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76 Prozent der Honigproben sind belastet

Jakobs-Kreuzkraut 76 Prozent der Honigproben sind belastet

Der Honig in Schleswig-Holstein ist in diesem Jahr deutlich stärker durch Pyrrolizidinalkaloide (PA) belastet als in den Vorjahren. Schuld daran ist nicht nur das Jakobs-Kreuzkraut. Der grüne Umweltminister Robert Habeck fordert jetzt einen bundesweiten Grenzwert für die Giftstoffe.

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Insgesamt wurde in 76 Prozent der bisher untersuchten Honigproben das Gift aus dem Jakobs-Kreuzkraut entdeckt.

Quelle: Markus Scholz/dpa (Symbolfoto)

Kiel. Drei Extremwerte zeigen die nicht-repräsentativen Untersuchungen von insgesamt 273 ausgewerteten Proben: Ein Honig war mit 17843 Mikrogramm PA pro Kilogramm belastet. Er stammt von einem Imker, dessen Bienen in einem stark von JKK bewachsenen Gebiet fliegen. Es folgen PA-Gehalte von 7381 und 5181 Mikrogramm pro Kilogramm. Auch dort gibt es laut Aiko Huckauf vom JKK-Kompetenzzentrum besonders große Vorkommen der gelbblühenden Pflanze. Im Mittelwert war der Honig allerdings deutlich geringer belastet  - mit 213 Mikrogramm. „Rechnet man die drei Extremwerte heraus, ergibt sich ein Mittelwert von 102 Mikrogramm“, erläuterte Huckauf. Der Orientierungswert, berechnet für Erwachsene, die tagtäglich Honig essen, liegt bei 140 Mikrogramm PA.

Insgesamt wurde in 76 Prozent der bisher untersuchten Honigproben das Gift aus dem Jakobs-Kreuzkraut entdeckt. 2015 war das nur bei 32 Prozent der Fall. Allerdings wurden im Honig  auch verstärkt Giftstoffe gefunden, die in anderen Pflanzen wie Borretsch oder Wasserdost enthalten sind. 2014 waren diese Giftstoffe nur in 19 Prozent der Proben enthalten – in diesem Jahre jedoch in 49 Prozent, also etwa in jeder zweiten Honigprobe.

Dr. Aiko Huckauf, selbst Botaniker, führt dies vor allem auf die feucht-kühle Witterung im Juli zurück. Die wichtigste Trachtpflanzen, die Sommerlinde, habe kaum Nektar bilden können. Die Bienen hätten auf Alternativen ausweichen müssen. Für Habeck bedeutet das, dass den Bienen mehr Alternativen ohne PA angeboten werden müssen.

Er will sich nun mit den Imkern an einen Tisch setzen und Maßnahmen überlegen, um die PA-Belastung von Honig zu reduzieren. Eine Möglichkeit: Den Sommerhonig schleudern, bevor Jakobs-Kreuzkraut und Co. blühen. „Das wäre ein Verlust von zwei bis drei Wochen für die Imker. Andererseits hätten sie den Vorteil,  eher mit der Bekämpfung der Varroa-Milbe beginnen zu können“, meinte der zuständige Abteilungsleiteraus dem Ministerium, der selbst Imker ist.

Möglichweise müsste den Imkern, die vom Honig leben, bei Ertragseinbußen oder notwendigen Änderungen wie die Umstellung auf kleinere Waben geholfen werden, sagte Habeck. Er fordert außerdem einen bundeseinheitlichen Grenzwert für PA. Den müsste allerdings das Bundesinstitut für Risikobewertung bestimmen.

Auf die Frage, ob die Bürger den Honig im Land gefahrlos essen können, sagte der Minister: „Ja, wir können guten Gewissens Honig aus Schleswig-Holstein essen. Die hochbelasteten Honige sind ja nicht in den Verkehr gelangt. Wird der Orientierungswert überschritten, muss der Imker die Kunden darüber aufklären.“ Wer sicher gehen will, kann Honig aus der Frühjahrstracht wie zum Beispiel Rapshonig kaufen. 

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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