimmertemperatur stehen lassen.

Für die Landwirte sind Milchtankstellen eine Möglichkeit, einen Teil der prodzierten Milchmenge selbst zu vermarkten. Der Großteil wird in der Regel weiterhin an eine Meierei geliefert. Die Investition eines Milchautomaten soll sich ab etwa 50 verkauften Liter pro Tag rentieren. In den vergangen Jahren war der Milcherlös ständig gesunken, im Sommer 2016 auf unter 25 Cent pro Liter. Für viele Bauern sind die geringen Erlöse existenzbedrohend. Discounter Aldi hat jetzt den Verkaufspreis für Milch erhöht, auf rund 60 Cent pro Liter. Andere Lebensmittelketten werden wohl nachziehen, weil Aldi als Taktgeber gilt. Begründet wird der Preisanstieg unter anderem durch ein gesunkenes Milchangebot.

Rohmilch ist übrigens auch in Lebensmittelmärkten zu kaufen, die abgepackte Variante nennt sich dann Vorzugsmilch. Bei Kleinkindern oder Schwangeren ist das Abkochen besonders wichtig: Eine Erhitzung von 20 bis 30 Sekunden auf 72 Grad Celsius ist dabei ausreichend. Das tötet die schädlichen Keime ab, aber der Milchgeschmack und die meisten Nährstoffe bleiben erhalten.

Hintergrund

Milchtankstellen

Je nach Hersteller und Ausstattung kosten die Milchautomaten zwischen 6000 und 12000 Euro. Bis zu 200 Liter fassen die gekühlten Tanks. Die Verbraucher bestimmen per Knopfdruck selbst, wieviel Milch sie möchten - und wann: In der Regel sind die Automaten rund um die Uhr zugänglich, so sieht es das Konzept vor. Gezahlt wird im voraus, das Restgeld zurückgegeben.  Nach jeder Abfüllung reinigt sich das System automatisch. Wer kein Gefäß mitgebracht hat, kann Milchflaschen vor Ort kaufen. Viele Tankstellen können mehr, als manch ein Parkscheinautomat: Sie nehmen auch Scheine. Hersteller bieten zudem Systeme für den Verkauf pasteurisierter Milch in Supermärkten oder Tankstellen an und arbeiten an Lösungen für kompakte Pasteurisierungsanlagen.

Übersicht

Hier kann Rohmilch in Schleswig-Holstein direkt am Bauernhof selbst abgefüllt werden.

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