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Steinbrück sieht Schwarz-Grün

Kiel-Besuch Steinbrück sieht Schwarz-Grün

Peer Steinbrück redet immer noch Klartext. In einer Talkrunde im Landeshaus rechnet der ehemalige Landeswirtschaftsminister, Bundesfinanzminister und SPD-Kanzlerkandidat nicht nur mit der EU, der AfD oder auch der eigenen Partei ab, sondern wagt im Gespräch mit unserer Zeitung auch einen Ausblick.

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Stets beredt: Peer Steinbrück stellte in Kiel sein Buch „Vertagte Zukunft. Die selbstzufriedene Republik“ vor.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Demnach bleibt Kanzlerin Angela Merkel an Deck und könnte nach der Bundestagswahl vielleicht mit den Grünen regieren. „Die Wahrscheinlichkeit, dass Merkel wieder antritt, liegt bei 90 Prozent“, erklärt Steinbrück. „Die Leute wollen Merkel, aber nicht mit den Inhalten, die sie im Moment vertritt.“ Die Kanzlerin werde deshalb in der Flüchtlingspolitik „Akzente verschieben“ und auf dem CDU-Bundesparteitag Anfang Dezember in Essen die bereits erfolgten Korrekturen in den Vordergrund stellen. Seine Hand würde Steinbrück aber nicht dafür ins Feuer legen, dass Merkel weitermacht. Dazu könne in der Politik sehr schnell sehr viel passieren. „Wir haben schon Pferde vor der Apotheke kotzen sehen.“

 Eine klare Einschätzung hat Steinbrück dazu, wer Deutschland ab Herbst 2017 regieren könnte. „Ein rot-rot-grünes Bündnis ist ein reines mediales Thema“, sagt der Noch-Bundestagsabgeordnete. Insbesondere die Grünen hätten andere Pläne. „Sie beschäftigen sich mit der Frage, ob sie nicht in eine schwarz-grüne Koalition eintreten werden.“ Scheitere dieses Modell, bleibe wohl nur eine Große Koalition. Die AfD sieht Steinbrück bundesweit „bei über zehn Prozent“.

 Auch in der Talkrunde, zu der die Parlamentarische Gesellschaft Schleswig-Holstein und der Kieler Presse-Klub eingeladen haben, spielt die AfD eine Rolle. Steinbrück warnt die fast 100 Gäste vor einer „Dämonisierung“ der Rechtspopulisten, baut darauf, sie „in den Parlamenten zu entzaubern“. Ansonsten referiert der Hamburger, der in Kiel studierte und an der Förde seine Polit-Karriere begann, die Kernthesen seines jüngsten Buches („Vertagte Zukunft“). Er kritisiert die EU, die nicht mal kleinere Probleme lösen könne, fordert eine Pro-Europa-Debatte. Auch die SPD bekommt ihr Fett weg. Sie müsse begreifen, „dass Verteilung erst nach der Erwirtschaftung möglich“ sei. Zudem sollten die Parteifreunde sich über Kompromisse mehr freuen. „Die SPD hadert stets mit sich selbst, weil sie das Maximalziel nicht erreicht.“ Am meisten Beifall erhält der 69-jährige, als er sich auf die Frage, ob er nicht Kanzler könne, selbst auf die Schippe nimmt: „Ich arbeite an der Kandidatur für 2025.“

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Ein Artikel von
Ulf B. Christen
Landeshaus-Korrespondent

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