23 ° / 15 ° Gewitter

Navigation:
Chinesen üben in der Ostsee

Kampfverband Chinesen üben in der Ostsee

Auf der Ostsee herrscht Eiszeit. Erst vorige Woche fingen zwei dänische Abfangjäger russische Bomber des Typs Tupolev TU-22M ab. Seit Dienstag üben über 50 Schiffe und Flugzeuge aus 17 Staaten im Kattegat und in der westlichen Ostsee unter deutscher Führung. Mitten in die Anfangsphase des Manövers „Northern Coast“ platzt jetzt auch ein Verband aus China.

Voriger Artikel
Europäische Auster soll zurückkehren
Nächster Artikel
Kühe im Norden dürfen am häufigsten grasen

Im Januar besuchte eine Delegation der chinesischen Marine unter Leitung von Admiral Zhang Chuanshu das U-Boot „U 995“ in Laboe. Im Oktober möchte die chinesische Marine nach einem vierwöchigen Ostsee-Besuch mit einem Verband erstmals den Nord-Ostsee-Kanal passieren.

Quelle: Frank Behling

Glücksburg. Aus der Volksrepublik kommen keineswegs Schulschiffe, sondern ein Kampfverband. Der modernste chinesische Lenkwaffenzerstörer, eine Fregatte und ein Versorgungsschiff hatten nach einem Einsatz gegen Piraten vor Somalia am 3. September den Suez-Kanal passiert. Doch entgegen der Erwartungen von Militärexperten folgte kein Manöver im Mittelmeer, sondern die Chinesen fuhren um Europa herum direkt bis ins Skagerrak. Zum Wochenende wird der Verband in Kopenhagen zu einem offiziellen Besuch erwartet. Die Passage der Hoheitsgewässer der Nato-Staaten Deutschland und Dänemark ist nach Informationen dieser Zeitung genehmigt. Anders als Russlands Marineschiffe sind die Einheiten aus China eher Partner, wenn sie auf ihren Fahrten Kadetrinne und Fehmarnbelt passieren.

 Die deutsche Marine ist über die Präsenz der Chinesen zwar informiert. Es seien aber keine gemeinsamen Manöver geplant, heißt es auf Anfrage beim Marinekommando in Rostock. Die Kontakte mit der chinesischen Marine sind durch die Marineoperation gegen die Piraten vor Somalia intensiver geworden. Im Januar hatte ein chinesischer Verband erstmals Hamburg besucht. Dabei würdigte der chinesische Verbandschef Admiral Zhang Chuanshu die gemeinsamen Aktivitäten zur Sicherung der Seewege, die für Chinas und Deutschlands Wirtschaft sehr wichtig seien. Seit zwei Jahren gibt es Containerlinien von Polen direkt bis China. Die Maersk Line und Hapag-Lloyd fahren mit großen Containerschiffen wöchentlich ab Danzig nach Shanghai. Deshalb kommt die Ostsee ins Spiel.

Unruhige Ostsee

 Knapp vier Wochen wollen die Chinesen in der Gegend bleiben. Über genaue Kurse und ihre Beweggründe für den Ostseebesuch hält sich die chinesische Marine aber bedeckt. Es wird militärisches Interesse vermutet. „Es ist in der Ostsee unruhiger geworden. Die Chinesen werden diese Entwicklung auch mit eigenen Mitteln verfolgen wollen“, sagt Professor Joachim Krause vom Institut für Sicherheitspolitik der Universität Kiel. Der Umstand, dass es eine verdeckte Aufklärungsoperation sein könnte, wird bei den Beobachtern durch die zeitliche Überschneidung mit dem Seemanöver „Northern Coast“ gesehen. „So ein Verband ist natürlich auch immer für die Aufklärung gut geeignet“, sagt Krause.

 Das Manöver „Northern Coast“ läuft bis Ende September. Es startete am Montag im Kattegat. Ausgerechnet zu dem Zeitpunkt kreuzten die chinesischen Schiffe auf. Der chinesische Verband wird von dem Zerstörer „Jinan“ angeführt. Das 155 Meter lange Kampfschiff wurde erst im Dezember vorigen Jahres in Dienst gestellt und ist der modernste chinesische Zerstörer. Begleitet wird die „Jinan“ von der Fregatte „Yiyang“ und dem Versorgungsschiff „Qiangdaohu“.

 Nach einer Pressemeldung aus China soll der Verband eine Weltreise absolvieren. Auf der Route liegen Besuche in Kopenhagen, Stockholm, Helsinki, Danzig und Lissabon. Danach gehe es weiter in die USA, nach Kuba, Mexiko und Australien. Nach Meldungen aus China soll der Verband rund 30000 Meilen bis Dezember zurücklegen. Höhepunkte seien die Passagen der drei großen Kanäle der Welt. Der Suez-Kanal, der Nord-Ostsee-Kanal und der Panama-Kanal stehen auf der Route. Die Passage des Nord-Ostsee-Kanals ist im Oktober geplant. Ein Hafenbesuch bei der Deutschen Marine in Kiel sei diesmal aber nicht beabsichtigt, wie die Marine auf Anfrage bestätigt.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

THW-Liveticker

Verfolgen Sie alle Spiele vom THW Kiel in unserem Liveticker.

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Anzeige
ANZEIGE
Mehr zum Artikel
Kommentar

Die Denkschrift „Der Einfluss der Seemacht auf die Geschichte“ aus dem Jahr 1890 bestimmte die Marinepolitik der USA im 20. Jahrhundert. Autor war ein gewisser Alfred Thayer Mahan. Der Konteradmiral der US Navy gilt bis heute als Vordenker der modernen Seemacht.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Nachrichten: Schleswig-Holstein 2/3