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Jäger warnen vor Wilderei im Norden

Schüsse in Schwedeneck Jäger warnen vor Wilderei im Norden

Es ist ein Delikt, das zahlenmäßig in den Statistiken der Polizei weit hinter Wohnungseinbrüchen oder Sachbeschädigungen auftaucht, aber bei den rund 17000 im Landesjagdverband (LJV) organisierten Jägern Unbehagen auslöst: Die Rede ist von Wilderei. 47 Fälle wurden 2015 gemeldet.

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Wilderei ist kein Kavaliersdelikt – dennoch wird die Straftat immer wieder begangen. Auchin Schleswig-Holstein.

Quelle: Friso Gentsch/dpa (Symbolfoto)

Flintbek.  „Zwei bis drei Schüsse sind neulich nachts im Bereich der Gemeinde Schwedeneck gefallen. Wir müssen sensibel sein.“ Das erklärte Christopher von Dollen, Berufsjäger und Leiter des Hegelehrreviers vom Landesjagdverband in Grönwohld, während der Jahresversammlung der Kreisjägerschaft Eckernförde. Sein Rat: „Wenn Fahrzeuge auf verlassenen Wegen parken, einfach die Daten dokumentieren. Falls es dann Verdachtsmomente gibt, können wir handeln.“

 Denn bei den Schüssen nördlich von Kiel handelt es sich offenbar nicht um einen Einzelfall. Klaus Harm ist Landesobmann für Jagdschutz beim LJV, er hat mehr als vier Jahrzehnte als Polizist beim Bezirksrevier Bad Segeberg gewirkt und sich im Dienst auf das Gebiet Wilderei spezialisiert. Er erinnert sich an viele Fälle, bei denen Wilderei im Spiel war – alles haarsträubende Geschichten.

 „Südlich von Neumünster ist es vor einiger Zeit auch immer zu nächtlichen Schüssen gekommen, die keiner der Revierpächter zuordnen konnte. Eines Tages saß der zuständige Jäger auf seinem Hochsitz und beobachtete ein paar Rehe, als über ihm im Baum eine Kugel einschlug“, erzählt Harm. Per Telefon informierte der Jäger einen Nachbarn, um den Schützen zu stellen. „Es gelang an dem Abend nicht, aber das Kennzeichen des Fahrzeugs haben sie bekommen, und so haben wir als Polizei den jugendlichen Schützen, der verbotenerweise ohne Jagdschein Jagd auf Tiere machte, relativ schnell bekommen“, erinnert sich Harm. „Die Waffe war genauso illegal wie die Munition.“

 Auch im Kreis Schleswig-Flensburg hat es vor einigen Nächten mehrfach geknallt, „betroffen waren die Waldgebiete zwischen Silberstedt, Flensburg und Glücksburg“, sagt Harm, der durch die dortige Jägerschaft informiert wurde. Beunruhigtes Wild, schrumpfende Bestände – an solchen Zeichen kann man häufig erkennen, dass Wilderer unterwegs sind, führt er aus.

 Wilderei ist kein Kavaliersdelikt – und offenbar eine Straftat, die immer wieder verübt wird – wie die Polizeistatistik zeigt. 47 Fälle von Jagdwilderei wurden im vergangenen Jahr gemeldet, insgesamt sechs Fälle wurden durch die Polizei aufgeklärt. „Damit liegt die Aufklärungsquote bei 12,7 Prozent, das ist leider sehr gering“, sagt Marcus Börner, Pressesprecher beim Landesjagdverband.

 Allerdings beinhalte der Tatbestand der Jagdwilderei nicht nur das Töten von Wild, sagt Börner. „Das Gesetz spricht eine deutliche Sprache: Der Tatbestand der Wilderei nach Paragraf 292 Strafgesetzbuch liegt auch vor, wenn abgeworfene Geweih, sogenannte Abwurfstangen, oder bereits tote Tiere aus den Revieren einfach mitgenommen werden. All das ist Wilderei und damit verboten “, betont Börner.

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Ein Artikel von
Sorka Susann Eixmann
Holsteiner Zeitung

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