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Google filmt in Schleswig-Holstein

Kamera-Autos Google filmt in Schleswig-Holstein

Google lässt wieder Kamera-Autos durch Schleswig-Holstein fahren: Auch wenn das Unternehmen angibt, keine Veröffentlichung der Daten zu planen, werden Erinnerungen an den großen Widerstand gegen „Street View“ vor einigen Jahren wach. Ein Datenschützer klärt auf.

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Hier in Berlin, 2010 für „Street View“ auch in Kiel auf den Straßen: Die Wagen von Google sind derzeit wieder in Deutschland im Einsatz. Die Aufnahmen sollen laut Unternehmensangaben aber nicht veröffentlicht werden und lediglich zur Verbesserung des Kartenmaterials dienen.

Quelle: Tobias Kleinschmidt/dpa

Kiel. Ab sofort sind sie wieder auf den Straßen unterwegs: Die Kamera-Autos des Suchmaschinen- und Internetgiganten Google filmen erneut in Deutschland, um mit den Aufnahmen das Netzangebot des Unternehmens zu verbessern. Das gab Google jetzt bekannt. Einen genauen Termin für Fahrten in den Kreisen Schleswig-Holsteins und Kiel wollte Pressesprecherin Lena Heuermann allerdings nicht nennen. Eine Veröffentlichung des Materials sei nicht geplant, es diene lediglich der Verbesserung des Kartendienstes Google Maps, sagte sie.

Auf einer eigens eingerichteten Internetseite gibt Google die Fahrten von Oktober bis Dezember an. „Genauer kriegen wir den Termin auch nicht“, kritisiert Ulrich Kühn, stellvertretender Datenschutzbeauftragter Hamburgs. Die Behörde in der Hansestadt ist für Google hierzulande zuständig, da das Unternehmen seinen Deutschland-Sitz in Hamburg hat. In der vergangenen Woche sollen Google-Autos jedoch bereits in Schleswig unterwegs gewesen sein.

Molfsee wurde bundesweit bekannt

Bei ihrem ersten Auftritt in Deutschland hatten die Google-Kamerawagen für erhebliche Unsicherheit gesorgt: Sie fuhren bereits ab 2008 für die 360-Grad-Straßendarstellung namens „Street View“ durch die meistbewohnten Regionen. Schnell regte sich Widerspruch, auch Molfsee bei Kiel wurde durch seinen Widerstand bekannt. Google ermöglichte Nutzern daraufhin, Häuserfronten auf Antrag unkenntlich zu machen – handelte sich damit aber enormen verwaltungstechnischen Aufwand ein. Das Resultat: Das Unternehmen entschied sich, Deutschland nicht weiter zu erfassen. Das Land ist auf einer Europakarte mit der Abdeckung Google Street Views fernab der Ballungsräume ein blinder Fleck.

„Solange das Filmmaterial nicht veröffentlicht wird, gibt es rechtlich kaum eine Handhabe“, sagt Datenschützer Kühn. Seiner Kenntnis nach werde Google die gesammelten Daten zur Aktualisierung der Straßenverläufe, Einbahnstraßen, Ampelregelungen oder Details wie Bankautomaten nutzen. Außerdem sei durchaus möglich, dass „keine reine Fotografie, sondern auch Radaraufnahmen“ angefertigt würden. Google bietet in einigen Städten 3D-Darstellungen der Gebäude an.

Aufnahmen auch in Ladenlokalen

Google oder externe Dienstleister kontaktieren aber zurzeit auch Unternehmen und unterbreiten ihnen das Angebot, 360-Grad-Aufnahmen beispielsweise in einem Geschäft anzufertigen. Diese könnten Nutzer dann über die Google-Kartenansicht direkt aufrufen. Hier gilt allerdings: „Wenn ich das in meinem Laden mache, muss ich natürlich sicherstellen, dass da keine Personen drauf sind, die es nicht wollen“, sagt Kühn.

Beim Blick auf Google Maps fallen außerdem immer mehr von Privatpersonen eingestellte Panorama-Aufnahmen an bekannten Stellen auf: Dort werden nicht die gleichen Datenschutzmaßnahmen wie auf den Aufnahmen Googles durchgeführt, Gesichter und Nummernschilder also nicht gepixelt. Dass Google auf diese Zuarbeit der Nutzer in einem juristischen Graubereich setzt, steht für Datenschützer Kühn außer Frage: „Das Geschäftsmodell müsste man in seiner Rechtsdimension nochmal prüfen“, regt er an.

Das gibt Google bekannt

Hier können Sie die Bekanntgabe der Fahrten durch Google nachlesen, hier sehen Sie die Übersicht von Street View. In die Karte können Sie hereinzoomen, um die Übersicht detaillierter zu betrachten.

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Ein Artikel von
Niklas Wieczorek
Lokalredaktion Kiel/SH

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Kommentar

Deutschland hinkt hinterher, der Norden noch mehr: Das muss der Betrachter des Straßendienstes Google Street View unweigerlich denken, wenn er die Europaübersicht aufruft. Das alles ist ein Verdienst der deutschen Lust am Datenschutz.

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