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In kleinen Schritten kommt der Norden voran

Jahresrückblick 2015: Wirtschaft In kleinen Schritten kommt der Norden voran

War 2015 wirtschaftlich ein gutes Jahr für den Norden? Schwierige Frage. Natürlich gab es schlechte Nachrichten – wie jedes Jahr. Dies könnte dazu verleiteten, den Daumen zu senken. Doch wer den Blick auf das Positive lenkt, wird reich belohnt. Vor allem der Arbeitsmarkt macht Freude.

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Vor allem der Arbeitsmarkt machte 2015 Freude.

Quelle: dpa

Kiel. Man mag zum Mindestlohn stehen wie man will. Doch den Beschäftigungsmotor in Schleswig-Holstein hat das Herzensprojekt der Sozialdemokraten nicht abwürgen können. Erstmals seit 1993 rutschte die Zahl der Erwerbslosen im Jahresdurchschnitt wieder unter die magische Marke von 100000. Fast 23000 neue Stellen haben die Unternehmen im Land in einem Jahr geschaffen. Wer kein Vertrauen in die Zukunft hat, der stellt auch keine neuen Mitarbeiter ein. Zwar zeichnen sich vor allem in der Metallindustrie leichte Sorgenfalten ab, doch insgesamt rechnen die Unternehmen auch im kommenden Jahr mit guten Geschäften. Die werden allerdings auch nötig sein, um die größte Herausforderung zu stemmen, vor der der Arbeitsmarkt seit Jahrzehnten steht: die Integration tausender Flüchtlinge. Zu Recht beklagen die Unternehmen, dass die Beschäftigung junger Migranten durch Informationsdefizite und deutsches Regulierungsdickicht erschwert wird. Doch auch hier lieferte dieses Jahr positive Signale. Zum einen ist ein großer Teil der Firmenchefs im Norden sehr daran interessiert, Flüchtlingen durch Praktika und andere Maßnahmen den Weg zu einer Ausbildung zu ebnen. Und: Mit einer „Allianz für Aus- und Weiterbildung“ wollen die Stadt, Unternehmen, IHK, Bildungseinrichtungen und Gewerkschaften in der Region Kiel Schutzsuchenden neue Perspektiven für die berufliche Integration bieten. Nein, das ist kein Projekt, das morgen schon Früchte tragen wird. Aber es ist ein Vorhaben, das Mut macht, und damit ganz klar auf der Habenseite dieses Jahres zu verbuchen ist.

 Dass der Arbeitsmarkt im Norden sich 2015 in so guter Verfassung präsentiert hat, liegt auch daran, dass die Wirtschaft noch ausreichend Fachpersonal zur Verfügung hat. Allerdings kann genau dieser Faktor noch manches Unternehmen in ernste Schwierigkeiten bringen, denn der Bedarf an Fachleuten ist immer schwieriger zu stillen. Es ist fast egal, mit welchem Unternehmen man spricht – nach langen Ausführung über die gute Lage und eine starke Position im Wettbewerb folgt fast immer ein großes Aber: „Wir finden nur noch mit großen Anstrengungen neue Mitarbeiter, die wir für unser Wachstum brauchen“. Ja, das Thema Fachkräftemangel nimmt in Diskussionen inzwischen einen so breiten Raum ein, dass mancher es schon nicht mehr hören kann. Doch diese Penetranz ist leider bitter nötig: Vor allem kleinere Unternehmen im Land haben bislang kaum einen Plan, wie sie dieser Herausforderung begegnen wollen.

 Auch das Thema HSH Nordbank kann inzwischen manch einer nicht mehr hören. So heftig wie seit sechs Jahren nicht mehr hat die Existenzkrise der einst stolzen Landesbank die Politik im Norden in Schach gehalten. Die Erleichterung über die Verständigung mit der EU im Oktober währte nur kurz. Zwar haben die Parlamente in Hamburg und Kiel den Weg für ein neues, milliardenschweres Rettungspaket freigemacht, doch ganz ehrlich: Wo die Reise für die Bank und damit auch für die Steuerzahler hingeht, lässt sich heute nur schemenhaft ausmalen. Nur eins ist klar: Die alte Hoffnung, ohne finanziellen Schaden für die Länder aus dieser Nummer herauszukommen, die hat sich zerschlagen.

 Ups, da gleiten wir doch fast wieder ins Negative ab. Doch es bleibt dabei: Dieses Jahr war wirtschaftlich unter dem Strich gut für Schleswig-Holstein. Festmachen lässt sich diese These auch an einer Reihe von Nachrichten und Erfolgsgeschichten, die vom Krisendonner in der Welt schnell übertönt werden. Zum Beispiel zeigt „Der echte Norden“ erstmals wieder mit einem Gemeinschaftsstand Flagge auf der CeBIT. Und mit einem neuen Kreditfonds über 44 Millionen Euro stärkt das Land den Mittelstand. Junge und kreative Nischenunternehmen wie Pyua (umweltfreundliche Outdoorbekleidung), Traser (Spezialsoftware für den Land- und Baumaschinenhandel) oder Savit (schlüsselfertige Online-Shops für Kontaktlinsenversender) zeigen, dass der Norden nicht müde wird, mit neuen Ideen nicht nur Umsatz zu machen, sondern auch Arbeitsplätze zu schaffen. Gewiss: Große Sprünge sind das nicht. Aber voran kommt man auch in kleinen Schritten.

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Ein Artikel von
Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion

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