18 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
Kampf gegen Salafisten in Gefängnissen

Schleswig-Holstein Kampf gegen Salafisten in Gefängnissen

Junge Männer gelten als besonders anfällig für Radikalisierungsversuche von Salafisten. Speziell im Strafvollzug sind die Gefahren nach Einschätzung der Innenminister der Länder hoch. In Schleswig-Holstein wird präventiv zu wenig getan, kritisiert die Opposition im Landtag.

Voriger Artikel
Wie in alten Traumschiff-Zeiten
Nächster Artikel
Verdi weitet Post-Streik im Norden aus

Der Bund der Strafvollzugsbeamten warnt, dass Salafisten in deutschen Gefängnissen für ihre Ideologie werben würden. Gezielt müsse der Einsatz von muslimischen Seelsorgern verstärkt werden. In Schleswig-Holsteins Justizvollzugsanstalten gibt es bislang zwei Imame.

Quelle: dpa

Kiel. Gezielt würden radikale Islamisten in deutschen Gefängnissen für ihre Ideologie werben, warnt der Bund der Strafvollzugsbediensteten Deutschland (BSBD) und fordert, mehr muslimische Seelsorger für die Betreuung von Gefangenen anzuwerben.

 Etwa zehn Prozent der Insassen in den Justizvollzugsanstalten in Schleswig-Holstein sind laut Landes-Justizministerium muslimischen Glaubens. Tatsächlich gibt es aber nur zwei Imame, die in Kiel und Lübeck tätig sind. Wie aus der Antwort einer parlamentarischen Kleinen Anfrage der FDP hervorgeht, gebe es in der JVA Neumünster überdies einen muslimischen Religionslehrer, der den Kontakt zu den Häftlingen suche.

 Zu wenig, kritisieren CDU und FDP im Landtag. „Imame leisten in den Justizvollzugsanstalten des Landes nicht nur einen wichtigen Beitrag zur Seelsorge, sie können aufgrund ihrer religiösen Autorität auch helfen, eine Radikalisierung von Häftlingen im Gefängnis zu verhindern“, sagt FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki. Umso bedenklicher sei es, dass die Landesregierung – wie sie in der Beantwortung der Kleinen Anfrage einräumt – keine Erkenntnisse über die Ausbildung der in den Justizvollzugsanstalten des Landes tätigen muslimischen Seelsorger hat. Auch „belastbare Erkenntnisse“, wie oft Salafisten in Gefängnissen versucht haben, andere Inhaftierte zu radikalisieren oder zu rekrutieren, hat das Justizministerium nicht. „Angesichts der herausragenden Bedeutung der Gefängnisseelsorge sollte die Landesregierung hier dringend verbindliche Standards festlegen“, fordert Kubicki. Allein ist er mit seiner Meinung nicht: „Die Landesregierung muss sicherstellen, dass die Seelsorge nicht von radikalen islamistischen Predigern als Einfallstor in Haftanstalten missbraucht wird“, verlangt CDU-Justizexpertin Barbara Ostmeier. Justizvollzugsanstalten dürften keinen Freiraum für weitere Straftaten bieten.

 Tausend Euro investiert das Justizministerium für muslimische Seelsorge. Zum Vergleich: Zwei der drei evangelischen Gefängnispastoren finanziert das Land komplett, katholische Seelsorge wird jährlich mit einem Zuschuss von 51.130 Euro bezuschusst.

 BSBD-Landesvorsitzender Michael Hinrichsen drängt überdies zu noch mehr Aufklärung und Schulung des Gefängnispersonals: „Auch in Schleswig-Holstein sitzen radikale Islamisten in den Gefängnissen“, sagt er. Zwar würden die Bediensteten sehr genau hinschauen, aber: „Wir verstehen die Sprache nicht und wissen mitunter nicht, worum es in Gesprächen geht“, so Hinrichsen. Umso wichtiger wäre eine enge Zusammenarbeit mit den muslimischen Gemeinden, um die Arbeit von Imamen in den Gefängnissen zu intensivieren. „Nach unserem Eindruck ist das Interesse von Insassen an seelsorgerischer Arbeit rückläufig“, so der Gewerkschafter. In diese Lücke könnten radikale Islamisten bei der Anwerbung stoßen. „Zugleich müssen Mitarbeiter in den Justizvollzugsanstalten noch intensiver über Salafismus geschult werden“, verlangt Hinrichsen. Bislang bieten die Anstalten und der Verfassungsschutz einmal pro Jahr so genannte Sensibilisierungsveranstaltungen an, bei denen auch Indikatoren zur Früherkennung islamistisch-terroristischer Tendenzen erläutert würden. Dem BSBD geht das nicht weit genug: Landeschef Hinrichsen wünscht sich feste Expertenteams in den Gefängnissen im Land.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten: Schleswig-Holstein 2/3