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Riskanter Auftrag über Feindgebiet

Pilot in Jagel Riskanter Auftrag über Feindgebiet

Sein Arbeitsplatz ist der „Tornado“ – hinter dem Piloten. Bereits sechsmal flog Waffensystem-Offizier Nils G. (Name aus Sicherheitsgründen abgekürzt) mit einem Aufklärungsjet zu Bundeswehr-Einsätzen über Afghanistan. Seine nächste „Dienstreise“ führt ihn im neuen Jahr nach Syrien.

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Waffensystemoffizier Nils G. vom Taktischen Aufklärungsgeschwaders 51 „Immelmann“ auf dem Fliegerhorst in Jagel vor einem „Tornado“-Aufklärungsflugzeug: Im nächsten Jahr soll der 37-Jährige helfen, Luftbilder aus Syrien zu liefern.

Quelle: Axel Heimken/dpa

Jagel. Der Einsatz gegen die Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) gilt als eine der heikelsten Mission in der Geschichte der Bundeswehr. „Aber vieles ist einfach Gewohnheit“, sagt der Oberstleutnant ruhig.

Nils G. steht im Hangar auf dem Flugplatz bei Jagel und schaut zum Cockpit seines Jets. Das dunkle Visier des Helms hat der Offizier heruntergezogen, der Anblick erinnert an Hollywoods „Top Gun — Sie fürchten weder Tod noch Teufel“. Doch der Deutsche entspricht nicht dem draufgängerischen Filmhelden Maverick, sondern wirkt besonnen und eher bodenständig. „Ich bin nicht der Klischee-Pilot“, sagt der 37-Jährige. „Haudrauf-Typen“ seien hier falsch.

Fliegerisch ist Afghanisten mit Syrien vergleichbar

Die Soldaten des Taktischen Aufklärungsgeschwaders 51 „Immelmann“ sind Experten für hochauflösende Bilder aus Krisenregionen. Von 2007 bis 2010 flogen die Jets aus Norddeutschland über Afghanistan. „Rein fliegerisch“ sei die Aufgabe in Syrien damit vergleichbar, sagt der Offizier. „Wir fliegen auf jeden Fall immer zu zweit.“ Das habe sich im Einsatz bewährt. Seit 2002 sitzt Nils G. im Cockpit, 1500 Flugstunden. Kosenamen haben die Maschinen nicht. „Das ist ein Flugzeug, eher Arbeitsgerät“, sagt der Flieger. Als Waffensystemoffizier übernimmt er den Großteil der Planung des Flugs, nach dem Start ist die Navigation seine Hauptaufgabe. Dazu kommt der Blick auf die Bilder vom Boden. Unterm Rumpf der Maschine ist das digitale Aufklärungssystem „RecceLite“ befestigt und liefert mit seinen hochauflösenden elektro-optischen und Infrarot-Sensoren bei Tag und Nacht digitales Bildmaterial. Hat der „Tornado“ direkte Sichtverbindung, funkt er die Ergebnisse der Aufklärungsflüge in Echtzeit an die Bodenstation.

Mit Gefahr offen umgehen

Zwar verfügen die Kämpfer des IS über keine Luftabwehr. Auch die Gefahr vom Boden schätzt der Flieger als gering ein. „Wir bleiben außerhalb der Reichweite schultergestützter Raketensysteme“, sagt er. „Wir müssen dank der Technik gar nicht ganz groß runter, das wird kein Tiefflug.“ Trotzdem bleibt der gefährliche Einsatz natürlich Thema, besonders in den Familien der Besatzungen. „Es hilft nur, offen darüber zu sprechen“, sagt Nils G.. Zwar wisse seine Familie ungefähr, was auf ihn zukomme. „Aber das ist natürlich ein neuer Einsatz.“

Die grauenhaften Bilder eines von IS-Kämpfern bei lebendigem Leib verbrannten jordanischen Piloten stecken aber in den Köpfen. „Man klammert das nicht aus, die Wahrscheinlichkeit einer Gefangennahme ist sehr, sehr gering“, sagt Nils G.. „Aber natürlich denkt man darüber nach.“ In Afghanistan hätten die Crews offen darüber gesprochen, wie man sich verhalten solle: „Denn es geht ja nicht nur einer runter.“

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